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Versuch eines Rückblickes
oder Der große Schritt durchs Tor zur
Freiheit |
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Dieses
Wort steht vor jedem Anfang eines neuen Lebensabschnitts. Mit der
Geburt nimmt man Abschied vom Mutterleib, mit der Einschulung von der
Kindheit, mit der Heirat von der Junggesellenzeit, mit der Geburt der
Kindern von der Jugend, mit der Heirat der Kinder vom lebhaften
Familienleben und mit dem Ruhestand vom Arbeitsleben. Das Leben hält
zusätzlich Abschiede von lieben Menschen, gehätschelten Haustieren,
Passionen und Dingen bereit, die uns am Herzen liegen. Doch immer wieder
gibt es einen neuen Anfang mit neuen Eindrücken und lohnenswerten Zielen.
Mit dem Eintritt in den Ruhestand machte ich einen großen Schritt durch
das Tor zur Freiheit und nahm Abschied vom bisherigen Lebensinhalt, der
mir viele Jahre sehr sehr viel bedeutete, aber mich zum Schluss auch sehr
einengte. Was mir am Ende des Berufslebens
abhanden kam, war die Freiheit und auch die Luft zum Atmen wurde zunehmend
dünner. Sie wurde mir von
meinen letzten Vorgesetzten teilweise sogar genommen, zumindest nachhaltig
vergiftet, so dass es für mich ein leichter, letztendlich herbeigesehnter Abschied
wurde.
Heute - 5 Jahre, nachdem ich zum letzten Mal durch das Werkstor
ging, bin ich wieder voller Lebensfreude. Ich lebe in Freiheit. |
Der
innerliche Abschied vom Berufsleben begann bereits 1995
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Bei
meinem Rückblick möchte ich doch noch einmal auf das Jahr 1995 zurück kommen,
in dem ich die Webstory "Das
Bauernopfer" schrieb, die inzwischen sehr viele Menschen
gelesen haben und immer noch aufrufen. Sie beschreibt eine Phase meines
Berufslebens, die in mir sehr viel veränderte und in der ich nur mit größter
Disziplin in der Spur blieb, solange, bis ich restlos rehabilitiert war und die Gegenspieler der Reihe nach ihre gerechte Strafe bekamen. Obwohl anonym
geschrieben, outete sich einer der Hauptfiguren, so dass die gesamte Kette der
Pseudonyme entschlüsselt werden konnte. Das geschah aber erst bei meinem
Eintritt in den Ruhestand und schlug danach hohe Wellen, weil viele ehemalige
Weggefährten während der Arbeitszeit "das Bauernopfer" lasen und als
Multiplikatoren fungierten. So etwas hatte es bis dahin in diesem Unternehmen
noch nicht gegeben und einige Führungskräfte fürchteten um ihr Ansehen.
Meine
Anfang April 2002 begonnenen Glossen über meinen "Unruhestand", in
die ich immer wieder Kritik an den zuletzt herrschenden Verhältnissen
einfließen lief, führten dazu, dass ich zur Persona non grata erklärt
wurde und seit diesem Tag nie wieder in meiner alten Firma war, der ich bis zum
Schluss 34 Jahre diente. Interessanterweise ging dadurch auch der Kontakt zu
meinen ehemaligen Mitarbeitern und Kollegen verloren - bei einem Teil vom ersten
Tag an und bei anderen nach ca. 3 Jahren. Daran bin ich wahrscheinlich nicht ganz unschuldig,
denn ich binde mich selten intensiv an Menschen. Damit scheine ich aber nicht
allein zu sein. Das Kapitel hat sich restlos erledigt. |
Hobbyjournalismus
- die neue Passion
Wer
als kommunikativer Mensch in den Ruhestand geht, hat vielfach das Bedürfnis,
sich weiterhin intensiv mit Menschen, deren Gedanken und Handlungsweisen
auseinander zu setzen. Das ist automatisch damit verbunden, dass man dazu einen
eigenen Standpunkt bezieht. Das kann leise und zurückgezogen, aber auch etwas
lauter und reaktiver erfolgen. Ich wählte letzteren Weg, als sich in Maintal
das Bowfonds-Projekt "Wohnen am See" dem Ende zu neigte und die
letzten vertraglichen Zusagen eingefordert wurden, als die Olympia-Ruderstrecke
diskutiert wurde und sich die Maintaler Politik zunehmend gegen die
Bürgermeisterin Dorothee Diehl verschwor.
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Ein
Schlüsselerlebnis, bei dem ich erkannte, wie wenig ich tatsächlich über
die Maintaler Kommunalpolitik wusste, führte dazu, dass ich meine
satirische Homepage um das Thema "Kommunalpolitik" erweiterte.
Seit 2003 besuchte ich alle Stadtverordnetenversammlungen, zahlreiche
Ausschusssitzungen, Parteiveranstaltungen, Bürgerversammlungen und
kommunale Arbeitskreise, um darüber zu berichten, was die meisten Bürger
gar nicht registrieren oder wissen wollen. Der Grund des
Nicht-wissen-wollens ist die Politik- bzw. Politikerverdrossenheit. Eines
meiner Anliegen ist es, der Verdrossenheit entgegen zu wirken und für
mehr Interesse sowie eine höhere Wahlbeteiligung zu werben.
Meine
anfängliche Vision, dies gelänge mir, wenn ich nur darüber berichtete,
dass sich Dinge zum Guten wenden, war noch sehr stark. Es begann auch sehr
hoffnungsvoll und eine meiner ersten Hoffnungen war es, dass
Bürgermeisterin Dorothee Diehl ihre Krise überwinden
würde, damit eine frischere Politik einziehen könne. Die Dinge
entwickelten sich aber anders, weil es die Parteigranden aller Fraktionen
so wollten. Maßlos von der verbohrten Haltung der Bürgermeisterin
enttäuscht, schloss ich mich der Abwahl-Initiative an, was wohl mein
größter Fehler war, den ich mir heute vorwerfen muss, denn am Ende stand
wieder Erhard Rohrbach auf dem Podest, das er kurz zuvor
unter interessanten Gesichtspunkten geräumt hatte. Ihn hatten zwar viele
Bürger wiedergewählt, letztendlich wollten ihn aber nur knapp 20% der
Maintaler Wahlberechtigten haben und die Abwahl-Mitstreiter fühlten sich
ebenfalls vorgeführt. Er war aber der Sieger und für mich von da an das
lebende Mahnmal der Maintaler Politikverdrossenheit.
Nun
begann ich langsam zu begreifen, dass sich in Maintal über viele Jahre
eine politische Kultur verfestigt hat, die gerade auf dem politischen Desinteresse
der Bürger aufbaut. Der Öffentlichkeit kam die Aufmerksamkeit
abhanden, dubiose Entscheidungen rechtzeitig zu erkennen, richtig zu
gewichten und wirksam gegen sie Front zu machen - die Chance für die
Kommunalpolitik der besonderen Art! |
Hinzu kommt eine
pressetechnische Monokultur, die einer journalistische Wüste gleichkommt.
Alle regionalen Tageszeitungen bis auf den Maintal TAGESANZEIGER berichten
kaum mehr über Maintaler Kommunalpolitik und die Frankfurter
Rundschau hat ihr Interesse an Maintal nochmals stark reduziert. Die
Wochenzeitungen dagegen sind journalistisch gesehen Huren, die jedermanns Texte
kritiklos abdrucken, weil die Werbung im Vordergrund steht. In Maintal fehlt es
diesbezüglich an kritischen Stimmen und an mobilisierenden Kräften. Diese Lücke versuche ich
mit den etwas anders aufgemachten Sichten zu schließen. Es gelingt mir manchmal
ganz gut, meistens stelle ich jedoch fest, dass es ein Tropfen auf den heißen
Stein ist.
Vor
einem Jahr wollte ich nach einem unglaublichen Possenspiel im Parlament um eine
wichtige Immobiliensache meine Berichterstattung einstellen. Nachdem ich von
verschiedenen Seiten ermutigt wurde, den Entschluss noch einmal zu überdenken,
stellte ich meine aufwändige Berichterstattung und Kommentierung von täglich auf
wöchentlich um. Damit gelang es mir, den Aufwand zu reduzieren und trotzdem Entwicklungen noch transparenter zu
machen, weil man die Wocheninformation zusammenfassen und kommentieren kann. Obwohl der
kommunalpolitische Brei immer zäher wird und die Ausrichtung der Politik immer
mehr von den wirklichen Bedürfnissen der Bürger wegdriftet, ist in Maintal
noch nicht alles verloren. Also schreibe ich weiter.
Infotainment-Homepage
In
den letzten 5 Jahren erweiterte ich meine Homepage um die Rubriken Alterssatiren,
Wochenendglossen, VERMISST
(Schicksal eines Soldaten) und Martinas Seite
sowie einige weniger frequentierte Seiten. Derzeit verzeichne ich monatlich
über mehr als 200.000 Hits und bei monatlich ca. 6.000 Besuchen werden rund
14.000 mal Seiten aufgerufen und Inhalte herunter geladen. Die nach wie vor am
stärksten aufgerufenen Seiten sind die aktuellen
politischen Seiten, der dicke Hund ,
Altlasten, politisches
Archiv, Wahlprogramme und Maintaler
Brennpunkte. Ich stelle mit steigenden Zugriffszahlen fest, dass
Infotainment eine ansprechende Art der Nachrichtenverarbeitung und das
Präsentieren bestimmter Sichten ist. Dinge, die man nur im Vorübergehen
registriert, rücken für einen Augenblick ins Rampenlicht. Die Summe dieser
Bewusstmachungen und der jeweils dabei benutzte markante Aufhänger bewirken,
dass man sich später besser daran erinnern kann.
Engagement
im Verein
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Mit
dem Eintritt in den Ruhestand bürdete ich mir die Last des Kassiererpostens
meines Vereins auf, reorganisierte den Kassenbetrieb und baute ein
Finanzcontrolling auf. Mit dessen Hilfe gelang es, den
Verein innerhalb von 3 Jahren aus seiner Finanzkrise herauszuholen. Die Finanzen
entscheiden nämlich maßgeblich über die Qualität der Umsetzung guter Ideen und
vorhandener Potenziale. Enthusiastisch stürzte ich mich in
die Arbeit und war in vielen Schlüsselfunktionen aktiv, bis es einigen spitzen
Zungen gelang, dem Vorsitzenden des Vereins einzureden, dass meine Position zu
stark würde. In einem beispiellosen Akt der Anfeindung erlitt mein
Engagement einen gewaltigen Knacks und ich beschloss praktisch über Nacht, aus
diesem Grund
meine gesamten Aktivitäten geordnet aber zügig zurück zu schrauben. Ab dem
100-jährigen Jubiläum im Jahr 1996 erlebte der Verein nicht nur eine
Umstrukturierung, sondern auch einen unvergleichlichen Höhenflug, der
dessen Ansehen gewaltig veränderte. Das war nun nicht gerade in Gefahr,
aber das Überleiten der Schlüsselfunktionen brauchte seine Zeit.
In der
durch die Spannungen insgesamt vergifteten Atmosphäre legte dann
nach monatlangen Meinungsverschiedenheiten um eine Eklat, den
Bürgermeisterin Dorothee Diel auf der HMV-Bühne lieferte, der gleiche Vorsitzende sein Amt nieder, Die Spannungen waren dann
weg und der Verein setzte seinen begonnen Höhenflug ungehindert fort. Im Jahr
2005 war das Kapitel "Rückzug" dann für mich restlos abgeschlossen und ich konnte mich wieder den
rein kreativen
Seiten des Vereins und meinen anderen Interessen zuwenden. |
Kabarett
und Hochstädter Kreppelzeitung
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Das
zuvor ins Leben gerufene Kabarett des Vereins, das jetzt den Namen MIKROKOSMOS
trägt, gab ich ebenfalls in jüngere Hände ab und befasste mich innerhalb des Ensembles als
Texter, Planer, Kulissenhersteller und Akteur. Auch den Posten des
Chefredakteurs der Hochstädter KREPPELZEITUNG gab ich ab, womit auf dieser
kreativen und substanziellen Seite des Vereins ebenfalls die Weichen in die Zukunft
gestellt waren. Verjüngung und Erneuerung war angesagt und ich begleitete sie
stets progressiv.
Im
Moment laufen gerade wieder die Vorbereitungen zum Kabarettprogramm
2007 und für die KREPPELZEITUNG an. Auf diese beiden
Gebiete habe ich meine Vereinsarbeit reduziert, weil sie mir am meisten
Spaß bereiten. Hier ist es gerade der Umgang mit der jungen Generation,
die mir besonders am Herzen liegt.
Aus
dem restlichen Vereinsleben habe ich mich eigentlich komplett
verabschiedet, obwohl ich natürlich größtes Interesse an der Gesamtheit
der profilprägenden Aktivitäten des Vereins habe. Hier ist momentan die Fraktion
der Festveranstalter besonders rührig, was sich mit der dritten
Fastnachtssitzung, dem doppelten Hallenfest und der Hochstädter Kerb 2007
ausdrückt. Mein Ding ist es bekanntlich nicht, aber es gibt dafür
Mehrheiten, die auch gern die zusätzliche Arbeit auf sich nehmen. Vor einigen
Jahren war auch ich auf diesem Gebiet ein Starkleister des Vereins - das
hat sich inzwischen aber gelegt. Man muss auch abgeben können.
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Sanierung,
Renovierung, Umzüge, Familienzusammenführung - Neuordnung des Wohnumfelds und Altenbetreuung
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Mitte
2004 traf ich mit dem Kauf einer Eigentumswohnung eine wesentliche Entscheidung,
womit ich mich von der eigentlich geplanten Übernahme der Immobilie verabschiedete, die ich über 25
Jahre bewohnte. Das Alter meiner Eltern und die sich abzeichnende Pflege führte
mich räumlich in die gleiche Straße meiner Eltern und ich war 3 Monate mit der Renovierung
und dem Umzug beschäftigt. Während meiner Berufszeit hätte ich das nie so
bewältigt, wie mir das damals gelungen ist. Erstmals zahlte sich der Ruhestand so
richtig aus.
Ende 2005 ergab sich die Gelegenheit, die Nachbarwohnung für meine
Eltern zu kaufen und ich stürzte mich erneut in umfangreiche
Renovierungsarbeiten, die ähnlich lange dauerten, wie bei meiner eigenen Wohnung.
Seitdem meine Eltern - 85 und 87 Jahre alt - neben uns wohnen, komme ich der neuen
Verpflichtung nach, die ich sehr ernst nehme. Damit verbunden ist allerdings
auch, dass ich täglich erahne, was in einem Vierteljahrhundert auf mich
wartet, wenn ich es überhaupt erleben sollte.
Im
neuen Umfeld fühle ich mich überaus wohl und der gute Kontakt zu allen
Mitbewohnern ist eine gänzlich neue Erfahrung, die mir zwischenzeitlich
fast verloren gegangen war.
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Gartenparadies
abgebrannt - der Neuanfang beflügelt
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Das
Jahr 2006 sollte eigentlich der Erholung dienen, die Dinge hielten mich
allerdings in Trab. Der Garten, den ich 25 Jahre lang systematisch aufbaute und
gestaltete, sollte endlich meine Ruhezone für das Alter werden. Ein knallheißer
Sommer machte es einem unerträglich, den Garten richtig zu genießen.
Am 22.
Dezember - 2 Tage vor Heiligabend und drei Wochen, nachdem unsere Katze starb -
wurde unser Gartenparadies angezündet und es brannte komplett ab, ebenso wie
das meiner Gartennachbarn. Das war es dann! - dachte ich...
Wie
war das mit dem Abschied?
Nach
einem Abschied kommt immer ein neuer Anfang!?
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Seit
Anfang Januar 2007 arbeite ich an meinem neuen Gartenparadies und jetzt - Ende Juni
2007 - ist es fast fertig. Es ist sogar schöner und funktionaler als die alte
Lösung. Wieder bündelte ich alle Kraft und und baute etwas auf, wie
man das von mir kennt. Werde ich es in diesem Sommer endlich genießen
können?
Sicherlich
- neben dem Kabarettprogramm 2007, den Vorbereitungen der Kreppelzeitung 2008,
der Verfolgung der Kommunalpolitik, der Fortführung meiner politischen Website, den Hilfsdiensten für meine Eltern und natürlich
den Wünschen meiner Frau. Man muss sich halt die Zeit nehmen.
Das
alles ist für mich keine Last, sondern gehört zur Freude darüber, dass
ich ein freier Mann bin, der tun und lassen kann, wie, wo, wann und was ihm Spaß macht.
Besonders dankbar bin ich, dass ich mich (aber wer weiß das schon genau?) einer
robusten Gesundheit erfreue. Na denn...!
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