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Die
Aufzeichnungen und Karten auf dieser Website werden leider von
"Militaria-Suchern" benutzt, die nach Kriegsgerät graben.
Hierbei werden auch menschliche Überreste und Erkennungsmarken gefunden. Es wäre
zur Klärung ungeklärter Kriegs- schicksale gut, wenn
der neben stehende Aufruf befolgt würde. |
An
alle Militaria-Sucher im Raum Königsberg:
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906 2302651 So
können noch Schicksale geklärt werden!
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FELDPOST-
Briefe
nach
60
Jahren
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Achtung:
Besuchen Sie auch
KRIEGSBERICHTERSTATTUNG für eine spezielle
Heimat-Klientel
Eine
Exkursion
in die Vergangenheit
Auf
dieser Website möchte ich meine Leser mit einer Sache vertraut machen, die vielleicht
etwas seltsam anmutet, aber sie bewegt mich, seitdem ich mich damit
befasse. Beim Umzug meiner Eltern fielen mir 2006 mehr als
150 Feldpostbriefe eines nahen Verwandten in die Hände, der mit 18 Jahren
zum Militär kam, mit 20 Jahren in den Russland-Feldzug geschickt wurde
und im Alter von 23 Jahren wahrscheinlich in der Nähe von Königsberg -
genauer gesagt in Groß Hoppenbruch bei Heiligenbeil sein Leben verlor.
 |

EUR
24,80 (D) / EUR 26,10 (A) / CHF 45,70
ISBN
978-3-939856-48-1
Das
Buch ist erhältlich
direkt beim
Buchverlag König,
unter klaus.klee@t-online.de
beim
Maintal Tagesanzeiger,
im
Online-Buchhandel oder beim
Buchhändler Ihrer Wahl
|
Zunächst
legte ich die Briefe zusammen mit einigen Bildern zur Seite, nahm sie mir
aber dann doch vor, weil ich so gar nichts von meinem Verwandten
wusste, denn er starb, als ich erst 1 Jahre alt war. Über Walter Michel
wurde in unserer Familie nicht viel geredet, denn man vermied das Thema im
Beisein seiner Eltern. Mir war nur bekannt,
wie sehr sich seine Eltern jahrelang bemühten, etwas über den Verbleib
ihres vermissten Sohnes zu erfahren, bis sie über den
Vermisstensuchdienst des Roten Kreuzes die Nachricht erhielten, dass ihr
Sohn vermutlich in der Nähe von Königsberg Kampfhandlungen zum Opfer
fiel. So richtig daran geglaubt haben beide jedoch nicht und hofften bis
an ihr Lebensende auf die Rückkehr ihres Sohnes. Die Feldpostbriefe waren für die Eltern die einzigen
Lebenszeichen, bis die Kette der Feldpostbriefe am 10. März
1945 plötzlich abriss. Geklärt ist das Schicksal von Walter Michel bis heute
definitiv nicht.
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Walter
Michel
geboren
am 11.05.1922
vermisst
seit März 1945
letzte
Feldpost-Nummer
L
19146 (A) Lg.PA Berlin
|
Die
Briefsammlung führte mich zunächst in die Welt der Feldpostbriefe
mit ihren Feldpostnummern, die als Vorläufer der Postleitzahlen
angesehen werden können. Allerdings sind die zugeordneten
Feldpoststellen derart weit von den Orten des Geschehens entfernt,
dass ich annehmen muss, dass es sich um den jeweiligen zugewiesenen
Heimatstandort der Einheit handeln muss. Die Feldpostnummern ändern
sich mit dem Wechsel zu anderen Einheiten, auch wenn der Einsatzort
unverändert blieb. Das galt es erst einmal zu klären.
Meine
Recherchen führten mich auf die Website
Feldpostsammlung, auf der der Aufbau und die Abläufe
erklärt sind.
Nachdem
ich die Briefe geöffnet und geordnet hatte, wollte ich natürlich
auch wissen, was es zu berichten gab. Hierbei stieß ich auf ein
erhebliches Hindernis - die Sütterlin-Schrift. Außerdem wechselte
auch ständig - je nach Einsatzort und Versorgungslage - die
Briefunterlage, die im obigen Bild sogar aus einem Stück grauer
Pappe bestand. Auch konnte man feststellen, dass für manche
Nachricht nur sehr wenig Zeit zur Verfügung stand, weil der
Truppentransport gerade auf irgend einem Bahnhof in Russland hielt.
Dabei wurde mit allem geschrieben, was man gerade zur Verfügung
hatte. Selbst zusammengefaltete Zettel mit der Anschrift auf der
Rückseite erreichten - wenn auch erst nach Wochen - ihr Ziel, um
den Angehörigen zumindest ein Lebenszeichen zukommen zu
lassen.
Aus
den Briefen - besonders den Briefen an Weihnachten und an Ostern -
geht hervor, wie sehr die Trennung von der Familie schmerzte und wie
sich junge Menschen inmitten des irrsinnigen Krieges fühlten, der
nie zuende zu gehen schien. Nachdem
ich mich in die außergewöhnliche Lektüre vertiefte, passierte etwas ganz
seltsames. Über das Geschriebene nahm die Person Walter Michel, die mir
bisher absolut fremd war, Gestalt an und ich nehme bis zum heutigen Tag Anteil an seinen
Ängsten, Wünschen und Hoffnungen, die über 60 Jahre zurück liegen. Ich
versetzte mich in einen jungen Mann, dem man erst die Jugend und dann das Leben
raubte, weil er mit Millionen anderer Hoffnungsträger der damaligen Zeit
in einen sinnlosen Krieg geschickt wurde. |
Aus dem farblosen
schwarz/weißen Bild, das ich
in Händen hielt, tritt jetzt immer stärker ein junger Mann heraus, der
farbig und lebendig zu werden scheint, auch wenn nur noch eine Handvoll
Briefe und eine schwer lesbare Handschrift von seinem Leben zeugen.
Viele
seiner Briefe spiegelten den Angehörigen vor, es sei alles "in bester
Ordnung" und "alles gehe seinen normalen Gang". Dabei ging
aus den Lageberichten des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) immer wieder hervor, dass die Front
stets bedenklich nahe war und
die Situationen ganz und gar nicht so harmlos waren, wie er sie in seinen
Briefen schilderte. So sollte jedoch den Angehörigen zuhause die Sorge genommen werden. Das
Nachhausesenden von Geld, um es aufs Sparbuch einzuzahlen, sollte
signalisieren, dass er die Zuversicht eine gute Zeit nach dem Krieg habe.
Paradox
war in jener Zeit, dass sich zuhause die wichtigsten Lebensgüter wegen des Bedarfs an
den Fronten immer stärker verknappten, die Frontsoldaten jedoch genau diese
Materialien nach Hause schickten. Der Austausch von Päckchen in und aus entlegendsten Winkeln des Kontinents war eine der wichtigsten Brücken
zwischen den Angehörigen und den Frontsoldaten, während beide einer ungewissen Zukunft
entgegen gingen.
Ich
veröffentliche die Briefe, damit unsere junge Generation erfährt, was das Leben
- das der Großväter oder Urgroßväter - für die damalige Generation bereit
hielt und wie dankbar man heute darüber sein muss, dass ein Teil der Menschheit
wirklich aus dem
Geschehenen gelernt hat. Dies ist umso wichtiger, da heute schon wieder
große Kriege auf der Tagesordnung stehen, die ähnliches Leid wie damals über
Menschen bringen. Das wird auch dadurch nicht abgemildert,
dass diese Kampfhandlungen politisch als Kreuzzüge gegen den Terror getarnt werden. Die
Auswirkungen und die Begleiterscheinungen sind für die Betroffenen die gleichen.
Sollte
es nach so vielen Jahren noch Kameraden von Walter Michel
oder deren Angehörige geben, die etwas
über den Verbleib und sein Schicksal wissen, dessen letzte
Feldpost-Nummer L 19146 (A) Lg.PA Berlin lautete, so würde sich endlich sein Schicksal
klären. Dazu gehörten namentlich bekannt Alfred Gottschlich
aus Herne, Fritz Schuhmann aus Gotha, Hans Schult
aus Harrisleefeld, Gerhard
Rohloff, 3 Rossin Post Ducherow, Vorpommern und Gottlob Burckhard aus Neidlingen.
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Auf der Spurensuche nach Walter
Michel konnte über die Zeitzeugen Hermann Lohmann
und Karl-Heinz Schmeelke zumindest die Situation sehr plastisch
rekonstruiert werden, in der sich Walter Michel in den letzten Tagen seines Lebens
befand. Für die großzügige Unterstützung der beiden Herren mit
Informationsmaterial bedanke ich mich ganz außerordentlich.
Inzwischen
habe ich aus dem Kriegstagebuch von Karl-Heinz Schmeelke
eine weitere Dokumentation erstellt, welche die letzten 100 Tage
Ostpreußens als Deutsches Gebiet beschreibt. Auch wenn Walter
Michel während seiner Zeit in Neutief bei Pillau stationiert war,
so war er bereits zu diesem Zeitpunkt dem Kessel von Heiligenbeil sehr
nahe. Die von ihm gewarteten Maschinen flogen vorwiegend Verwundete aus
und führten Nachschub heran. Die Lage kann ihm nicht verborgen geblieben
sein.
Das
nebenstehende Logo führt Sie zu den zeitlichen Querinformationen
über die Kämpfe in Ostpreußen.
|
Die Feldpostbriefe
von Walter Michel wirken auch nach 65 Jahren noch so lebendig, als
sei alles erst gestern passiert. Was er in den letzten zwei Wochen seines
Lebens erleben
musste, ist nicht verbrieft. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass
er dafür in Briefen auch keine Worte gefunden hätte, weil es alles
sprengte, was er
bis dahin erlebte.
|
Der
sinnlose, verbrecherische Tod
Betrachtungen
zur Dokumentation der letzten dreieinhalb Jahre eines jungen
Menschen, der für sein Land, für Macht und Reichtum, für Ehre und Stolz
verblendeter Politiker völlig unsinnig sterben musste.
Auch
über 65 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges sind die
Wunden noch nicht verheilt, die den Menschen vieler Nationen
zugefügt wurden. 50 bis 55 Millionen Menschen fanden in diesem
Krieg den Tod. In den betroffenen Ländern rund
um den Globus war in diesem Zusammenhang immer wieder von "vaterländischen Kriegen" die Rede, die
jede Nation angeblich führte.
Was
sind das nur für "Vaterländer", die ihre jungen
Menschen an der Front und zuhause die Zivilbevölkerungen in
sinnlosen Kriegen verheizen?
-
Wie
verhalten sich Menschen, die in solch extremen Situationen versuchen, daraus jeweils
das Beste für sich zu machen?
-
Was
macht sie zu Menschen, die plötzlich andere Menschen umbringen?
-
Wie
ertragen sie es, wenn sie nur indirekt mit dem Kampfgeschehen zu tun
haben aber dennoch zu Tod und Verderben beitragen?
-
Wie
kommt es, dass sie verwundete Kameraden zurück lassen?
-
Warum
ist es so schwer, später die ungeschminkte Wahrheit über derartige Ereignisse
offen zu legen?
Die
letzten zwei Fragen sind schnell beantwortet:
Es
ist die Angst ums eigene Leben und die Scham, dass Andere ihr Leben ließen und
man selbst unverschämtes "Glück" hatte.
"Das
kurze Leben des Obergefreiten Walter Michel", das nachfolgend
dokumentiert ist, muss um die Vorgeschichte ergänzt werden, damit
begreifbar ist, was wirklich geschah und warum für die Eltern der Schmerz über den
Ausgang so unermesslich war.
|

Die
Eltern von Walter Michel
|
Walter
Michel wurde 1922 in Frankfurt am Main geboren, nachdem zwei
Jahre vorher das erste Kind von Margarethe (30) und
Wilhelm Michel (37) die
Geburt nicht lange überlebt hatte. Zur gleichen Zeit starb die
Schwester von Margarethe bei der Geburt ihres Sohnes.
Beides brachte über die Familie großes Leid.
Dementsprechend umsorgt und
behütet wuchs deshalb Walter Michel auf. Seine
schulische Ausbildung beendete er 1938 und es deutete alles darauf hin, dass
sein Beruf einmal Maschinenbauingenieur sein sollte. Er begann ein berufsvorbereitendes Praktikum bei der
Firma Heinrich Wörner in Frankfurt-Fechenheim, als ihn die
Einberufung zum Wehrdienst erreichte. |
Nach seiner Grundausbildung
wurde er dem technischen Personal der motorisierten leichten
Feldwerft I./60 der Luftflotte 60 zugeteilt, in der er umfangreich ausgebildet wurde. Mit
dem "Unternehmen Barbarossa" - dem Russlandfeldzug
- veränderte sich schlagartig
sein Leben und er diente ab Januar 1942 in Solzy/Nowgorod, von wo
aus die Städte Leningrad und Moskau bombardiert wurden. Das weitere Geschehen ist
nachfolgend beschrieben.
Welche
Eindrücke erzeugten bei mir welches Bild?
Zunächst
machten die Feldpostbriefe von Walter Michel auf mich den Eindruck,
als handele es sich nicht um Post, die aus der Nähe der Frontlinie
kam. Alles drehte sich um Briefe, Päckchen und
Pakete, das Wetter, die Arbeit und die Verpflegung. Es roch nach
"heiler Welt". Handelte es sich
um wahrheitsgetreue Schilderungen oder sollten die Zeilen nur
vermitteln "Seht - mir geht es gut"? und "Ich sorge
mich um euch". Die Inhalte der Briefe, die er aus der Heimat
erhielt, müssen den gleichen Tenor gehabt und darauf abgezielt
haben, von den Schwierigkeiten in der Heimat abzulenken. Dort stand
die Besorgnis um die Lage an der Front im Vordergrund. Auch hier die Reaktion: "Uns geht es gut" und
"wir machen uns Sorgen um dich".
War
es ein Wechselspiel unterdrückter Wahrheiten, eine Methode, um Hoffnung zu nähren oder einfach nur abhanden gekommener
Realitätssinn für die eigene Gefahrensituation? Alles zusammen
wird eine Rolle gespielt haben, denn beide Teile hörten ja im Radio
gespannt die Wehrmachtsberichte und waren hinlänglich darüber
informiert, was an den Fronten und in der Heimat geschah. Auch
lernten die Menschen, aus den pathosgeschwängerten Nachrichten die
wahren Botschaften herauszufiltern. Zugegeben wurde nur das, was
ohnehin bekannt war.
Gelegentlich
entsteht der Eindruck, dass Briefe auch verschwanden, wenn sie der
Zensur zum Opfer fielen. Auch davon ist später noch die Rede.
Zumindest durfte nicht alles geschrieben werden, was dem Feind
hätte dienen können, wenn er in den Besitz der Feldpost gekommen
wäre. Dazu gehören auch Berichte über die physische und
psychische Verfassung der Truppe. Es sollte nur das bekannt sein,
was das OKW im Rundfunk verbreitete.
Genau
dieser Überblick fehlte mir bei meiner Aufarbeitung der Feldpostbriefe, weswegen
ich mich erst einmal umfangreich über den Russlandfeldzug
informierte. Anhand der dort festgehaltenen Daten und Handlungen
erkannte ich schnell, wie nahe die Einheit von Walter Michel am
jeweiligen Frontgeschehen war. Bei der technischen Betreuung der
Kampfgeschwader, zu denen auch das legendäre
Kampfgeschwader 55 "Greif" gehörte, war man stets in
Frontnähe. Diese Geschwader waren meistens auf Feldflugplätzen
stationiert, die nur 15
- 50 km hinter der Front lagen und die häufig mitsamt der
angegliederten Feldwerft "verlegt" werden mussten, wenn es
die Feindlage erforderte. Es war ein ständiges Rochieren und die
Entfernungen, die bei der Verlegung zurückgelegt werden mussten, waren
aus Sicherheitsgründen manchmal recht groß.
Neben
den Alltagsgeschehnissen und den oft mitunter langweilig anmutenden Inhalten der
Briefe blitzen immer wieder stark empfundene Erlebnisse auf, bei
denen Walter Michel auch mal messerscharf folgerte, was
geschehen wird oder was
hier oder dort geschehen sein muss. Er hat aber auch einen Blick
für die Kultur des Landes und wie der Krieg darauf einwirkte. So berichtet er begeistert über
Stalino (heute Donezk) wie von einer Stadt mit
südfranzösischem Charakter und einige Wochen später davon, wie es dort nun wahrscheinlich
aussehen wird, weil er miterlebte, wie die Deutschen Truppen beim
Rückzug die Städte und die Infrastruktur verwüsteten, damit
der Feind nichts mehr damit anfangen konnte. Selbst war er aber ebenfalls betroffen, wenn
seine Einheit nach eigenen Offensiven wieder an den alten Ort zurückkehrte.
Dann stand kein Stein mehr auf dem anderen.
Das
Ende naht
Als
die Russen dann um Ostpreußen den Sack zu machten und die Soldaten
darüber informiert wurden, wie weit die Amerikaner bereits ins
Deutsche Reich eingedrungen waren, war nichts mehr von Zuversicht
auf eine gutes Ende zu spüren. Immer öfter schrieb Walter
Michel,
dass er das, was er sah, nicht in Worte fassen und erst später
darüber sprechen könne. Allzu schrecklich werden die Eindrücke
gewesen sein, wie wir später noch erkennen müssen.
Zuletzt
erfüllte sich seine Hoffnung nicht,
dass er als inzwischen qualifizierter Flugzeugmechaniker niemals
im sogenannten Erdkampf eingesetzt werden würde. Genährt wurde
dies lange Zeit durch die Fürsorge, die sein Flg. Ingenieur dem gesamten Zug
zuteil werden ließ. Er verhinderte nicht nur, dass die
erfolgssüchtigen jungen Soldaten als Begleitpersonal der
Schlachtflugzeuge verheizt wurden, er sorgte bei allen Verlegungen
auch immer wieder dafür, dass die Einheit gut am neuen Ort ankam und in
keine der berüchtigten Partisanenfallen oder in unvorhergesehene
Kampfhandlungen geriet. Bis auf wenige Ausnahmen ist ihm das auch
gelungen.
|

|
Schließlich
führte bei diesem Truppenteil die vermeintliche "Sicherheit" vor dem
Erdeinsatz in der Hauptkampflinie dazu,
dass die jungen Soldaten absolut unbedarft waren, was den
soldatischen Fronteinsatz betraf. Als ihre Einheiten dann
aufgelöst wurden, nachdem der Sprit ausgegangen war und die
letzen Maschinen aus dem Kessel ausgeflogen waren, war der
Erdkampfeinsatz unausweichlich gekommen. In den Wirren der
letzten Tage musste Walter Michel auf
vorgeschobenem Posten mit einer handvoll Kameraden einen
kleinen Frontabschnitt halten, dem eine große russische
Übermacht gegenüber stand. So war es dann auch der Kampf
Mann gegen Mann, den er einfach verlieren musste. Es wird der
kurze Moment gewesen sein, in dem man einfach schneller sein
muss als der Gegner. Es galt zu töten um nicht selbst
getötet zu werden. Hierbei war er vermutlich total
überfordert. Bezeichnend ist - wenn man den Schilderungen
Glauben schenkt - dass es nicht möglich gewesen sein soll,
ihn verletzt aus seiner Lage herauszuholen um ihn verarzten zu
lassen. Seine Kameraden müssen wie die Hasen gelaufen sein,
um ihr Leben zu retten. Auch beim Tod des Flg. Ing. Kirschner
ist davon die Rede, dass er schwerverletzt zurückgelassen wurde. |
Benutzten
die Augenzeugen in ihren späteren Berichten die hoffnungslose Lage und die
Schwere der Verwundung als Ausrede, warum sie den Kameraden ihre Hilfe versagten?
Waren sie sich selbst die Nächsten?
In
Kriegen verändern sich Menschen vornehmlich durch
-
die
permanente Angst,
-
das Gebot, schneller als der Gegner zu
sein,
-
die
Eindrücke an der Front infolge von Grausamkeiten,
-
die
permanente Konfrontation mit dem Tod,
-
das
Wissen um die fürchterliche Lage zuhause,
-
schwere
Verwundungen mit anschließender Genesung und
Wiedereinsatz,
-
durch
die Propaganda, die dazu führt, dass man an eine gerechte Sache
glaubt,
-
das
Besitzergreifen bisher unterdrückter Charakterzüge und
Abarten, die selbst zu Grausamkeiten verleiten.
Für
die Soldaten, die aus dem Krieg zurück kommen - auch in der
Folgezeit aus Korea, Vietnam, dem Golfkrieg, aus dem Balkan-Einsatz
oder aus Afghanistan - spielt die Entmenschlichung eine große Rolle und es ist für
Frontkämpfer schwierig, später wieder ein normales Leben zu
führen.
Die
Dokumentation zeigt gleich mehrere Seiten des Krieges, die am Ende zu einem
Ganzen verschmelzen, bei dem die Hinterbliebenen mit all ihren
Empfindungen allein gelassen werden. Dies wieder zu thematisieren,
das ist mein Anliegen.
Klaus
Klee
|
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Ausdehnung
des Russlandfeldzuges
zu Beginn der Feldpostbrief-Dokumentation
Zu
Beginn des Unternehmens "Barbarossa" war die deutsche Armee
praktisch nicht aufzuhalten. Russland hatte die Wehrmacht und die
Luftwaffe gehörig unterschätzt. So blieb ihnen nur das mehr oder weniger
kontrollierte Zurückweichen. Russland
verlegte die gesamte Industrie hinter den Ural, so dass der Wehrmacht nur
wenig brauchbare Technik in die Hände fiel. In großen raumgreifenden
Bewegungen umschloss die Wehrmacht die russischen Truppenteile und rieb
sie in den so gebildeten Kesseln auf. Die Heeresgruppe B wurde in
Heeresgruppe Mitte umbenannt und trat nordöstlich der Pripjet-Sümpfe
als größte militärische Gruppe der Front zur Eroberung Moskaus
an. Im Südosten strebte die Wehrmacht in Richtung Stalingrad und
in die Kalmykensteppe mit der Stoßrichtung Baku bis der
Winter die Kampfhandlungen erschwerte. Zu diesem Zeitpunkt war der
Höhepunkt erreicht und es sollte mit Ausnahme verschiedener
Gegenoffensiven anschließend nur noch rückwärts gehen.
Die
Luftwaffe befasste sich im Nordosten mit Leningrad und Moskau
und ihre Operationsbasen wurden bis in die Nähe von Nowgorod
vorverlegt. Infolge der großen Entfernungen nutzte man verlassene
russische Flugplätze zur Verlängerung der Operationszeiten der Flugzeuge
oder man richtete Feldflugplätze ein. Dort wurde repariert, aufgetankt
und aufmunitioniert. Die Unterstützung durch mobile technische Einheiten
war dabei unerlässlich. Man stellte Einheiten auf, die man mobile
Feldwerften nannte. Eine dieser Einheiten war die leichte motorisierte
Feldwerft I./60, die der Luftflotte 60 zugeteilt wurde.
Die
Stammeinheit war zum Zeitpunkt des Beginns der Feldpostbriefe in Königsberg
zuhause. Der Operationsraum jedoch weit davon entfernt. Der Flieger Walter
Michel wurde nach Beginn des Russlandfeldzuges nach Solzy /
Oblast Nowgorod verlegt.
Die
Oblast (Verwaltungsbezirk) liegt auf dem Gebiet der osteuropäischen Ebene
südlich von Sankt Petersburg bzw. Leningrad nahe den
baltischen Staaten. Sümpfe und hügelige Gegenden prägen das Gebiet, in
dem auch der Ilmensee liegt. Im Südosten erstreckt sich die Oblast
bis an die Waldaihöhen. Verkehrstechnisch liegt die Oblast gut,
die Verbindung Moskau-Sankt Petersburg verläuft quer durch das Gebiet,
und es bestehen auch Verbindungen in Richtung Westen (nach Pskow
und in die baltischen Staaten) und Süden (Weißrussland).
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Feldpostbriefe
von Walter Michel
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Die
Sammlung der Feldpostbriefe beginnt am 10.01.1942 in Solzy bei Nowgorod.
Auf der unten stehenden Karte markiert die schwarze Linie den Frontverlauf
seit Dezember 1941, während die rote Linie die Veränderungen bis Mai
1942 verdeutlicht. Der mit der Fahne markierte Punkt ist Solzy.
Hieraus ist ersichtlich, wie nahe der Front sich Walter Michels Einheit
befand. Es ist davon auszugehen, dass der Flugplatz Solzy immer wieder
Ziel heftiger Luftangriffe war.

1942
Nachdem
Hitler im Winter 1941 einen Haltebefehl für alle Kräfte an der Ostfront
gegeben hatte, stabilisierte sich die Lage etwas. Die Rote Armee hatte
inzwischen gewaltige Kräfte aufgeboten, denen aber eine entscheidende
Schwächung der Deutschen noch nicht gelang. Die Schlammzeit im Frühjahr
1942 führte zu einer relativen Ruhe an der Front, da sämtliche
motorisierten Kräfte stillstanden. Hitler und das OKW kamen nun zu der
Einsicht, dass der Gegner noch lange nicht besiegt sei und man begann
Pläne für das weitere Vorgehen im Osten zu entwickeln. Der Plan, eine
möglichst defensive Haltung einzuschlagen, wurde bald verworfen; einzig
und allein eine weitere Offensive würde die Sowjets weiter schwächen
können. Aufgrund des langen Frontverlaufes und wegen der bisherigen hohen
personellen und materiellen Verluste der Wehrmacht war an eine
Großoffensive, die sich über die gesamte Front erstreckte, nicht zu
denken. Während im Bereich Mitte und Nord zur Verteidigung übergegangen
wurde, sollte mit allen gepanzerten und motorisierten Kräften die
Sommeroffensive mit Stoßrichtung in den Kaukasus durchgeführt werden.
Besonders die reichen Ölquellen in dem Gebiet standen dabei im
Mittelpunkt der deutschen Offensivbemühungen.
In
den Frühjahrsschlachten des neuen Jahres konnte am 28. Mai unter enorm
hohen Verlusten für die Rote Armee Charkow in einem Vernichtungssieg
erobert werden.
Nachdem
1941 die Krim bis auf die Halbinsel Kertsch und das Belagerungsgebiet um
Sewastopol in deutscher Hand war, sollte 1942 der restliche Raum als
Vorbereitung der Offensive in Richtung Kaukasus in Besitz genommen werden.
Vorbedingung war die Rückeroberung der Halbinsel Kertsch. Vom 15. bis 21.
Mai fanden die Kämpfe ihr Ende. Die Parpatsch-Stellung war durchbrochen
worden und Trümmer der zerschlagenen sowjetischen Verbände retteten sich
über die Straße von Kertsch auf die Taman-Halbinsel. Insgesamt 170.000
Rotarmisten, etwa 21 Divisionen, gerieten in deutsche
Gefangenschaft.
Am
2. Juni begann die eigentliche Schlacht auf der Krim um Sewastopol, dessen
Verteidiger sich erbittert wehrten und endete am 5. Juli. Hierbei wurde
erstmals Dora, das größte Eisenbahngeschütz aller Zeiten mit einem
Kaliber von 80 cm eingesetzt. Die Krim hatte knapp neun Monate lang eine
ganze Armee gebunden, auf einem zwar nicht nebensächlichen, doch
isolierten Kriegsschauplatz. Propagandistisch wurden mit diesem Sieg sowie
der fast gleichzeitigen Einnahme Tobruks in Nordafrika erneut große
Hoffnungen in der deutschen Bevölkerung geweckt.
Am
21. Juli überschritten deutsche Kräfte den Don, wodurch die ersten
Schritte für den Vormarsch auf Stalingrad eingeleitet wurden. Zwei Tage
später konnte Rostow am Don erobert werden. Nach der Teilung der
Heeresgruppe Süd in die Heeresgruppen A (Generalfeldmar- schall List, ab
November unter Generaloberst von Kleist) und B (Generaloberst Freiherr
Maximilian von Weichs) begann die Heeresgruppe A am 26. Juli den
konzentrischen Vormarsch in Richtung Kaukasus, während die Heeresgruppe B
auf die Wegnahme Stalingrads angesetzt wurde. An den Kämpfen im Kaukasus
beteiligten sich 20 von den späteren 90 Ostlegionen. Diese Aufstellungen
nationaler Minderheiten unter deutschem Kommando waren Ausdruck einer seit
dem Winter 1941/42 verstärkten Bemühung, die rein militärische
Kriegsführung im Osten mit einer Form politischer Kriegsführung zu
verbinden. Der Masseneintritt ehemaliger Rotarmisten in die deutschen
Streitkräfte war die Stalin bewusste „Achillessehne“ der russischen
Wehrkraft und wird in der Geschichtsschreibung des „Großen
Vaterländischen Kriegs“ bis heute gerne übergangen. In der Roten Armee
häuften sich Anzeichen von Disziplinlosigkeit, ganze Truppenverbände
liefen zu den Deutschen über. Beim Vormarsch wurde von stark
antibolschewistischer Einstellung russischer Bevölkerungsteile berichtet.
In
dieser Krisensituation befahl Stalin „Rückzugsstimmung der Truppe“
bedingungslos zu unterbinden. Nun entstanden die berüchtigten
Sperrverbände des NKWD. Unmittelbar hinter unzuverlässigen Divisionen
sollten sie im Fall eines ungeordneten Rückzugs jeden Flüchtenden
erschießen.
Insgesamt
liefen die Operationen, was den Raumgewinn im Kaukasus betrifft, innerhalb
weniger Wochen ab. Am 4. August wurde Stawropol eingenommen, am 9. August
Krasnodar- und der Kuban überschritten. Den rumänischen Verbündeten
gelang es die sowjetische Verteidigung an der Ostküste des Asowschen
Meeres von Norden her aufzurollen und die Taman-Halbinsel von „rückwärts“
her zu öffnen. Maikop fiel am 9. August in deutsche Hand und die Zugänge
zur Ossetischen- und Grusinischen Heerstraße wurden in Besitz gebracht.
Auch das Elbrus-Massiv selbst wurde genommen, am 21. August wehte auf dem
5.633 m hohen Gipfel die Reichskriegsflagge. Ein am 26. August beginnender
Angriff auf Tuapse wurde nach zwei Tagen angehalten, dafür wurden am 31.
August und am 6. September nach schweren Kämpfen die Hafenstädte Anapa
sowie Noworossijsk, wichtigster Stützpunkt der Schwarzmeerflotte,
genommen. Im Hochgebirge hatten deutsche Truppen die wichtigsten
Passübergänge eingenommen und vorübergehend auf breiter Front nach
Süden überschritten – sie standen 20 km vor der Küste des Schwarzen
Meeres bei Gudauta. Östlich des Elbrus standen die deutschen und
rumänischen Truppen in den Flussabschnitten des Baksan und des Terek bis
Naurskaja. Nördlich davon verlor sich die Front an der Kuma, in der
Nogajer Steppe und in der Kalmykensteppe.
Am
9. September enthob Hitler Feldmarschall List seines Kommandos als
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A. Bis zum 22. November 1942 übernahm
er die Führung der Heeresgruppe persönlich und beauftragte dann
Generaloberst v. Kleist mit dem Oberbefehl. Die Offensivbewegungen der
Heeresgruppe waren ohnehin bereits zum Abschluss gekommen, als durch die
Einkreisung der 6. Armee bei Stalingrad eine ernste Gefahr für die
südlich des Don stehenden Truppen heraufzog. Als die sowjetischen Truppen
am 27. Dezember die Stalingrader Front durchstießen, mussten die
besetzten Gebiete im Kaukasus von der Heeressgruppe A aufgegeben werden.
Die am 31. Dezember eingeleitete Rückzugsbewegung vollzog sich in drei
Etappen, wobei der Kuban-Brückenkopf trotz ständiger Einengung bis zum
9. Oktober 1943 behauptet werden konnte.
Zeitlich
parallel zur Schlacht von Stalingrad fand unter dem Decknamen Operation
Mars westlich von Moskau eine weitere Großoffensive gegen die deutsch
Front statt. Diese sowjetische Offensive gegen die deutschen Verteidiger
unter General Model geriet zu einem solchen Desaster, daß die Sowjets
alle Aufzeichnungen darüber unter Verschluß hielten. Daher war diese
Schlacht bis zur Veröffentlichung des Historikers David M. Glantz
praktisch in Vergessenheit geraten.
Von
dieser Zeit gibt es von Walter Michel nur wenige Briefe und es ist auch nicht
bekannt, welche Dienste er nahe Nowgorod verrichtete. Man kann jedoch davon
ausgehen, dass er in seiner Einheit Kraftfahrzeuge und Flugzeuge wartete.
Am 29.12.1942 wurde er parallel zur zurückweichenden Front nach Stalino in die Ukraine
verlegt.
|
|
Fahrt
nach
Solzy
|
10.01.1942
Feldpost-Nr. L 15987
L.G.P.A.: Königsberg
Russland
10.01.42
Liebe
Eltern!
Heute
sind wir den 14. Tag auf der Bahn und immer noch nicht am Ziel. Wir haben
bisher über 2500 km zurückgelegt. Kaum Menschen zu sehen. Es ist eine
furchtbar langweilige Landschaft und wir sind immer im Güterwagen. Die Fahrt
führt uns immer der Front entlang. Wie wir gefahren sind, kann ich Euch
erst später einmal schreiben, damit genug.
Übrigens
habe ich in Nowgorod b. Solzy auch einen Brief von Euch bekommen mit
Neujahrsgrüßen. Nun zu Euch. Wie ist es zuhause? Alles noch in Ordnung?
Nun muß ich schließen, denn wir fahren weiter.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter.
|
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Solzy
Oblast
Nowgorod
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21.03.1942
Feldpost-Nr. L 15987(A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
31.03.1942 Brief Nr. 52
Liebe
Eltern!
Habe
vor einigen Tagen Euren Brief vom 9.1. erhalten. Ferner zudem den Luftfeldpostbrief vom 10.3., dieser war nicht abgestempelt, so konnte
ich fünf Mark für einen Luftfeldpostbrief bezahlen. Für beide Briefe
meinen allerbesten Dank. Über den ersten Brief ist nicht viel zu
schreiben, denn er ist sehr sehr veraltet. Pakete habe ich bis jetzt noch
nicht erhalten.
Im zweiten Brief seid Ihr der Meinung, dass durch die
Kampfhandlungen der Flugbetrieb beeinträchtigt sei, aber dies ist nicht
der Fall. Im Gegenteil, spürbarer als je. Es wird Großeinsatz geflogen.
Nach Aussagen der Flugzeugführer sei der Russe schwer im Laufen. Ihr
werdet in nächster Zeit im Wehrmachtsbericht hier unsren großen Erfolg
feiern. Damit ende ich für heute.
Es
grüßt Euch herzlich und hofft, dass bei euch alles in bester Ordnung und
gesund ist.
Euer
Walter
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Solzy
Oblast
Nowgorod
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15.04.1942
Feldpost-Nr. L 15987(A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
15.04.1942 Brief Nr. 58
Liebe
Eltern!
Endlich
habe ich gestern wieder nach 17 Tagen von Euch die letzte Post und heute
wieder die zuerste erhalten. Für beide meinen sehr herzlichen Dank.
Erster
Brief vom 2. d. M. :
Mit
den Russen macht Euch mal keine Kopfschmerzen, denn vielen von uns ist es
genauso ergangen. Und von denjenigen, die noch unterwegs sind, müssen
auch welche entkommen. War eine Vermutung, die ich heute erhielt vom
10.1.42. Oder sie sind dem Russen in die Hände gefallen. Wir waren
schließlich über ¾ - telst eingeschlossen.
Anmerkung:
Mit
letzterem Hinweis war der russische Vorstoß über die Waldai-Höhen
gemeint, der südlich von Nowgorod durchgeführt wurde.
Ferner fragt Ihr wegen
Urlaub. Urlaub? Ist bei uns groß geschrieben. Von uns ist bis jetzt noch
niemand gefahren. Wie das so weiter gehen soll, ist fraglich. Die
Verpflegung geht einigermaßen. Aber nur mit einem großen Nachteil und
daher gibts jeden Tag Eintopf.
2.
Brief vom 9. d.M.:
Mit
Rauchereien ist es auch nicht gut für mich. Und von privat zu kaufen ist
einfach zu teuer. Zigaretten kosten 30-35 Rpf. Schickt mir bitte
Zigarettenpapier. Damit genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Geschehen
an anderen Frontabschnitten
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Die
Kämpfe um Charkow brachten für einige Einheiten Entlastung.
Der
Russlandfeldzug war entweder von grenzenlosem Staub
oder
knietiefem Schlamm gekennzeichnet |



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Solzy
Oblast
Nowgorod
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30.11.1942
Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg
Russland,
30.11.1942 Brief Nr. 36
Liebe
Eltern!
Habe
heute den Brief Nr. 20 vom 22. d. M. erhalten, dafür meinen besten Dank.
Ihr schreibt darin, dass Ihr 23 Obstbäume gepflanzt habt; ist das nicht
etwas viel?
Habe
ich heute noch Euer Paket vom 17. d.M. (Nr. 38) erhalten. Meinen besten
Dank hierfür.
Die Hausschuhe sehr gut. Kaffee prima.
Neues gibt es hier
nicht. Alles beim alten.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
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Solzy
Oblast
Nowgorod
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04.12.1942
Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg
Russland,
4.12.1942
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Abend Euren Brief vom 23.11. erhalten, wofür meine besten Dank.
Entschuldigt bitte, dass ich euch ganze 10 Tage nicht geschrieben habe.
Aber bei uns sind halt die hälfte Leute auf Schulung, sodass die einzigen
Leute, die noch da sind, dafür viel Arbeit machen. Ich bin daher abends
recht müde, dass ich nicht mehr Luft zum Schreiben habe.
Dass in
Stuttgart die Feindflieger waren, habe ich schon im Wehrmachtsbericht
gehört. Ihr zuhause auch. Hoffentlich kommt etwas derartiges nicht in
Frankfurt vor.
Heute
sind wir auch durch Flieger überrascht worden, es war 10 Uhr 15. Wir
arbeiteten an Maschinen. Auf einmal kommen 6 Flugzeuge im Tiefflug an.
(Martin-Bomber
und der eiserne Gustav). Ihre Bomben warfen sie auf das Rollfeld, und
uns belegten die Kerle mit Bordwaffen. Wir waren im ersten Augenblick sehr
überrascht und wussten nicht, was los ist. Aber als wir erst dem ersten
Sturm entkamen, in den Gräben, da weinten wir, wie es noch nie der Fall
war.
Es
sind dies nur Augenblicke, aber das lässt uns Deckung suchen, so gut und
so schlecht es geht. Unsere Jäger (die ganze Gruppe) starteten sofort im
Alarmstart. Und schon nach ca. 20 Minuten wurde gemeldet, dass alle 6
Maschinen abgeschossen sind. Unsere Jäger jagten denen hinterher und am
Abend hatte die Gruppe über 20 Abschüsse. Bei uns ist nichts passiert.
Das
mit dem Hunger habe ich zur Kenntnis genommen. Ich werde alles
versuchen.
Aber hier, wenn 14 Männer auf der Stube sind, kann man kaum
Pakete packen.
Damit
für heute genug. Morgen fahre ich auf Bergung. Wir sind ca. 3 Tage weg.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
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Solzy
Oblast
Nowgorod
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16.12.1942
Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg
Russland,
16.12.1942
Liebe
Eltern,
Habe
gestern Abend Euren Brief Nr. 22 vom 3. d.M. und gestern den Brief vom
1.12. erhalten. Ferner ist heute das nette Weihnachtspaket angekommen.
Für alles miteinander meine allerbesten Dank. Über das Paket war ich
sehr erstaunt. Ihr habt Euch damit sehr angestrengt. Hoffentlich habt Ihr
Euch nicht weh getan. Im übrigen ist das Paket sehr gut angekommen.
Nun
zum 1. Brief vom 1.12.:
Du
schreibst hierin vom Metzger Bingemer mit Schwiegertochter ; so weit ist
es doch noch nicht?
Im übrigen Eure Hinweise
und Anleitungen habe ich zur
Kenntnis genommen. Ich werde mir die beste Mühe geben.
2.
Brief vom 3.12.:
Dass
meine 80 RM und mein Kaffee gut angekommen ist, freut mich. Onkel Fritz
hat mir geschrieben. Ihr schreibt, dass Fräulein L. Ewald sich nach
meiner Anschrift erkundigt hätte. Aus welchem Grund kommt sie dazu? Ist
sie noch BDM-Führerin?
Überraschende
Fliegerangriffe hatten wir in der letzten Zeit nicht mehr. Hoffentlich
werden wir in Zukunft davon verschont.
Ich
bitte Euch, meine gesamte Post jetzt - bis auf weiteres - auf die neue
Feldpost-Nr. L 37824(W) zu schicken, da die Truppe den ganzen Winter bei
uns bleibt.
Mit
den aufgegebenen Zigarren muss ich sicher auch noch etwas warten, da uns
im Augenblick schlecht geht. Drum es wird an Weihnacht wieder angespart.
Damit schließe ich für heute und wünsche Euch ein recht frohes
Weihnachtsfest.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
P.S.
Zu Weihnachten kann ich Euch wieder nichts schenken.
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Solzy
Oblast
Nowgorod
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20.12.1942
Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg
Russland,
20.12.1942
Liebe
Eltern,
Habe
heute ein 2. Weihnachtspaket erhalten, wofür meinen besten Dank. Die
Zigarettenspitze ist richtig, auch sind die übrigen Sachen zu gebrauchen.
Hier ist noch alles beim alten. Das Wetter ist zur Zeit auch sehr mild.
Wir haben nur 5-10° kalt.
Morgen früh fahre ich wieder auf Bergung und
zwar nach Starija-Rossa.
Liebe
Eltern, nun möchte ich Euch noch ein recht glückliches "Neues
Jahr" wünschen.
Hoffentlich bringt uns dieses Jahr alles Gute und
Frieden!?
Ihr habt die 2. Weihnachten allein verbracht? Hoffentlich gut.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
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Solzy
Oblast
Nowgorod
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24.12.1942
Feldpost-Nr. L 15987 L.G.P.A.: Königsberg
Russland,
24.12.1942 Brief Nr. ? (nicht mitgezählt)
Liebe
Eltern,
Da
ich gerade heute am "Heiligen Abend" Wache habe, kann ich so
richtig über alles nachdenken. Wie schön es war, zuhause zusammen
Weihnachten zu feiern. Jetzt seid Ihr die ganzen Weihnachten allein
zuhause und ich stehe jetzt im 2. Jahr hier draußen. Hoffentlich sind wir
1943 beisammen.
Wir hier haben es uns auch etwas gemütlich gemacht und
eine kleine Feier und ein fröhliches Schneemann bauen auf den Bunkern
veranstaltet. Es ist sehr schön. Auch ist für das Nötigste gesorgt. So
hat jeder 1 Flasche Branntwein, 1 Flasche Likör, 1 Sekt. Ferner 114
Zigaretten, 7 Zigarren, 12 Zigarillos, 1 Stollen (1 ½ Pfund schwer) und
ein Teller Gebäck bekommen. Auch sind ein Teil Beförderungen heraus
gekommen. Hierbei war ich endlich auch dabei. Aber trotz allem - Weihnachten
zuhause ist doch schöner.
Hierzu
kommen noch die Pakete von zuhause. Das letzte Paket mit den Handschuhen
ist jetzt auch eingetroffen. Für all die schönen Pakete mit dem
wertvollen Inhalt meinen allerbesten Dank.
An
den beiden Feiertagen arbeiten wir bis 13 Uhr. Wir haben sehr viel Arbeit.
Und zwar stehen wir vor einer Verlegung ins Unbekannte.
Ich bin zur Zeit
bei den Kraftfahrern und helfe mit, die Fahrzeuge in Ordnung zu bringen.
Vielleicht bleibe ich dabei.
Nun bitte ich Euch aus diesem Grund meine
ganze Post nurmehr auf die alte Nummer L 15987 zu schicken.
Damit
für heute genug.
Es
grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch ein glückliches "Neues
Jahr"
Euer
Walter
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Am
27. Dezember 1942 wurde die motorisierte leichte Feldwerft I.60 von Solzy/Nowgorod
nach Stalino verlegt und kam am 21. Januar 1943 dort an. Die
schwarze Linie zeigt den Frontverlauf Ende Dezember 1942. Die rote Linie
verdeutlicht die Geländegewinne der russischen Winteroffensive 1943,
wobei Stalino beinahe eingeschlossen worden wäre. Mit der blauen
Linie wurde die Fahrtroute gekennzeichnet, die kurz nach
unserer Passage teilweise wieder im Feindgebiet lag. Es ist davon auszugehen, dass es auf dem Flugplatz
STALINO sehr hektisch zuging, auch wenn Walter Michel stets
"Normalität" vermittelte.

1943
Die
Schlacht um Stalingrad markierte einen psychologischen Wendepunkt im
Krieg. Ab diesem Zeitpunkt war der Glauben an den „Endsieg“ in der
deutschen Bevölkerung kaum noch vorhanden.
Die
Stärke der nicht-deutschen Truppen betrug Anfang 1943 rund 176 Verbände
mit rund 150.000 Mann. Hinzugekommen waren Anfang 1943 noch zwei
Infanteriedivisionen.
Auf
dem Südflügel entwickelte sich im Raum Charkow-Belgorod die Lage sehr
kritisch. Am 9. Februar musste die Gebietshauptstadt Belgorod geräumt
werden.
Am
Morgen des 16. Februar musste die Stadt Charkow aufgegeben werden, um der
drohenden Einkesselung zu entgehen – die spektakulärste Niederlage in
den Wochen nach Stalingrad. Am 21. Februar begann die deutsche
Gegenoffensive. Manstein verfügte lediglich über 354 Panzer, wobei ihm
etwa 1.800 sowjetische Panzer gegenüberstanden. Bis zum 5. März wurde
das Gebiet bis zum mittleren Donec
zurückerobert. Es wurden erhebliche Geländegewinne erzielt, einem
völlig irritierten Gegner hohe Verluste beigebracht und wieder eine
geschlossene Front hergestellt, wodurch der völlige Zusammenbruch der
Ostfront im Frühjahr 1943 verhindert wurde. Charkow wurde am 14. März
zurückerobert.
Eine
weitere Offensive im Sommer, die Operation Zitadelle, sollte den
Frontbalkon bei Kursk ausräumen, musste jedoch auf dem Höhepunkt der
Schlacht wegen der Landung der Alliierten auf Sizilien abgebrochen werden.
Die Rote Armee konnte die Offensive unter hohen Verlusten zum Stehen
bringen (Panzerschlacht bei Kursk, genauer: Prochorowka).
Nach
mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den folgenden Monaten musste die
Wehrmacht an der ganzen Front den Rückzug antreten, wobei auch die
Halbinsel Krim bis April 1944 geräumt werden musste. Bis November 1943
war Kiew wieder in der Hand der Sowjets, Deutschland lief Gefahr, seine
Verbündeten zu verlieren und in Italien errichteten die Alliierten eine
zweite Front.
|
|
Fahrt
von Solzy
nach
Stalino
Donezk
|
01.01.1943
Feldpost-Nr. L 15987 L.G.P.A.: Königsberg
Russland,
01.01.43
Liebe
Eltern!
Heute,
seitdem wir seit Tagen unterwegs sind, komme ich endlich einmal dazu, euch
ein Paar Zeilen zu schreiben. Wir sind auf großer Fahrt. Fahren kreuz und
quer. Aber wohin wir fahren, wissen wir nicht. Jetzt sind wir nahe der
deutschen Grenze. Wohin wird es gehen?
Seid bitte nicht unglücklich, wenn
ich längere Zeit nicht schreibe, denn wir werden noch lange unterwegs
sein.
Damit
für heute genug.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
|
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Auf
der Bahn von Solzy (Nowgorod) nach Stalino
Bilder
von Walter Michel
|

2000
Km auf offenen und in geschlossenen Wagen unterwegs |

Die
Fahrt wird immer wieder unterbrochen... |
|

...weil
die Strecke geräumt werden muss |

Sturmgeschütze
auf dem Nebengleis |
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Bahnhof
Kursk |

Soldatenfriedhof
an der Strecke |
|

Fabrikgebäude
an der Bahnline |

Großstadtbahnhof |
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Zerstörtes
Bahnhofsgebäude in Kramatorskaya |

Bahnhofsgebäude
Kramatorskaya |
|

Zerstörter
Lokschuppen an der Strecke |
Bahnhof
Slawjansk (heute Slovians´k südl.Isjum) |
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Die
1. und 3. KG 40 Stalino beginnt am 9. Januar 1943
von
Stalino aus mit ihren Versorgungsflügen nach Stalingrad
Die
Einheit bestand aus 18 Maschinen des Typs FW 200. Beim ersten Flug transportierte Major
Hans-Jürgen Williers 36 Tonnen Versorgungsgüter (Treibstoff, Munition,
Verpflegung, Medikamente) in den Kessel und brachte 156 verwundete
Soldaten mit zurück. Als der russische Druck auf den Kessel zu stark
wurde, wurde die Last mit dem Fallschirm abgeworfen, das in vier
Behältern unter den Flügeln angebracht war. Die Flüge wurden später
mit dem Zusammenbruch der Versorgung Stalingrads eingestellt.
Anschließend wurden 35 Einsätze über der Halbinsel Krim geflogen, ehe
die Einheit wieder nach Berlin/Staaken zurückverlegt wurde. Neun
Maschinen gingen in Russland verloren.

Focke-Wulf
Langstreckentransporter FW 200
Ferner
waren in Stalino Schlachtflugzeuge vom Typ HE 111 stationiert, die
zusammen mit anderen Kampfflugzeugen Stalingrad und andere Frontabschnitte
anflogen. Auch dieser Maschinentyp, der in Stalino wartete, war für die
motorisierte leichte Feldwerft I./60 völlig neu und verlangte der
Wartungstruppe alles ab.
Schlachtflugzeug
HE 111
|
|
Fahrt
von Solzy
nach
Stalino
Donezk
|
15.01.1943
Feldpost-Nr. L 15987 L.G.P.A.: Königsberg
Liebe
Eltern!
Heute
sind wir glücklich nach dem 19. Tag auf der Bahn und noch immer nicht am
Ziel. Zwar ja mehr wir uns der Front näher führen, geht es langsamer.
Wir mussten in den letzten Tagen auch öfter auf Bahnhöfen längere Zeit
stehen und warten auf Lok.- Wechsel und bis die Strecke frei ist. Zur Zeit
stehen wir in einer größeren Industriestadt. Hier ist mir auf einem
kleinen Heldenfriedhof in der Stadt ein Name aufgefallen.
Schütze
Hans Kirchhof
Geb.
31.1.23
Gest.
21.5.42
F.P.N.
42908 D.
Sucht
bitte im Adressbuch nach, ob dies der Fechenheimer ist. Damit genug für
heute.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
|
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Stalino
Donezk
|
21.01.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
21.01.1943
Liebe
Eltern,
Heute
sind wir nach 24 Tagen endlich am Ziel angelangt. Dort sind wir mit
unserem Stab und den andern Zügen zusammen getroffen. Wir arbeiten
zusammen auf einem Platz. Es ist etwas neues: He 111. Dafür haben wir gute
Unterkünfte. Steinbauten. Aber ich glaube, wir bleiben nicht lange hier.
Den Namen Kirchhof fand ich in der Stadt Kromsomskaja.
Für heute genug.
Dass nächste mal schreibe ich mehr von der Fahrt.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
19,
20, 1, 12, 9, 14, 15
(= STALINO nach durchnummeriertem Alphabet)
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Stalino
heißt heute Donezk und liegt in der Ukraine.
Die
Truppenverlegung erfolgte praktisch von der Grenze zu Estland bis in die Nähe des
Schwarzen Meeres.
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Stalino
Donezk
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27.01.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
27.01.43
Liebe
Eltern!
Nachdem
wir schon eine Woche hier sind, haben wir unsere Unterkünfte wohlig
eingerichtet. Wir haben uns Betten und Tische gebaut, sodass es jetzt
etwas gemütlicher ist.
Die
Landschaft hier im Süden ist schöner als im Norden. Das Gelände ist
hügelig. Es gibt Berge und Täler. Allerdings Wald gibt es hier fast
keinen. Auch die Häuser der Bevölkerung sind besser. Man hat hier
Steinhäuser. Die Bevölkerung ist auch freundlicher. Die Felder sehen
gepflegt aus. Man findet sogar richtige Obstgärten.
Wir
waren sehr erstaunt (hatten uns verwundert) als wir her kamen, denn wir
dachten nicht daran, dass der Winter hier doch auch sehr kalt ist. Es ist
alles mit Schnee bedeckt. In den letzten Tagen hatten wir 30 -37° unter
0.
Arbeit
haben wir in Hülle und Fülle, das könnt Ihr Euch ja denken. Die
Arbeitszeit ist von 5 Uhr bis 18 Uhr. Dabei sind ½ stunde Mittag.
Damit
für heute genug.
Wie
ist es zuhause? Hoffentlich alles gesund und munter.
Wie klappt es mit dem
Radio? Ist er fertig. Wie hat Du ihn hingeschickt?
Und der
Füllfederhalter? Wie ist es unterwegs? Über Königsberg oder Breslau?
Briefmarken
kann ich im Augenblick nicht schicken.
Wir bekommen zur Zeit nur drei
Zigaretten pro Tag.
Ich habe Euch eine Luftpostmarke und zwei Paketmarken
beigelegt.
Nun bitte ich Euch, mir verschiedenes zu schicken.
Und zwar: 1.
Marmelade, 2. Zigarettenmaschine, 3. Wund-Salbe, 4. Russland-Karte, 5.
Tinte, 6. Drehbleistift mit Minen 1,2 mm.
Wenn
ihr keine zu kaufen bekommt, dann schickt mir Silberdrehstift.
Das
wäre für heute alles.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
|
|
Stalino
Donezk
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04.02.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
04.02.43
Liebe
Eltern!
Seit
Tagen wartete ich sehr auf Post von Euch, aber vergebens. Es kommt keine.
In
diesen ernsten Tagen ist man besonders auf Post eingestellt. Bei uns ist
noch alles in bester Ordnung. Wir gehen unserer Arbeit in Ruhe und Frieden
nach. Hier haben wir furchtbar viel Arbeit. Es wird gearbeitet von früh
morgens bis spät in die Nacht hinein.
Nun zu etwas anderes. Hat
Karlheinz B. in der letzten Zeit nach Hause geschrieben. Ich habe sehr lange von ihm
wie auch von ..... keine Post mehr erhalten. Wie ist es zuhause. Noch
alles in Ordnung. Hoffentlich ja.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
Anbei
eine Luftfeldpostmarke
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Stalino
Donezk
|
09.02.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
09.02.43
Liebe
Eltern!
Gestern
habe ich Euren Brief Nr. 31 erhalten (vom 29.01.43), wofür meinen
allerbesten Dank. Die Briefe Nr. 25-30 sowie die Päckchen Nr. 42-44 habe
ich noch nicht erhalten. Hoffe sehr, dass ich sie noch bekomme. Auf die
Fahrt noch einmal zurück zu kommen: In den Güterwagen haben wir sehr wenig
gefroren, denn wir hatten uns einen Waggon Kohlen mitgenommen. Die Knochen
hat sich niemand verfroren.
Nun
zu Eurem Brief:
Wir sollten weiter nach
Kuban, aber es ging nicht mehr. Im
übrigen hat sich die Lage hier gebessert. Der Russe geht weiter zurück.
Auch sind von uns wieder Kessel gebildet worden. Ich bin der Meinung, dass
in diesem Frühjahr und Sommer hier die Entscheidung fällt. Denn es sind
mächtige Verstärkungen eingetroffen. Also hoffen wir das Beste.
Bei uns
ist es zur Zeit toll mit Arbeit. Wir stehen um 4 Uhr auf, um 4 Uhr 45
beginnt die Arbeit und endet um 18 Uhr. Oft geht es auch durch bis 22 Uhr.
Damit genug für heute. Nun bitte ich euch noch, schickt mir eine neue
Taschenlampe; meine ist nämlich bei der Fahrt kaputt gegangen. Damit
schließe ich für heute. Hoffentlich geht es Euch noch gut.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
|
|
Stalino
Donezk
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13.02.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
13.02.43
Liebe
Eltern!
Habe
vor einigen Tagen Euere Briefe vom 2.1. und 2.2. erhalten, wofür meinen
allerbesten Dank.
Robert, Wilhelm, Heinrich,
Hans, ferner Richard Ewald zur
Kenntnis genommen.
Im 2. Brief betrifft Radio:
Diesen benötige ich im
Augenblick nicht, weil wir auf der Stube jetzt einen Lautsprecher haben,
der an einem Apparat vom Feldwebel angeschlossen ist
(Wehrbetreuungsgerät). Die Lage hier ist immer noch ernst. Aber um uns
geht es noch. Im Übrigen werden wir in den nächsten Tagen verlegen.
Seid
bitte nicht beunruhigt, wenn ich längere Zeit nicht schreibe, aber ich
kann nicht.
Damit genug für heute. Ich hoffe, dass zuhause alles in
Ordnung ist.
Ich
bitte Euch, geht bei Fliegeralarm in den Keller und in Deckung. *
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
|
|
|
|
*An
dieser Stelle ist eine Anmerkung angebracht.
Am 29.04.2010 wurde ich
von einem Leser angesprochen, der berichtete, dass es am 10.02.1943
einen Luftangriff auf den Flugplatz Stalino gab, bei dem es
Todesopfer gab. Eines der Opfer war sein Onkel. Auf einem der
nachfolgenden Bilder sind die Gräber der Opfer zu sehen. Im
Vordergrund ein Kreuz auf dem das Todesdatum 10.02.1943 ersichtlich
ist. Nur drei Tage später schrieb Walter Michel an seine
Eltern recht belanglose Dinge, wie man oben lesen kann. Kein Wort
schrieb er über die Luftangriffe, die sich über den ganzen Tag
erstreckten, sicher, weil er seine Eltern nicht beunruhigen wollte.
Vielleicht wurde aber auch ein Brief von der Zensur abgefangen. Erst am 15.06.1943
erwähnte er den Tod von Feldwebel Wedler, der am 10.02.43 ums Leben
kam. Interessant ist aber der Satz, dass die Einheit in den
nächsten Tagen verlegen würde und er längere Zeit nicht schreiben
könne. Entweder wurde die Einheit kurzfristig in Sicherheit
gebracht oder er war leicht verwundet. Den nächsten Brief schrieb
er erst 2 Wochen später. Am Ende
des Briefes befand sich allerdings ein Satz, der aus dem erlebten
Bombenangriff resultieren könnte und - in Sorge um die Angehörigen - den Luftangriffen
der Alliierten im Raum Frankfurt galt.
Der
Leser dieser Website stellte mir die Abschrift eines Briefes zur
Verfügung, aus dem hervorgeht, wie dessen Onkel ums Leben kam und
in welcher Gefahr sich auch Walter Michel befand. Im Gegensatz zu
den handschriftlichen Briefen von Walter Michel wurde den
Angehörigen eine Abschrift in Schreibmaschinenschrift
ausgehändigt. Das lässt den Schluss zu, dass eine Zensur im
heimatlichen Amt im Kreis Bigge stattgefunden hatte. Vermutlicht
handelt es sich um stark reduzierte Schilderungen, um den Grauen des
Krieges zu kaschieren und um eine Anreicherung mit Pathos zur
Heldenverehrung. Aus dem Brief geht indirekt hervor, dass die zuvor
übermittelte amtliche Todesnachricht ebenfalls nicht exakt der
Wahrheit entsprach, weil die ganze Wahrheit damals wahrscheinlich nicht ins Bild
passte.
Hier
ist der Text des Briefes:
|
A
b s c h r i f t
Osten,
1.6.43
Liebe Familie Spiekermann
Ihren
Brief, den ich heute erhielt, möchte ich gleich beantworten.
Die Annahme der Partei, dass Heinz durch Beschuss vom
Flugzeuge aus den Tod erlitt, ist irrig. Ich will versuchen,
Ihnen einigermaßen einen Bericht darüber zu geben. Am 10.
Februar 1943 hatte der Russe seit 6 Uhr früh fast
ununterbrochen mit zahlreichen Bombern angegriffen. Um 13.15
Uhr erfolgte ein besonders heftiger Angriff, der vor allem dem
Liegeplatz unserer Staffel galt. Heinz und sein Kamerad Arno
waren vor der Unterkunft, vor der sich ein Splittergraben zog,
und versuchten die Geräte in Gang zu bekommen. Als die erste
Bombe ein Haus nahe unserer Unterkunft zerstörte, sprangen
die Beiden, Heinz und Arno, mit noch 20 anderen Kameraden in
den Graben. Die zweite Bombe schlug 5 m vor mir ein und ich
hatte keine Zeit mehr, in den Graben zu laufen, doch da ich im
toten Winkel lag, gingen die Splitter über mich hinweg. Kurz
darauf erfolgte ein weiterer Einschlag und als ich mich
aufrichtete, sah ich, dass diese Unglücksbombe als
Volltreffer direkt in den Graben gehauen war, in dem Heinz und
Arno lagen. Sie waren sofort tot. Mit zwei anderen Kameraden
habe ich Heinz unter den anderen Toten hervorgezogen und wir
konnten ihm leider nur noch die Augen zudrücken. Mit allen
militärischen Ehren haben wir die Beiden auf dem
Heldenfriedhof von Stalino begraben. Den Stahlhelm, der ihn
vielleicht geschützt hätte, wenn er ihn aufgesetzt hätte,
und seinen geschnitzten Stock habe ich an das Holzkreuz
genagelt. Da Stalino
eingeschlossen wurde, mussten wir rausfliegen und sind
woanders hingekommen. In Kürze kommen wir wieder nach
vorn und es ist selbstverständlich, dass wir einen
Blumengruß ihm bringen, wenn wir durch Stalino kommen
sollten.
Ich
bedauere, dass Sie noch nicht den vollen Geldbetrag erhalten
haben, aber es war in den Wirren des Rückzuges schon ein
Kunststück, dass wir überhaupt Heinz seine Sachen
wegschicken konnten.
Es grüßt Sie
Ihr
gez. Jochen Matthies
Beglaubigungsstempel
Datum:
25. August 1943
|
|
Die
Passage mit dem schützenden Stahlhelm dürfte kaum so im Originalbrief gestanden
haben, denn die Wartungseinheiten arbeiteten nur mit einfachen
Kopfbedeckungen. Hier wurde Logik mit Unwissenheit gepaart zur
freien Dichtung, um Erklärungen für den ungeschützten Tod zu
finden. Auf dem Bild des gefallenen Wachoffiziers (weiter unten)
schmückt ein Stahlhelm das Kreuz, während auf allen anderen
Kreuzen keine Stahlhelme zu sehen sind. Der Leser besitzt
offensichtlich ebenfalls ein Bild mit Stahlhelm auf dem Kreuz. Es
ist davon auszugehen, dass hunderttausende Bilder von
Soldatengräbern so dekoriert wurden und es sich ganz selten um
authentische Stahlhelme handelte.
Am Ende der "Abschrift" unterliefen der Zensur
meiner Meinung nach weitere grobe Fehler, als man die spätere
militärische Lage zum
Zeitpunkt der Abschrift (Ende August 1943) mit der Schilderung vom
1.6.43 verwob. Die Einheit wurde tatsächlich erst Ende Juli 1943 von
Stalino
nach Smolensk verlegt. Zu diesem Zeitpunkt bestand kaum mehr die
Aussicht, das verlorene Donezbecken noch einmal zurück zu erobern. Es gab also am
1.6.43 noch keinen Grund für derartige Schilderungen und
Annahmen. Es handelt sich also um reine Trauer-Prosa.
Die erste russische Offensive im Bereich des Donez-Beckens war nach
Berichten des OKW am 23. Februar 43 endgültig gescheitert, weshalb bis Ende
Juni 43 in Stalino wieder Normalbetrieb herrschte und die Frontlinie
über 120 Kilometer weit weg war. Die Einheit wurde also keineswegs
ausgeflogen. Bis auf eine einzige Verlegung benutzte die
motorisierte leichte Feldwerft I./60 generell den Straßentransport
oder die Bahn. "Ausfliegen" und "Entsatz" stand
für Rettung in größter Not sowie wiedererlangte Sicherheit und absolute Kontrolle. Der Kriegsjargon schlug
also sogar im Trauerfall
durch.
Aus
heutiger Sicht kann man nur schwer verstehen, dass trauernde
Angehörige derart falsch benachrichtigt wurden, zumal die jungen Männer
für Volk und Vaterland gefallen sind. Im Trauerfall ist Zensur
absolut fehl am Platz. So wird aus einem tristen Friedhof am
Flugplatzrand kurzerhand ein "Heldenfriedhof" und man drückte
angeblich Augen von Toten zu, die von einem Volltreffer getroffen wahrscheinlich nahezu zur Unkenntlichkeit
zugerichtet waren. Man kann nur erahnen, wie realitätsnah der
Originalbrief an die Eltern des Toten geschrieben war, wenn man ihn bei der Abschrift derart
zensierte und kaschierte. Scheinbar blühte in manchen Schreibstuben der Heimatfront die
Phantasie im Dienste des Nationalsozialismus.
Für die Angehörigen ist diese späte Erkenntnis
jetzt sicherlich erschütternd und nur schwer zu verstehen..
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Bilder
von Walter Michel aufgenommen

Ju90
und zwei HE 111
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Ju90
in Wartung
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Jagdflugzeug
vor dem Start
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Grab
von Wachoffizier Horst Weller
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HE
177 Greif bei der Abnahme
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Lastensegler
Gotha Go 242-0
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Trümmer
eines Jagdflugzeuges Fw 190
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Zugmaschine
und Werkstattwagen
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Motorwartung
eines Kampfflugzeuges
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Flieger-AS
bei Übernahme der Maschine
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Hauptmann
Corall
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Stalino
Donezk
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27.02.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
27.02.43
Liebe
Eltern!
Da
ich heute gerade Wache habe, komme ich endlich wieder einmal dazu, zu
schreiben. Ich habe zwar am 23.2. einen Brief ohne Luftfeldpost
geschrieben, aber den werdet Ihr noch nicht haben, denn in der letzten
Zeit wurde nur Luftfeldpost befördert. Die beiden Briefe vom 22.1 und
24.2. habe ich erhalten und im Brief vom 23.2. beantwortet. Für beide
Briefe meinen herzlichen Dank.
Hier hat sich die Lage sehr gebessert. Die
Eisenbahn ist wieder frei und verkehrt planmäßig. Die Alarmstufen sind
ganz aufgehoben. Wir hatten hier sogar nochmal Alarmstufe 3. Die Panzer
waren bis 20 km vor der Stadt durchgestoßen. Aber die Luftwaffe zerschlug
sie. Jetzt ist die Front wieder 120 - 150 km abgerückt. Natürlich lässt
die Arbeit bei uns nicht nach, wir haben mehr zu tun als je. Damit ist
mein Bericht zur Lage zu Ende.
Wie
sieht es zuhause aus mit Luftangriffen? Hoffentlich seid Ihr davon
verschont. Aber geht bei Fliegeralarm in Deckung. Denn bei Euch wird
rechtzeitig gewarnt. Und es ist nicht überraschend. Damit für heute
genug.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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23.03.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
23.03.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute 3 Päckchen Nr. 51, 52 und 53 vom 9.2. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Nach langer Zeit ist endlich das erste Päckchen
eingetroffen. Die andern werden hoffentlich auch noch eintreffen. Bei uns
ist alles in bester Ordnung.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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24.03.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
24.03.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief vom 16. d.M. erhalten. Ferner habe ich heute einen Brief
durch unser Nachkommando vom 27.12.1942 erhalten. Für beide Briefe meinen
allerbesten Dank. Weihnachts- und Neujahrsgrüße habe ich von allen
Bekannten und Freunden erhalten mit denen ich mich schreibe. Nur von Onkel
Reinhardt nicht. Auch hat er mir bis jetzt noch nicht geschrieben. Warum?
Weiß ich nicht. Über H. Arnold bin ich informiert. Und kann mir nicht
erklären was ein solch festes Verhältnis bedeuten soll.
Über
das Pakt vom 7.1.43 das zurück gegangen ist, bin ich beruhigt. Es ist
glücklicherweise nicht verloren gegangen.
Du sollst wieder zum
Ernährungsamt? Wer weiß, für was es gut ist!?
Ja, das Wetter macht uns
Sorgen, denn es will und will nicht Sommer werden. Gerade taut es mittags
sehr gut, aber nachts friert es immer noch. Auch pfeift ständig ein sehr
scharfer Wind. Unter Fliegerangriffen haben wir jetzt nicht mehr zu
leiden. Es ist jetzt gut zu ertragen. Damit für heute genug.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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27.03.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
27.03.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euer Päckchen Nr. 50 vom 6.3. mit Druckbleistift und Bonbons
erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Es ist sehr gut angekommen.
Liebe Eltern, heute habe ich wieder einmal Wache. Es ist heute ganz gut zu
ertragen. Wir haben Windstille und die Sonne scheint. Aber immer noch
nicht so warm, dass man den Mantel aus lassen kann.
Auf
den Brief vom 16.3. zurückzukommen. Soll Papa die alte Rolle im
Ernährungsamt wieder übernehmen oder weiter suchen?
Nun
habe ich noch eine Bitte an Euch. Und zwar bitte ich Euch, mir im
nächsten Brief einige Briefumschläge beizulegen.
Im Dienst gibt es
nichts neues. Auch ist alles in bester Ordnung.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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30.03.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
30.03.43
Liebe
Eltern,
Habe
gestern Euren Brief vom 24. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.
Ferner habe ich heute Euer Päckchen Nr. 54 vom 11.3. erhalten, auch
hierfür meinen allerbesten Dank.
Das
mit Christine Mi. ist mir wieder ein typischer Fall vom Fechenheimer
Bauamt. Größere Sachen zu bauen ohne Baugenehmigung. Wie wird unser
neuer Zaun. Wie arbeiten die Belgier? Und von wem und von welchem
Unternehmer? Mit Willi Fröhlich ist zwar auch bedauerlich, aber doch noch
gut.
Mit
dem Radio ist weiter nicht schlimm, denn, wie ich Euch schon geschrieben
habe, haben wir einen auf der Stube. Die Zigarettenmaschine, wie auch der
Druckbleistift ist schön und gut. Die Maschine ist wie die französische.
Hier ist noch alles beim alten und in bester Ordnung.
Nun
bitte ich Euch noch, mir Kopierminen 1,2 mm und Klebstoff zu schicken.
Anbei
1 Luftfeldpostmarke.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
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Wehrmachts-
bericht
vom
7.4.1943
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Das
Oberkommando der Wehrmacht berichtete am 7. April 1943 wie folgt:
(Aus
dokumentarischer Sicht wurde der Originaltext belassen, um die damalige
offizielle Sicht der Führung zu verdeutlichen)
Die
Wende des Winterkrieges
Als
der winterliche Oststurm die Horden der Steppe gegen die deutschen
Stellungen im Osten trieb, die deutsche Front am Donbogen
eingedrückt und Stalingrad abgeschnitten war, als deutsche
Verbände sich planmäßig vom Feinde absetzen mussten und es den Sowjets
in der Winterschlacht 1942/43 gelang, an anderen Abschnitten in die
deutschen Fronten und Stellungen einzudringen, glaubte der Herr dieser
Horden, den entscheidenden Sieg in der Tasche zu haben, und in den
Metropolen seiner Hilfsvölker in London und Washington sprach man von der
endgültigen Wende des Krieges im Osten.
Mit
dem Winteranfang begann dieser Steppensturm. Aber schon acht Wochen
später, am 23. Februar, konnte die Führung der Wehrmacht feststellen: In
der großen Winterschlacht im Südteil der Ostfront hat der Feind seine
weitgesteckten Ziele nicht erreicht; da es ihm nicht gelang, die am
Ostrand des Donez-Industriegebietes festgefügte Front der
deutschen Truppen zu durchbrechen, versuchte er sie, nordwestlich
ausholend, im Rücken zu fassen. Verbände, denen es gelang, in den
Rücken der deutschen Front zu kommen, wurden gefaßt, eingeschlossen und
vernichtet. Diesem Schicksal erlagen vor allem die sowjetischen Verbände,
die aus der Gegend südlich von Charkow gegen den Dnjepr
vorgetrieben wurden, also den Verbänden des Feindes, die am weitesten
nach Westen gelangt waren, den "Vorposten auf dem Marsch zur
Entscheidung".
Die
Feststellung des Oberkommandos der Wehrmacht bedeutete keineswegs das Ende
der Winterschlacht, und noch nicht einmal ihre Wende. In bisher kaum
erlebter Härte gingen die Kämpfe weiter. Aber zunächst war wenigstens
an den wichtigsten Teilen der Front der Feind zum Stehen gebracht. Die
Menschenwalze aus den Steppen des Ostens hatte Ihre Schwungkraft verloren
und war auf eine Bremsbahn gestoßen, hinter der sich ihre endgültigen
Ziele in den Schleiern der Schneestürme verloren. Unsere Kartenskizze
stellt in großen Zügen den Ablauf der Kämpfe seit dem Fall Stalingrads,
also seit Anfang Februar dieses Jahres, dar. Die großen Kampfräume sind,
da sich die Feind- und Eigenbewegungen nicht im einzelnen wiedergeben
lassen, in Vierecke zusammengefaßt, die ständigen Brennpunkte des
Winterkampfes durch Kreise gekennzeichnet.
Wenn
man die Skizze vom Süden nach Norden betrachtet, hat man zunächst das
Kaukasusgebiet vor sich. Die Pfeile, die die Bewegungen deutscher und
feindlicher Kräfte skizzenhaft wiedergeben, zeigen, daß sich die
östliche deutsche Kaukasusfront, die rerekfront, planmäßig vom Feinde
absetzen konnte und das der Feind den naheliegenden Versuch machte, die
sich nach Westen bewegenden deutschen Truppen zu umfassen. Das mißlang.
Die
Deutschen bildeten zunächst einen Brückenkopf, der Krasnodar
einschloß, gaben die Stadt aber etwa um die Mitte Februar auf, als der
Feind mit verstärkten und schwer überlegenen Kräften seine
Umfassungsversuche fortsetzte. Es entstand der vielgenannte Kuban-
brückenkopf, der die Mündung des Kubans
und die Stadt Noworossijsk ausholend umfaßte und den der Feind,
nachdem der Wettlauf mit den Deutschen zu seinen Ungunsten geendet hatte,
vergeblich von Norden her eindrücken zu können glaubte. Von Süden her
hatte er bereits in den Wochen vorher Noworossijsk angegriffen, in
dessen Hafen er auch immer wieder ohne Erfolg zu landen versuchte.
Nach
dem Einbruch in den Donbogen und der
westlichen Bewegung der deutschen Verbände drückte der Feind sowohl
frontal wie auch von Süden her (aus dem Kaukasus-Vorgebiet) gegen unsere
Fronten. Er erreichte den unteren Don,
überschritt ihn, scheiterte jedoch mit jedem Durchbruchsversuch, nachdem
die deutschen Verbände sich von dem gefährdeten Rostow
abgesetzt und am Mius eine
festgefügte Front errichtet hatten. Aber schon Mitte Februar setzten im
Raum von Charkow schwungvolle deutsche Gegenstöße ein. Das
Gesicht des Winterkampfes begann sich zu ändern. Der Feind setzte an die
Stelle des direkten Angriffs und Durchbruchs den Versuch, durch Umfassung
zur Entscheidung zu kommen. Die Kämpfe nördlich von Charkow und Kursk
hatten zunächst keine andere als diese Bedeutung, und daneben sollte
der Druck auf die Räume von Orel, Gchatsk, südlich des Ilmensees,
südlich des Ladogasees, vor Leningrad
usw. vor allem die Abziehung von Kräften zur Stärkung der deutschen
Südfront und der möglichen Umfassungs- und Durchbruchsstellen
verhindern. An diesen Brennpunkten (siehe die Kampfräume auf den Karten)
kämpften die deutschen Verbände teils elastisch, teils in erbitterter
Abwehr. Wie jähe Feuersbrünste loderten die Schlachten in den Räumen
von Orel und Kursk, vor dem Ladogasee,
bei Staraja Rußja auf, um nach einiger Zeit zu scheinbar ruhiger
Glut zuzusammenzusinken und dann wieder emporzuflammen, sich jeweils in
den Charakter der Gesamtoperationen der Ostfront fügend.
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Dort,
wo die deutschen Verbände elastisch kämpften, wurden vor allem ungünstige
Frontziehungen (wie die "Grafschaft" von Demjansk)
korrigiert. Hier und an anderen Stellen, wie im Raume von Rschew,
Sytschewka und Gshatsk, setzten unsere Truppen sich
zum Teil sogar ohne Zwang vom Gegner ab.
Der
schwere Druck des Feindes führte am 17. Februar zur Räumung von Charkow,
der sowjetischen Hauptstadt der Ukraine. Aber nur scheinbar hatte
der Feind hier einen Erfolg erzielt, der ihn der erstrebten
Entscheidung näher brachte.
Die deutschen Truppen verstärkten ihre
eigenen Angriffe, vor allem am mittleren Donez, im Raum
südwestlich von Isjum. Während zwischen Charkow und Kursk
der Kampf elastisch weitergeführt wurde, mußte der Feind dem deutschen
Gegenstoß im Raum von Isjum nach Norden und Nordwesten
ausweichen.
Zum
erstenmal wieder konnte der deutsche Wehrmachtsbericht von der Erstürmung
verlorengegangener sowjetischer Städte und Ortschaffen im Donezraum
berichtenn. So wurden Kramatorskaja und Lossowaja Ende
Februar genommen.
Während
der Feind Anfang März an der Miusfront wiederum zum Angriff antrat,
wurde der deutsche Gegenstoß erfolgreich weitergetragen und
weiterer Geländegewinn erzielt, bis in den ersten Märztagen der
mittlere Donez wieder deutsche
Soldaten und Waffen an seinem Ufer sah. In Richtung Slawjansk
und nordwestlich an Charkow vorbei wich der Feind
zurück.
|
Trotz
Schlamm und Regen erreichten die deutschen Verbände auf einer Frontbreite
von 250 Kilometer den Donez, nahmen Slawjansk
und schlossen die Masse der 3. sowjetischen Panzerarmee südlich Charkow
ein.
Damit
begann ein Kampfabschnitt, der sogar Charkow selbst wieder in
unsere Hand zurückbrachte. Die Eroberung der Städte Walki und Ljubotin
sind Stationen unseres Marsches auf Charkow, auf das der Feind am
10. März zurückgedrückt wurde. Am Ende der ersten Märzhälfte drangen
deutsche Soldaten in Charkow ein und eroberten es in wenigen Tagen
zurück, während westlich Bjelgorod deutsche Truppen auf breiter
Front angriffen und trotz heftiger Gegenangriffe Raum gewannen. Das Blatt
hatte sich also gewendet, und an großen Teilen der Front, insbesondere
der Südfront, war aus der Abwehr ein Angriff geworden. Noch vorhandene
Lücken schlossen sich, fester fügten sich unsere Fronten, hinter uns lag
die schwere Krise, und als Herren der Lage nahmen wir dem Feind die
Initiative aus der Hand. Diese Entwicklung versuchen unsere Karten unter
Verzicht auf alle Einzelheiten wiederzugeben.
.............................
soweit der Bericht es Oberkommandos der Wehrmacht vom 7.4.1943 ..........................
Wie
man sieht, war Stalino ebenfalls gewaltig in Bedrängnis gekommen.
Die Flurzeuginstandhaltungseinheiten waren jedoch gezwungen, die Schlacht-
und Kampfflugzeuge aktiv in Frontnähe zu unterstützen und abgestürzte
oder notgelandete Maschinen zu bergen und wenn möglich teilweise zu
retten. Von alledem berichtete Walter Michel nur sehr
zögerlich. Es ist anzunehmen, dass er nur das nach Hause berichtete, was
ohnehin durch die Wehrmachtsberichte bekannt wurde. Dass die
Winteroffensive nur ein kurzes Zwischenspiel war, belegen die ständigen
Verlegungen der Einheit in der Folgezeit nach Westen und Südwesten.
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Stalino
Donezk
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09.04.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
9.4.43
Liebe
Eltern!
Heute
bin ich wieder von großer Fahrt zurück gekommen. Aber als ich nach Hause
kam, fand ich leider wieder keine Post vor.
Da ich nur 5 Tage unterwegs
mit dem LKW war. Ich fahre mit als Beifahrer. Wir mussten einen Wagen, der
unterwegs war und Motorschaden und Kühlerdefekt hatte, Ersatzteile
bringen und reparieren. Er war ca. 30 Km vorn Stalino entfernt. Also nur
etwas über 150 km zu fahren. Aber die Straßen! Keine Wege und ....! Denn
kurz hinter Stalino hört die Straße auf. Und es ging über Felder und
Steppe. Man fährt einfach den Spuren von anderen Fahrzeugen nach. Fahren
kann man nur im 1. ab und zu im 2. Gang . Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt ungefähr 20 - 22 km/h.
Unterwegs, nachdem wir ca.
50 km gefahren waren, mussten wir Gleisketten auflegen (Schlamm), damit
man überhaupt noch weiter kam. Nachdem wir uns außerdem verfahren
hatten, fanden wir endlich gegen Abend den Wagen. Man kann hier wenig
fragen. Denn 1. ist nur alle 15 - 20 km ein Dorf, 2. gibt es wenig
deutsche Soldaten. 3. wissen noch viel weniger Menschen, wie die Wege
verlaufen.
Quartier
fanden wir sehr schnell bei einem Bauer. Natürlich unter russischen
Verhältnissen. Hier haben die Häuser eine Größe von 15 x 5 m. Und das
ist noch in drei Teilen unterteilt. Stall, Abstellraum (Futter, Getreide
und Essen) und Schlafraum. Im Stall befanden sich 2 Kühe und ca. 15
Hühner. Im Nebenraum schliefen 3 Russen (2 Frauen, 1 Mann) und 3 Kinder.
Die Frauen und die Kinder auf dem Herd, der Mann im Bett. Wir haben uns
auf den Boden gelegt und darauf gepennt.
In den nächsten Tagen
reparierten wir den Wagen und am 5. Tag begann die furchtbare Rückfahrt.
Der andere Wagen setzte seine befohlene Fahrt fort. Damit für heute
genug.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
Anbei
2 Paketmarken und 1 Luftfeldpostmarke
Schickt
bitte eine Schachtel schwarze Schuhcreme
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Stalino
Donezk
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18.04.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
18.04.43
Liebe
Eltern,
Habe
heute Euch nach Hause auf Feldpostanweisung 150 RM geschickt. Lasst diese
bitte auf mein Sparbuch zu schreiben. Ferner habe ich heute ein Päckchen
mit 8 Zigarren abgeschickt. Diese habe ich von der Marketenderei gekauft
(2 RM). Hoffentlich kommen sie gut an. Sonst alles beim alten.
Es
grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch "Frohe Ostern"
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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20.04.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
20.04.43
Liebe
Eltern!
Schicke
Euch hiermit ein Paket mit dem Pullover, Nasenschützer, Rasier- und
Kernseife, Zahn- und Hautcreme, 2 Filme. Und für Inge ein Päckchen
Tabak. Damit für heute genug.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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23.04.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
23.04.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euer großes Paket vom 5. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank. Es kam sehr gut an. Nun da ich jetzt eine Karte habe, möchte ich
Euch endlich einmal unseren Weg nach dem Süden beschreiben.
Die
Strecke war:
Solzy
(bei Nowgorod südlich von Leningrad), Dno, Porchow (heute Burkau),
Valka, Riga, Mitau (heute Jelgava), Schaulen (heute
Siauliai),
Wilna (heute Vilnius), Minsk, Gormel, Brjansk, Charkow (heute
Charkiw),
Slawiansk, Kramatorowka (heute Kramatosk), Stalino (heute Donezk).
Auf
der Strecke Brjansk - Charkow wurden wir durch Partisanen beschossen und
hatten dadurch einen Verletzten.
Sonst ging damals alles gut. Hier gibt es
nichts neues, alles in bester Ordnung.
Sind
meine beiden Päckchen und die 150 RM gut angekommen?
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
P.S.
Wir haben jetzt herrliches Sommerwetter. Die Sonne brennt herunter. Und
wir sind sehr sehr schön braun.
|
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Stalino
Donezk
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26.04.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
26.04.43
Liebe
Eltern!
Habe
am Ostersonntag das Päckchen Nr. 60 vom 12.4. und am ersten Feiertag den
Brief Nr. 42 vom 14.4. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Das
Päckchen ist sehr gut angekommen. Mit Luftangriffen ist zu Hause immer
das alte Lied. Angriff auf Städte. Hoffentlich bleibt bei Euch alles in
bester Ordnung.
Liebe
Eltern - Ostern!
Davon hat man hier nicht viel gemerkt. Bei uns hatte die
eine Hälfte am 2. Feiertagmittag frei. Ich habe erst heute frei. Am 20.
April hatten wir einen ganzen Tag dienstfrei. Daher war ich in Stalino und
habe mir die Stadt angesehen. Sonst ist hier noch alles in bester Ordnung.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
|
30.04.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
30.04.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euren Brief Nr. 43 vom 23. d. M. erhalten, wofür meine
allerbesten Dank. Besten Dank für Eure Ostergrüße, die ausdrücklich
ankamen.
Lb.
Eltern,
gestern, den 29.4. habe ich Euch ein Paket geschickt. Und zwar ist
darin enthalten: Ein Paar Strümpfe, ein Nasenschützer, ein Paar
Pulswärmer, ein Kopfschützer, meine Taschenuhr (die nicht mehr
funktioniert. Wenn meine Armbanduhr schon in Ordnung ist, dann schickt mir
diese.), 2 Stück Seife, 1 Stück Rasierseife, 8 Zigarren.
Wie
steht es um die anderen Pakete? Sind die gut angekommen? Und die 150 RM?
Hoffentlich kommt alles gut an.
Ist das Paket mit dem Füllhalter auch
schon zurückgekommen? Damit für heute genug.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
|
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Stalino
Donezk
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06.05.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
06.05.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Eure 2 Päckchen (ein großes vom 24.4. und ein kleines vom 19.4.)
erhalten, wofür meine allerbesten Dank. Beide sind sehr gut angekommen.
Von Onkel Fritz habe ich auch schon mein Geburtstagspaket erhalten. Meine
besten Dank für die Geburtstagsgrüße.
Habe
Euch am 3.5. wieder 100 RM geschickt. Der Grund für die beiden
Geldsendungen ist, dass wir in den letzten Tagen unsere Frontzulagen von
Dezember bis jetzt auf einmal ausgezahlt bekommen haben.
Bei uns ist alles
noch in bester Ordnung. Nur haben wir furchtbar viel Arbeit. In der
Hauptsache motorenmäßig. Aber mein Gebiet!
Wir
arbeiten jetzt von 5 Uhr bis abends 16 Uhr. Dabei ist nur eine Stunde
Mittag. Es ist dies eine sehr lange Zeit, aber es ist nicht zu ändern,
die Maschinen müssen fertig werden. Es ist nur gut, dass wir eine schöne
Montagehalle haben, in der man auch an der größten Maschine arbeiten
kann. Die Halle ist ca. 3 mal so groß, wie die der Firma Heinrich
Wörner. Sechs H 111 haben darin bequem Platz.
Das
Wetter ist jetzt sehr schön. Sehr warm. Nur ganz anders wie zu hause.
Frühling ist es nicht. Genau wie der Übergang von Tag zu Nacht
plötzlich vorgeht. Ist die Sonne da, dann ist es gleich drückend heiß.
Ist sie weg, ist es gleich wieder kalt.
Heute haben wir unsere
Sommeruniformen bekommen. Blaues Leinenzeug. Blauer Grund. Das trägt man
nur abends und bei kühlen Tagen. Im allgemeinen wird nur getragen: Lange
Hose und Blauhemd (offen getragen). Eine sehr sportliche Uniform.
Zum
Schluss möchte ich noch Mama zu ihrem kommenden Ehrentag gratulieren und
alles gute wünschen.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
|
|
Stalino
Donezk
|
15.05.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
15.05.43
Liebe
Eltern!
Habe
vorgestern Euren Brief Nr. 45 vom 4. d.M. erhalten, wofür allerbesten
Dank. Dass die beiden offenen Päckchen gut angekommen sind, freut mich
sehr. Hoffentlich kommen die andern Pakete und das Geld gut an. Im übrigen
habe ich bereits wieder ein Paket abgeschickt. Am 14.5. Nr. 12. Es ist
darin enthalten: 12 Zigarillos, 2 Zigarren, 2 Päckchen Tabak (allerdings
Krullschnitt, wenn Du ihn selber vielleicht nicht magst, kannst Du ihn
umtauschen), eine Tube Zahnpasta, ein Stück Feinseife und 10
Rasierklingen. Hoffentlich kommt auch dieses wertvolle Paket gut an. Gebt
mir bitte die Nummern der angekommenen Pakete bzw. Päckchen an. Diese
Sachen habe ich wieder von der Marketenderei gekauft.
Ferner
hat es dabei Zigaretten (180 Stück) gegeben, die ich natürlich für mich
behalten habe.
| Die 12
Zigarillos kosten |
2,40
RM |
| 2 Päckchen
Tabak |
1,00
RM |
| 10
Rasierklingen |
1,00
RM |
| 1 Tube
Zahnpasta |
0,70
RM |
|
5,10
RM |
Also
unter uns ist das nicht teuer. Anbei schicke ich eine Luftfeldpostmarke
und 2 Paketmarken.
Bei
uns gibt es hier nichts Neues. Es geht alles seine alten, gewohnten Gang.
Ein Tag wie er andere.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer Walter
|
|
Stalino
Donezk
|
09.05.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
09.05.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute euren Brief vom 28.4. erhalten. Wofür meine allerbesten Dank.
Besonders für die Geburtstagsgrüße.
Mit
Geschenke machen, dürft Ihr euch keine Gedanken machen. Wir sind
schließlich im 4. Kriegsjahr und man kann nicht mehr wie man gern
möchte.
Mama
wünsche ich nochmals zu ihrem Ehrentag alles Gute. Schicken kann auch ihr
ich im Augenblick nichts.
Hier bei uns ist noch alles in Ordnung. Nur viel
Arbeit.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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18.05.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
18.05.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euer Päckchen vom 3. d.M. erhalten, wofür meine allerbesten
Dank. Das Paket ist sehr gut angekommen. Einmal Pudding habe ich mir davon
schon gekocht. Er war sehr gut.
Wir
machen jetzt alle eine Kur gegen Malaria. Pro Tag eine Tablette ALTROPIN.
Die Kur dauert 6 Wochen.
Ferner wurden wir zwei mal geimpft. Und zwar
gegen Typhus und gegen Cholera.
Sonst
weiß ich im Augenblick nichts Neues um zu berichten.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
|
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Stalino
Donezk
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23.05.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
23.05.43
Liebe
Eltern!
Habe
Euren Brief vom 11.5. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Besonders
für die Geburtstagsgrüße. Das Paket ist ja rechtzeitig angekommen.
Meinen besten Dank.
Den Geburtstag haben wir hier auf der Stube am Abend
mit 10 Mann sehr gut verbracht. Ich habe am Nachmittag dienstfrei gehabt.
Habe vom Ingenieur eine Flasche Weinbrand bekommen. Ferner gab es an
diesem Tag gerade Marketenderware. Genügend Saufwaren (wenige haben auch
etwas abbekommen). Ferner bekam ich auch 2 Flaschen Schnaps zusätzlich.
Wie dann gefeiert wurde bis 24 Uhr, könnt Ihr euch ja denken.
Liebe
Eltern!
Jetzt
haben wir zur Zeit auf Arbeit etwas Ruhe. Wir haben dafür drei freie Tage
zur Erholung und Ausspannung bekommen. Tage der Ruhe. Dienstfrei! Dazu
gibt es auch eine Sonderverpflegung. Das, was es sonst in 10 Tagen an
Verpflegung gab, gibt es in diesen 3 Tagen. Morgens kann jeder so lange
schlafen, wie er will. Mittags fahren Wagen nach Stalino.
Zunächst
haben wir die Stadt besichtigt. Die Stadt ist überhaupt nicht zerstört.
Hier spürt man nichts vom Krieg. Nur das einzige ist, dass jetzt Militär
zu sehen ist. Die Stadt zählte im Frieden ca. 750 Tausend Einwohner. Auch
jetzt ist noch sehr sehr viel Zivilbevölkerung da. Außerhalb der Stadt
befinden sich die großen Fabriken und Zechen (Kohlebergwerke).
Rüstungsbetriebe - wofür noch. Und überall wird feste gearbeitet.
 |
Wenn man
durch die Straßen von Stalino geht, fühlt man sich fast nicht mehr in
Russland. Man könnte annehmen, man sei in einer westlichen Stadt,
vielleicht wie in Frankreich. Die Stadt ist überhaupt nach
westländischem Muster gebaut. Jetzt fahren wieder Straßenbahn und
Trollibus (Elektrischer Autobus). Die Straßenbahn allerdings etwas
veraltet, dagegen die Trollibusse neu, aus Deutschland sehr
wahrscheinlich.
Man
kann in Gastwirtschaften gehen, allerdings sehr teuer. Ferner sind hier
für Soldaten 3 Kinos, eine "Bunte Bühne", ein Theater und eine
Oper. Außerdem schöne große Anlagen, mitten in der Stadt. Am ersten Tag
war ich mit ein paar Kameraden erst im Soldatenheim, dort spielte eine
Kapelle und ein Ballett machte Vorführungen. Am Abend waren wir in der
"Bunten Bühne". Es spielte eine K.D.F.-Gruppe. Es war sehr
schön. Es wurde gespielt "Zigeunerliebe" von Franz Lehar.
Am
nächsten Abend war ich in der Oper, und zwar wurde der
"Zigeunerbaron" von Johann Strauss gespielt. Ich war sehr
überrascht über die wunderbare Ausstattung der Bühne und die schönen
prunkvollen Kostüme. Auch das Gebäude ist innen, wie auch alle
Nebenräume gut und prunkvoll ausgebaut. Die Bühne ist sehr groß und
drehbar. Das Theater wird schätzungsweise 2000 - 2500 Besucher aufnehmen.
|
Nun
zum Stück: Die Darsteller - , Sänger und Sängerinnen, Chöre und
Kapellen spielten sehr sehr gut. Nur eines ist schade, dass fast alles in
ukrainischer Sprache gesprochen und gesungen wird. Das Theater mitsamt
Ausstattung und Künstlern kann sich mit den meisten Theatern in
Deutschland bestimmt messen.
Heute
bekam ich einen Brief aus Herne von Gottschlich. Er hat Urlaub. Glück
gehabt. Bei uns sieht es noch nicht so gut aus.
Heute am dritten Tag
findet zum Abschluss noch ein großer Kameradschaftsabend von unserer
Abteilung statt. Es werden von uns zunächst Vorträge sein. Aber dazu
kommt noch eine K. D. F.-Gruppe.
Per Mann sind bereitgestellt: 3 l Bier und
je 2 Mann eine Flasche Schnaps. Es wird wieder ein toller Abend. Damit
für heute genug.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
Anbei
eine Luftfeldpostbriefmarke.
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Die
Maschinen wurden teilweise in der Halle, aber auch unter freiem
Himmel gewartet und repariert.
Auf
den Bildern sind Arbeiten an Stukas zu sehen, die in den vordersten
Kampflinien eine sehr große Rolle spielten.
Die
Arbeiten waren richtige Knochenarbeiten, denn oft standen kaum
Hebezeuge zur Verfügung und ein Motorwechsel war schon eine
kräftezehrende Angelegenheit. |
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Stalino
Donezk
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28.05.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
28.05.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief Nr. 48 vom 21. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank. Es freut mich, dass bis jetzt alle Päckchen, wie auch das Geld,
alles gut angekommen ist. Ich hoffe, dass Papa das Geld gut und vor allem
sicher angelegt hat. Das müsst Ihr ja am besten selber wissen, denn Ihr
habt ja vom letzten Krieg genug Erfahrung.
Dass ich den Brief an Onkel
Fritz an euch geschickt habe, ist ein Versehen meinerseits, was ich mir
nicht ganz erklären kann. Dieser Brief wurde von einem Urlauber
mitgenommen, der aus Kassel ist und durch die Katastrophe der
Edertalsperre fast alles verloren hat. Er ist verheiratet. Der Betreffende
liegt bei mir auf der Stube. Wenn eine derartige Katastrophe oder etwas
Ähnliches einmal zuhause vorkommen sollte, was ich ja nicht hoffe, und
ich nach hause kommen soll, so müsst Ihr Euch dies von der Partei und
Polizei und einer Behörde bestätigen lassen.
Mit
den Rauchwaren zuhause steht es ja sehr schlecht. Da ich werde auch immer
von Zeit zu Zeit etwas schicken, soweit es in meine Kräften steht.
Mit
Urlaub steht es noch immer bei uns sehr schlecht. Wenn ich auf Urlaub
einmal komme, kann ich überhaupt nicht sagen. Bei uns ist noch alles beim
alten. Mit Arbeit geht es. Wir haben zwar zur Zeit laufend Arbeit. Aber
so, dass man es ertragen kann. Damit für heute genug.
Ich
hoffe, dass zuhause alles gesund, wie auch ich bin, ist.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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01.06.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
1.6.43
Liebe
Eltern!
Gestern
erhielt ich Euer Päckchen Nr. 65 vom 20.5., wofür meinen allerbesten
Dank. Es kam sehr gut an. Für alles gute Verwendung, bzw. gut geschmeckt.
Liebe
Eltern,
gestern
habe ich meinen ersten Werkstattflug mit einer HE 111 gemacht. Besatzung
war ein Flugzeugführer-Oberleutnant, ein Prüfmeister von uns und ich. Es war
ein Höhenflug. Wir flogen sofort auf 3500 m. Dort oben wurde die Maschine
auf alles geprüft. Steile Messerflüge, Sturz, Abfangen, wieder schneller
steigen und zum Abschluss stürzten wir auf ein Haus zu. Erst dicht über
dem Boden riss er die Maschine hoch und ging im Tiefflug über ein Wald-
und Wiesenstück weg. Dann eine glatte Landung mit nur einem Motor. (einer
stehenden Latte).
Ein ganz toller Flieger!
Der Flug dauerte eine gute
Stunde. Mit gefiel es sehr gut und vor allem war es interessant. Erstens
konnte ich einmal genau den Ausschlag der Instrumente beobachten. Zweitens
konnte ich mir von oben die Stadt und die weitere Umgebung ersehen. Es war
sehr schön. Das Wetter war auch gut. Vor allem klar und mit ganz wenigen
Wolken.
Ein schönes Bild ist das, wenn man über den Wolken ist und sieht
tief unten die Landschaft. Das Fliegen an und für sich ist in einer
solchen Maschine überhaupt nicht gefährlich. Besonders auch, wenn ein
guter bewährter Pilot mit Deutschem Kreuz am Steuer sitzt. Wie überhaupt
es alle sind, die Maschinen einfliegen. Damit genug für heute.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
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HE
111

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Stalino
Donezk
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05.06.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
05.06.43
Liebe
Eltern!
Habe
Euren Brief Nr. 49 vom 28.5. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.
Dass das wertvolle Paket Nr. 12 gut angekommen ist, freut mich sehr. Dass
derartige Sachen zuhause sehr knapp sind, glaube ich gern.
Bei
uns hat die Arbeit wieder derart zugenommen, dass man einfach nicht weiß,
wo man anfangen soll. Das noch auf allen Gebieten. Wir arbeiten jetzt pro
Tag 12 Stunden. Sonst geht es im allgemeinen. An die Sonne gewöhnt man
sich. Auch die Fliegerangriffe haben nachgelassen. Damit genug für heute.
Ich wünsche euch noch recht frohe Pfingsten.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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09.06.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
09.06.43
Liebe
Eltern!
Da
ich heute mal wieder meinen dienstfreien Tag habe, möchte ich Euch auch
ein paar Zeilen schreiben. Dienstfreien Tag habe ich bekommen mit noch 2
Kameraden zusammen, als Belohnung für geleistete Arbeit. Wir haben bei
dem starken Arbeitsanfall eine Reihe von Maschinen sehr schnell wieder
einsatzklar gemacht. Es war dies nicht gerade immer leicht, aber wenn man
stärker dafür entsprechend belohnt wird, freut es einem doch.
Nun
zu Euch. Hat Papa immer noch so viel zu tun?
Wie steht es mit
Fliegerangriffen und was ist zuhause beschädigt? Hoffentlich bleibt unser
Haus heil.
Anbei
noch 4 Luftfeldpostmarken und 2 Paketmarken.
Heute
erhielt ich noch einen Brief (Nr. 50 vom 1.6.) von Euch. Meinen besten
Dank. Ihr fragt an, wie weit unser Platz von der Stadt entfernt ist. Es
sind ca. 12 km.
Dass
ich die 100 RM geschickt habe, bereue ich keinesfalls. Denn wenn ich Geld
wegschicke, so habe ich immer noch genug Geld für mich. Karlheinz habe
ich bis jetzt nicht getroffen. Wie soll auch dies geschehen? Es besteht
nur die Möglichkeit, dass er nie wieder von Haus und Basis einmal den
Platz und besonders unsren großen Hangar besichtigt.
Dass es mit der
Kirschenernte schlecht steht, bedauere ich sehr. Hoffentlich steht es mit
dem anderen Obst besser. Du schreibst vom Urlaub. Viel Glück. Hoffentlich
erholst Du Dich gut. Bei uns steht es damit immer noch schlecht. Damit
genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Stalino
Donezk
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15.06.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau
Russland,
15.06.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute euer Paket mit Kuchen usw. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.
Dass die Bilder von den beiden Filmen zum größten Teil gut sind, freut
mich. Zumal wertvolle Aufnahmen dabei sind. Außerdem 2 Aufnahmen von
unserem Feldwebel Wedler, der hier am 10.2. gefallen ist. Das sind die
letzten Aufnahmen von ihm. Ich habe hier zwar noch 2 Filme, aber wenn Du
noch welche bekommen kannst, dann kaufe diese.
Pfingsten
haben wir gut verbracht. Sonst gibt es nichts neues.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Auf
Heimaturlaub
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12.07.1943
Brief von H. Puth, Warschau C1 an Walter Michel
Warschau,
den 12.7.43
Lieber
Walter,
Für
Deine Zeilen vom 9.7. besten Dank. Wie ich daraus ersehe, war Dir das
Glück hold und hast Du Urlaub bekommen. Nach 13 Monaten hat man es auch
verdient.
Wir
sind hier nach Warschau gekommen, um nochmals einen 28-tätigen Lehrgang
mitzunehmen. Hier sollen wir nochmals, bzw. bekommen wir nochmals eine
Geländeausbildung sowohl im Fahren als auch infanteristisch. Ferner haben
wir noch Unterricht und Störungssuchen am Kraftfahrzeug. Das Gelände ist
hier dem Osten angepasst, sodass es nicht so einfach ist, hier zu fahren (
Sand, Schlamm, schlechte Straße u.s.w.) . Man wird also wie Du hieraus
ersiehst, für den Osten vorbereitet.
Bis
jetzt sind wir hierher kommandiert worden und wir sollen dann
wieder nach Berlin zurückkommen, um dann von da aus versetzt zu werden. Das wäre
fein. Aber ich glaube nicht daran. Von hier ist es doch näher nach dem
Osten. Ja, es sind noch 20 Tage jetzt und dann werden wir es ja sehen, wie
alles kommt.
Sonst
gibt es hier nichts neues. Für heute nun genug.
Ich
wünsche dir recht viel Spaß in Deinem Urlaub und hoffe bald wieder etwas
von Dir zu hören.
Es
grüßt Dich recht herzlich sowie Deine Eltern
Dein
Freund Hermann
Was
macht eigentlich Karlheinz? Habe ihm vor 14 Tagen geschrieben, aber noch
keine Post von ihm bekommen.
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Verlegung
nach
Smolensk
Weißrussland
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30.07.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
30.07.43
Liebe
Eltern!
Heute
am Freitag bin ich bei meiner Einheit eingetroffen. Die Stadt ist wie Frau
K. meinte. Es war eine tolle Fahrerei. Ich fuhr bis Kaschau, dort traf ich
einen Uffz. von uns. Dieser kam von der Grenze und wusste über
Fahrtstrecke und Ziel genau bescheid. Wir fuhren dann zusammen weiter nach
Warschau, dann Brest-Lit., Minsk, Zielstadt (Smolensk)
Aus
diesem Grunde bin ich sehr schnell hier gewesen.
Die
Fahrt ging immer sehr gut und flott, bis auf eins, das sehr traurig ist.
Mir wurde im Fronturlauberzug hinter Brest mein Foto gestohlen. Alles
Suchen und Aufspüren blieb erfolglos. Er ist weg.
Wir
wohnen hier mitten in der Stadt in einer Baracke, die weiteren Züge
außerhalb. Haufen Arbeit ist auch hier. Wir sind nämlich hier nur zur
Aufrüstung. An Fugzeugen wird nicht gearbeitet. Wir überholen unsere
Fahrzeuge gründlich. Und wenn dies fertig ist, geht es weiter. Damit
genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
Anbei
2 Luftfeldpostmarken
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bei
Smolensk
Weißrussland
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09.08.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
09.08.43
Liebe
Eltern!
Nachdem
ich in "S" 5 Tage war, verlegte ich mit meinem Zug nach vorn.
Wir jetzt 70 km nordöstlich auf einem Feldflugplatz. Wohnen in
Russenhäusern. Arbeiten unter freiem Himmel. Es ist wieder ein neues
Gebiet. Wieder müssen wir uns umstellen, neu hinzu gekommen sind FW
Jäger. Diese sind sehr gut. Vor allem die Piloten.
Täglich
werden viele Russen abgeschossen. Schon in der ersten halben Stunde, als
wir hier waren, kamen 13 Russen. Aber sofort starteten die Jäger und
schon 7 - 8 Minuten später hatten sie 11 Maschinen abgeschossen. Es ist
schön und sehr spannend, wenn man den Iwan kommen sieht und wie er
abgeschossen wird. Ja, dies geht alles sehr rasch.
Die
Hauptkampflinie ist ca. 8-10 km entfernt. Den ganzen Tag über hört man
die Artillerie schießen. Damit genug für heute.
Wir
haben noch kein Licht und ich sehe bald nichts mehr. Das übrige werde ich
morgen berichten.
Es
grüßt euch herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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14.08.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
14.08.43
Liebe
Eltern!
Etwas
ganz besonderes ist vorgekommen. Und zwar sind heute die beiden Weihnachtspäckchen
(v. 8.12.42 und 28.12.42) angekommen. Kleines ist sehr gut, unversehrt
angelangt. Aber das 2. große ist kaputt und vielleicht aufgebrochen
worden. Denn der Stollen ist unversehrt, gut und noch genießbar
angekommen ( nur sehr hart, trocken, schmeckt aber noch). Aber
Begleitschreiben, Füllfederhalter u.s.w. fehlen. Schade. Meinen besten
Dank. Es war für den Zug ein großer Sack Weihnachtspost da. Auch hatte
ich noch 4 Briefe. Unter anderem einen von Ewald. Ferner ist heute auch
der Luftfeldpostbrief vom 7.8.43 angekommen. Vielen Dank.
Einen
Bericht über S. kann ich heute nicht geben, da ich zu müde bin., denn
wir arbeiten von morgens 4 Uhr bis abends 20 Uhr. Den Namen des Mittels
gegen Halsschmerzen kann ich Euch nicht mitteilen, da ich alles noch nicht
angepackt habe, da wir bald wieder verlegen müssen.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
|
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bei
Smolensk
Russland
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19.08.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
19.08.43
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Euren Brief vom 14. d.M. . Meinen allerbesten Dank. Eure
Vermutung über Verlegung stimmt. Das habe ich Euch ja schon im letzten
Brief geschrieben. Wir sind jetzt in der Nähe von Hagenow (ca. 20 km
entfernt) . An der Front sind sehr schwere Kämpfe. Gestern haben wir vom
Platz aus einen Angriff unserer Stukas mitangesehen. Man konnte sehr gut
die Einschläge mitbekommen. Es war auf ganz kurzem Abschnitt Einschlag
auf Einschlag. Ca. 50 Maschinen waren daran beteiligt. Auf unserem Platz
haben wir auf keinen Angriff gesetzt. Wir können in aller Ruhe arbeiten.
Über
Nix und Kopp zur Kenntnis genommen. Immer noch besser als in russischer
Gefangenschaft.
Schlechtes
Wetter haben wir. kalt, Regen. Damit für heute genug.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
|
|
bei
Smolensk
Russland
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29.08.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
29.08.43
Liebe
Eltern!
Wir
haben heute wieder verlegt und zwar wieder zurück auf S. Was hier werden
soll, ist bis zur Stunde unbekannt. Man hofft, dass wieder die ganze
Abteilung verlegt. Wollen wir abwarten.
Euren
Brief vom 22.8. habe ich kurz vor unserer Abfahrt erhalten. Meinen
allerbesten Dank. Aber ich bin der Meinung, dass Eure Besorgnis um mich
etwas übertrieben ist. Daß Ihr Euch bei Frau K. erkundigt habt, habe ich
vom Zugführer erfahren. Frau Ewald soll es bloß nicht zu sehr
übertreiben. Lasst Euch nur nicht auch noch verrückt machen. Was wollen
wir denn sagen. Von dem Platz aus, auf dem wir waren, konnte man Tag und
Nacht die Ari hören, oft sehr nahe.
Mein
schlechtes Papier und meine schlechte Schrift bitte ich zu entschuldigen.
Wir sind nur notdürftig untergebracht. Ich habe daher auch nichts
ausgepackt. Auf der Stube sind nur 70 Mann. Damit genug für heute.
Es
grüßt euch sehr herzlich
Euer
Walter
Anbei
4 Luftfeldpostbriefmarken und 2 Paketmarken
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Im
Zeitraum von September bis Dezember 1943 lief die russische Offensive auf
vollen Touren. Im Mittelabschnitt wurde heftigst gekämpft und im Dezember
wurde Smolensk von den Russen endgültig eingenommen. Zwar
rochierte die Feldwerft einige Male zwischen Minsk und Smolensk
hin und her, Ende November 1943 wurde sie nach Minsk
zurückverlegt. Die rote Linie zeigt die von Russland diktierten
Frontverläufe. Erstaunlicherweise hielt die Front um Leningrad. Die Stadt
war über 900 Tage belagert.

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Smolensk
heute
Bericht
von Kriegberichter Bernd E.H. Overhues
(Originaltext
"Die Wehrmacht")
Als
wir im Rundfunk die Sondermeldungen von der Beendigung der Schlacht im
Raume von Smolensk hören, sind wir - es ist der 6. August -
wieder bei der motorisierten Infanterie-Division, mit der wir am 16. Juli
in Smolensk eindrangen. Die Aufklärungsabteilung dieser Division hatte am
äußersten südöstlichen Rande dieses vielgenannten Kessels ihren
Gefechtsstand bezogen. Sechs Sicherungen hielten an diesem Kesselabschnitt
den Ring um den eingeschlossenen Feind. Sie wehrten Tag und Nacht die
ununterbrochenen Ausbruchs- versuche der Bolschewisten in diesem
Kampfabschnitt erfolgreich ab und machten täglich mehr und mehr
Gefangene. Die Kämpfe im Kessel von Smolensk sind zum Abschluß gekommen.
Sie waren hart, verbissen und blutig. Blutig vor allem für die Sowjets.
Doch zeigen auch die frischen Gräber mit dem Kreuz und dem grauen
Stahlhelm, wo so mancher tapfere deutsche Soldat den ewigen Schlaf in
russischer Erde schläft.
Als
der Ring um die feindlichen Divisionen im Raume von Smolensk
geschlossen war, setzte die Sowjetführung alles auf eine Karte, um die
Umklammerung zu durchbrechen. Verbissen spielte sie diese Karte aus. Die
brutalsten Methoden ihrer politischen Kommissare taten das übrige. War
der Sowjetsoldat schon wankelmütig oder im Feuer unserer Maschinengewehre
mürbe geworden, dann zwangen ihn die Kommissare zu hoffnungslosem
Ansturm. Als wir zum ersten Male davon hörten, die Besatzungen
sowjetischer Panzerkampfwagen würden vor dem Angriff von ihren
Kommissaren eingeschlossen, hielten wir das für eine Legende. Im Kessel
von Smolensk haben wir dann solche Panzer, die nur von außen zu
verschließen sind, selbst gesehen. Diese Panzer versuchten vergeblich,
aus den unmöglichsten Situationen heraus, ihrem Schicksal zu entgehen.

Russische
Truppen, die sich ergeben hatten
Drei
Wochen lang wiederholte der Gegner an den verschiedensten Punkten seine
Durchbruchsversuche. Es blieb alles vergebens. Die deutsche Zange hatte zu
fest zugepackt. Sturzkampf-, Kampf- und Zerstörerflugzeuge, Artillerie
und Infanterie verengten den Raum der in der Falle sitzenden Bolschewiken
von Tag zu Tag mehr. Dann kam die Stunde, da der Feind nicht mehr aus noch
ein noch aus wußte. Seine Kolonnen fuhren plan- und ziellos von rechts
nach links, von Nord nach Süd, auseinander und durcheinander. In dieses
Chaos warfen unsere Bomber ihre todbringende Last, dazwischen krepierten
die Granaten unserer Artilleriegeschütze.

Ein
Wirrwarr von Kriegmaterial, das unbrauchbar war
Der
Kommandeur der Aufklärungsabteilung, dessen Männer einen Teil des
Kesselrandes zu halten hatten, führt uns zu seinen tapferen Soldaten, die
in Badehosen am Ufer des Dnjepr die
letzten Tage des russischen Hochsommers nach all den Strapazen in vollen
Zügen auskosten wollen. Der Kommandeur und seine Männer waren auch bei
Dünkirchen dabei. Ein z e h n f a c h e s Dünkirchen, hören wir,
bedeute diese Vernichtung, diese Zahl an Gefangenen, erbeuteten
Fahrzeugen, Geschützen, Panzern, Fähren, Wagen und überhaupt an all
dem, womit keine Divisionen, womit, ganze Armeen ausgerüstet sind.
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Im Kampf um
Smolensk
kamen auch
Frauenbataillone zum Einsatz
links Gefangene
mit ihrem Kommandeur,
die von einem
deutschen Fahrer
ins
Gefangenenlager abtransportiert wurden
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bei
Smolensk
Russland
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05.09.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
05.09.43
Liebe
Eltern!
Wir
haben wieder einmal verlegt und zwar von S. wieder 70 km südlich. Auf
einen großen Flugplatz. Hier haben wir wieder sehr viel Arbeit. Alle
Sorten von Maschinen. Wir haben hier wieder wie in Stalino eine große
Halle. Untergebracht sind wir in einer Baracke. Alle Mann in einem Raum.
Liebe
Eltern, ich wollte zwar schon früher schreiben, aber ich wartete auf Post
von Euch, aber es kam keine. Aus diesem Grund bitte ich
das Ausbleiben der Post zu entschuldigen . Im übrigen weiß ich nicht, was ich schreiben
soll. Hier wird es bereits kalt. Wenn man morgens aufsteht, ist es weiß (Rauhreif).
Damit genug für heute.
Heute
habe ich 100 RM abgeschickt. Mir geht es gut, was ich von Euch auch hoffe.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
P.S.
Liebe Eltern, heute am Sonntag haben wir ein wunderbares Mittagessen
gehabt. Und zwar Hase, Salzkartoffeln und Kompott.
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|
bei
Smolensk
Russland
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08.09.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
08.09.43
Liebe
Eltern!
Habe
Euren Brief vom 29.8. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.
Über
die Kämpfe kann ich nicht viel berichten, denke, Ihr wisst ja besser
darüber Bescheid, wie wir.
Damit
Papa nicht den ganzen d. Tabak von Mama verbraucht, habe ich ein Päckchen
Tabak und ca. 10 Stumpen geschickt. (6.9.) . Lass ihn Dir gut schmecken.
Leider kann ich dir im Augenblick nicht mehr schicken, denn bei uns sieht
es damit auch schlecht aus.
Nun
seid bitte nicht beunruhigt zuhause, wenn Ihr einige Tage keine Post
bekommt, denn wir werden bald wieder verlegen.
Damit
für heute genug.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
|
|
bei
Smolensk
Russland
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14.09.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
14.09.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euren Brief vom 7. d,M. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank.
Wir
sind wieder nach S. zurück verlegt. Jetzt haben wir hier die Werft.
Unsere Unterkunft ist unmittelbar dabei. Die Unterkunft ist gut. Fester
Steinbau. Aber, wie lange werden wir hier wieder bleiben?
Wir
haben am Freitag verlegt und ich fuhr am Sonnabend wieder als Beifahrer im
Büssing 4 Tage weg, um Teile von einem andern Flugplatz zu holen, der
geräumt wird. Es war ca. 160 km südlich, aber gute Straßen.
Dass
mich mein Ing. besucht hat, wundert mich sehr. Nun seid Ihr ja über alles
im genauesten informiert. Damit für heute genug.
Es
grüßt euch sehr herzlich
Euer
Walter
|
|
bei
Smolensk
Russland
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18.09.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
18.09.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief Nr. 6 vom 14.9. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank. So muss es mit der Post jetzt auch nach meiner Ansicht klappen.
Ja,
von Stalino wird nicht mehr viel stehen. Die Stadt ist heute bestimmt nur
noch ein Trümmerfeld. Denn da wo wir planmäßig zurückgehen, steht
nichts mehr. Nicht einmal ein einzelnes Haus. Nichts wie Schutt findet man
mehr. Nur ödes totes Land, das dem Feind auch gar nichts nützen
kann.
Über
die Verhältnisse in Italien sind wir im genauesten orientiert.
Die
doch noch verhältnismäßig gute Birnenernte freut mich. Nur bisher habe
ich nichts davon. Zum Schluss möchte ich noch Papa recht herzlich zu
seinem Geburtstag gratulieren und ihm für die kommende Zeit alles Gute
wünschen.
Auch
habe ich ihm zu seinem Geburtstag ein Paket geschickt. Nur leider etwas zu
früh. Aber Du wirst es auch so noch gern entgegen nehmen. (10 Zigarillos,
1 Paket Tabak, 15 Zigarren, 3 Tuben Zahnpasta). Damit genug für heute.
Es
grüßt Euch sehr herzlich
Euer
Walter.
|
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bei
Smolensk
Russland
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02.10.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
02.10.43
Liebe
Eltern!
Habe
Euch heute ein Paket (Nr. 4) geschickt. Es betrifft in der Hauptsache
Papa. Und zwar ist der Inhalt: 6 Päckchen Tabak, 10 Zigarillos und 4
Tuben Zahnpasta. Ich bitte nur hierzu Mama, mir 2 Päckchen für den
kommenden Urlaub und für schlechte Zeiten aufzuheben. Ich hoffe, dass
Papa hiermit wieder eine Zeit lang auskommt.
Wir
haben jetzt nochmals reichlich Kaufwaren zu kaufen bekommen, da in
Smolensk die Lager geräumt werden mussten. Ich werde euch in nächster
Zeit wieder ein Paket schicken. Damit genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
|
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bei
Smolensk
Russland
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15.10.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
15.10.43
Liebe
Eltern!
Gestern
habe ich Eure beiden Karten vom 5. u. 7.10. und heute Euren Brief Nr. 11
vom 7.10. erhalten, wofür meine besten Dank.
Es
freut mich, dass Euch und unserem Haus nichts passiert ist. Ich hatte die
ganze Zeit schwere Befürchtungen. Hoffentlich folgen nicht noch mehrere
Luftangriffe.
Dass
die Kaufwaren gut angekommen sind, freut mich. Aber warum schreibt Ihr
nicht die Nummer und das Datum dabei?
Nun
hat Karlheinz glücklich Urlaub bekommen.
Habe
die beiden .... erhalten. Zum Abschluss möchte ich Mama noch zum
kommenden Geburtstag gratulieren und alles Gute wünschen.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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20.10.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
20.10.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief vom 12.10. erhalten, wofür meine recht herzlichen Dank.
Der
Angriff auf Frankfurt ist sehr bedauerlich. Das was Du schreibst vom
Osturlauber, mag schon stimmen. Wir sind ja auch froh, dass der Iwan nicht
so gut wirft wie der Tommy.
Habe
Euch heute ein Paket mit 3 Päckchen Tabak und etwas Seife geschickt. Ich
bitte Euch, mir einige Hosenträger zu schicken (mit Bändern).
Gotschlich
ist zur Zeit in Deutschland in einem Lazarett. Er wird an einem Bruch
operiert.
Adresse:
Rus. Laz. Bad ........... Teil Laz. Hauensburg/ K……. Zimmer 23
Macht
bitte Alfred eine Freude durch Brief und vielleicht mit Obst u. etwas
Saft, denn ich habe erst von ihm Kaufwaren bekommen. So z.B. habe ich
heute ein Paket von ihm bekommen mit 600 Zigaretten. Ich werde Dir
natürlich beizeiten etwas schicken. Damit genug für heute.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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24.10.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
24.10.43
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Eure beiden Päckchen Nr. 3 u. 4 vom 6.10. u. 30.9., sie sind
beide sehr gut angekommen. Meinen allerbesten Dank dafür.
Ich
habe heute 2 Päckchen an Papa abgeschickt. Im Päckchen Nr, 7 sind 60
Zigaretten enthalten. Im Päckchen Nr. 8 sind 200 Zigaretten und ca. 10-12
Zigarren. Ich bitte Euch darum, mir 100 Stück davon zurück zu behalten.
Ferner habe ich am 20.10. ein Päckchen (Nr.6) mit 100 Zigaretten
abgeschickt.
Ich
hoffe dass Dir diese Kaufwarensendungen über eine Zeit hinweghelfen
werden.
Hier
ist noch alles beim alten und in bester Ordnung, was ich von Euch auch
hoffe.
Anbei
4 Luftfeldpostmarken und 2 Paketmarken.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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27.10.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
27.10.43
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Euren Brief vom 17. d.M. Meinen allerbesten Dank dafür.
Nun
die Antwort auf Deine Fragen im Brief Nr. 13: Die zwei Winkel sind
natürlich für mich, da ich sehr stark mit Beförderung am 1.11. oder
9.11. rechne. Die übrigen sind für Kameraden. Man bekommt nicht überall
solche Sachen zu kaufen.
Zu
dem Fliegerangriff auf Frankfurt kann ich nicht viel sagen. Aber ich kann
mir ungefähr vorstellen, wie es dort aussieht. Na, ich werde es mir im
nächsten Urlaub ansehen. Mit Drescher, das kann ich eigentlich weniger
verstehen, denn als Mann darf man doch nicht gleich den Kopf verlieren.
Dass ihr jetzt sehr lange arbeiten müsst, kann ich mir denken. Aber auch
dieses ist nur vorübergehend.
Bei
uns ist es im Augenblick ruhig mit Arbeit und Fliegerangriffen. Aber ich
glaube, dies ist nur die Ruhe vor dem Sturm.
Damit
genug für heute.
Ich
hoffe, dass ihr beide Mamas Geburtstag gut verlebt und auch gefeiert habt.
Es
grüßt Euch recht herzlich und hofft, dass Ihr splitterfreie Nächte habt
und gesund und munter seid
Euer
Walter
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Die Vielfalt der
Maschinen war groß
und es
benötigte schon sehr großer Erfahrung |
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bei
Smolensk
Russland
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31.10.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
31.10.43
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Euren Brief Nr. 14 vom 20.10., wofür meinen herzlichsten
Dank.
Zu
Eurer Frage, ob wir im nächsten Winter im Einsatz sind oder ob ich zu
einem anderen Truppenteil versetzt werde, möchte ich Euch antworten. Im
Winter werden wir nach wie vor im Einsatz bleiben. Aber es besteht
immerhin die Möglichkeit, dass wir bei genug kritischer Lage, wie es oft
hier zur Zeit ist, einmal im Erdkampf eingesetzt werden.
Zur
zweiten Frage "besteht die Möglichkeit, dass ich versetzt werde":
Und
zwar habe ich mich mit 12 Mann zusammen zum fliegenden Personal gemeldet.
Diesem
meinem Entschluss liegen verschieden Gründe vor.
1.
besteht hier überhaupt keine Beförderungsmöglichkeit. Was Dir in dieser
Hinsicht Ing. K. erzählt hat, ist mir unerklärlich. Wenn wirklich mal
einer zum Uffz.-Lg. geschickt wird, dann hat er mindestens 3 - 4
Dienstjahre. Und dazu muss man noch ein ¼ jährige Frontbewährung machen
(in der HKL).
2.
Wird bei uns, gegen andere Einheiten, die Arbeit überhaupt nicht
anerkannt. Man arbeitet von morgens bis abends und dann wird man auch noch
angeschissen. Zur Zeit hat Gottschlich mit 3 Kameraden, die zusammen mit in
Wiesbaden waren, am 1.9. das K.V.K. II. Klasse bekommen. Außerdem wurden
sie planmäßig zu Obergefreiten befördert. Und bei uns haben jetzt diese
Auszeichnung noch 7 Mann, obwohl alle schon über 2 Jahre hier draußen im
Einsatz sind.
3.
Wird bei uns alle Schlag der Einheitsführer gewechselt, könnt Ihr Euch
auch denken.
4.
Dauert der Krieg bestimmt noch eine ganze Zeit und ich möchte nicht ewig
diese Arbeit machen.
Aus
diesen Gründen werdet Ihr mein Melden zum Fliegenden verstehen. Bis ich
dies endgültig bin, dauert das auch eine Zeit. Ich muss zunächst nach
Deutschland auf Schule. Die Ausbildung dauert ca. ein ¼ - ½ Jahr. Und
bis wir hier wegkommen, wird noch eine Zeit dauern. Nun damit genug -
abwarten!
Mit
Heinz Willi Weil ist sehr bedauerlich. Aber, wo ist er gestorben?
Bei
uns ist noch alles in Ordnung, hoffentlich bei euch auch.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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02.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
02.11.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief Nr. 15 vom 25.10. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank. Es freut mich, dass das Paket mit den Kaufsachen gut angekommen ist.
Was
habt Ihr nur für eine Angst vor der L-Feldeinheit. Diese befindet sich
doch in der Auflösung. Und ein dortiger Einsatz kommt nur in den
äußersten Fällen vor.
Schicke
Euch hiermit 20 RM mit. Werde Hampel noch etwas mitgeben. Aber allzu viel
kann ich im Augenblick nicht abtreten, da ich durch die größeren
Marketenderwaren sehr geschröpft bin.
Der
wiederholte Angriff auf Frankfurt ist sehr bedauerlich. Aber ich hoffe, in
Aussicht der neuen Waffen der Luftwaffe, dass dem Engländer bald das
Gehirn ausgebombt wird. Bei uns ist alles in Ordnung.
Walter
Hampel fährt in den nächsten Tagen auf Urlaub. Dann werde ich ihm eine
Kiste mit Zigarren und 100 Zigaretten mitgeben. Die Zigaretten gehen
wieder halbe-halbe. Die Zigarren sind eigentlich für Weihnachten
bestimmt.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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05.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
05.11.43
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Euren Brief Nr. 16 vom 30.10. (abgest. 2.11.). Dass Papa
sofort Alfred geschrieben hat, freut mich. Dass Ihr ihm nichts zukommen
lassen könnt, ist sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern.
Dass
Du abends sehr fertig bist, kann ich mir lebhaft vorstellen. Dass die
Kaufwarensendungen jetzt endlich eintreffen, freut mich. Solange ich über
habe, werde ich Euch mit Kaufwaren versorgen. Beigefügt sind 4
Paketmarken. Aber ich weiß nicht, was Ihr mir schicken sollt. Möglichst
ein Paar Äpfel. Wintersachen benötige ich keine, da ich hier genug
bekomme.
Hampel
fährt hier voraussichtlich am 7.11. ab. Ich habe ihm außer den 41
Zigarren und 100 Zigaretten noch 30 Mark mir gegeben.
Hier ist noch alles in Ordnung. Mit Arbeit geht es. Damit genug.
Es
grüßt euch sehr herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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06.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
06.11.43
Liebe
Eltern!
Da
morgen Walter Hampel in Urlaub fährt, muss ich euch kurz noch einige
Zeilen schreiben und diesem mitgeben.
Euren
Brief Nr. 16 habe ich gestern erhalten und im Brief Nr. 22 beantwortet.
Für
Papa habe ich ihm 41 Zigarren und 50 + 50 = 100 Zigaretten mitgegeben. Die
Zigaretten hatte ich eigentlich für Weihnachten bestimmt. Aber nun konnte
ich sie gerade mitgeben. Und so soll es ein vernünftiges
Weihnachtsgeschenk sein. Ferner habe ich 30 Mark mit beigelegt.
Was
hier los ist und wie es mir geht, könnt Ihr am besten von ihm erfahren.
Damit genug für heute.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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07.11.1943
Obgfr. M. Gottschlich, Petersberg
Lazarett
Waldschlösschen, 07.11.1943
Liebe
Familie Michel!
Ihren
Brief habe ich dankend gestern erhalten. Ja Sie werden erstaunt gewesen
sein, wie Walter Ihnen meinen Lazarettaufenthalt mitteilte. Aber es ist
nicht so schlimm, denn es war schon ein älteres Leiden, was sich nur in
letzter Zeit arg verschlimmert hatte. Die Operation habe ich nun schon gut
überstanden und darf schon wieder aufstehen, mache nun noch täglich zwei
Liegekuren, da bei größeren Anstrengungen noch Schmerzen auftreten, aber
sonst geht es mir schon wieder sehr gut.
Habe auch schon das Lazarett
wechseln müssen und liege jetzt im Lazarett unmittelbar im Rsgb. in dem
wir aufstehen dürfen. Meinen Eltern und meiner Schwester geht es noch
gut. Sie sind bis jetzt von größeren Fliegerschäden bewahrt worden.
Ja, es ist ein furchtbares Kreuz, oftmals schlimmer als im Osten. Uns alle
bewegt nur der eine Wunsch, dass es recht bald ein Ende nehme.
Sonst
darf ich ja auch annehmen, dass es Ihnen noch gut geht, mit Walter stehe
ich ja noch in laufendem Briefkontakt, ich bedauere nur immer wieder, dass
man uns auseinandergerissen hat. Aber das mit dem Paket ist doch wirklich
nicht nötig. Ich weiß sehr gut, wie wenig ein jeder jetzt hat. Ich hatte
meinen Eltern auch gleich geschrieben, dass ich nichts brauche und dass
ich sogar bei jeder Löhnung einige Kuchenmarken bekomme. Also Sie sehen,
dass für den Soldaten schon gesorgt wird.
Nochmals
für Ihren Brief besten Dank.
Es
grüßt sie vielmals
Alfred
Gottschlich
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bei
Smolensk
Russland
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12.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
12.11.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euer Paket vom 26. d.M. Nr. 7 erhalten. Es ist sehr gut angekommen.
Meinen allerbesten Dank.
Viel
weiß ich nicht zu berichten. Wir haben zur Zeit sehr viel Arbeit. Die
Lage ist sehr ernst. Wir werden wieder bald verlegen. Darum seid nicht
beunruhigt, wenn Ihr mehrere Tage keine Post bekommt.
Wie
ist es eigentlich? Ist der Verpflegungssatz erhöht worden? Damit genug
für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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20.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
20.11.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euer Paket Nr. 8 vom 3. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank. Es kam sehr gut an. Die Handschuhe sind schön und gut. Die Äpfel
schmecken gut und auch sehr. An Wintersachen benötige ich nichts.
Wir
sind noch immer in W. , werden aber nicht sehr lange hier sein. Die
meisten Maschinen sind schon weg. Wir haben fast überhaupt keine Arbeit.
Mich haben sie jetzt zum ersten Wart vom Chef einer Maschine (Fieseler
Storch) gemacht. Bin daher natürlich immer beschäftigt.
Mit
Beförderung wird es möglicherweise erst am 1.12. etwas werden. Wir haben
einen neuen Chef (Olt. Fähner) bekommen. Dieser konnte am 1.11. auch
keine Beförderung aussprechen, da er noch keine 4 Wochen da war.
Was
ist denn eigentlich los? Ich habe die letzten 14 Tage überhaupt keine
Briefpost mehr bekommen. Geht die Post so schlecht? Oder schreibt Ihr
nicht? Damit für heute genug.
Es
grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch alles Gute
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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23.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
23.11.43
Liebe
Eltern!
Habe
vorgestern Eure beiden Briefe Nr. 17 und 18 vom 8. und 14. d.M. erhalten.
Ferner das Päckchen Nr. 9 vom 9. d.M. erhalten. Für alles meine
allerbesten Dank.
Ich
habe heute ein Paket für Weihnachten an Papa abgesandt. Es ist darin
enthalten: 4 ½ Pakete Tabak (325 g, 225 g Krollschnitt, das übrige
Feinschnitt), ca. 75 Zigaretten, 10 Zigarren und 4 Päckchen
Zigarettenpapier.
Nun
zur Beantwortung Eurer Schreiben:
Ihr
habt mein Schreiben vom 31.10. erhalten, ich bin über Eure Antwort
erstaunt. Ob es mir gelingen wird, ist allerdings eine 2. Frage. Herr K.
hat den Brief erhalten. Anmerken hat er sich noch nichts lassen.. Der
Brief, den Papa geschrieben hat, ist richtig. Ganz nach meinem Wunsch.
Damit genug.
Anbei
schicke ich Euch 6 Paketmarken.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Smolensk
Russland
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26.11.1943
Fl.Ing.aK Clemens Kirschner Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Im
Osten, 26.11,43
Sehr
geehrter Herr Michel!
Vor
einigen Tagen erhielt ich Ihre Zeilen. Haben Sie Dank für die offene
Berichterstattung.
Zunächst
will ich Ihnen mitteilen, was Sie am meisten interessieren dürfte. Wenn
die Männer, die sich freiwillig melden, abberufen werden, so haben wir
keine Möglichkeit, die Männer zurück zu halten. Nach meiner Ansicht
werden diese Männer auch irgendwie zum Einsatz kommen.
Wenn
nun dieser oder jener entbehrlich ist, so hat er vielleicht Glück. Mich
hat es geärgert, dass sich der ganze Verein während meiner Kommandierung
meldete. Eine telefonische Rücksprache hätte über manches Klarheit
gebracht. Die Beweggründe zur Meldung waren mir bekannt, auch um die
Beseitigung dieser ungünstigen Umstände setze ich mich dauern ein. Teils
mit mehr, teils mit weniger Erfolg. So hatte ich vor kurzem erreicht, dass
sich jeder freiwillig zum Uffz.-Lehrgang melden könne. Das Ergebnis
dieser freiwilligen Meldungen war erschütternd. Es meldete sich sage und
schreibe ein (1) Mann.
Bei
solchen Ergebnissen könnte man verzweifeln. Meine Behauptung war vorher,
es würden sich mindestens 10 Mann melden. Zuvor hatte man mir immer die
Ohren vorgeheult. Die Sache mit der Frontbewährung in der HKL stimmt
nicht. Durch die gegebene Kriegslage hat man solche Lehrgänge
vorübergehend eingesetzt, aber es ist nicht die Regel.
Leider
glückte eine Kommandierung zum Wintersemester 1943 für Walter nicht
mehr. Doch hätte ich ihn zum Wintersemester 1944 bestimmt frei bekommen.
Ich würde lieber 10 Jahre Obergefreiter sein und könnte im Winter
pausieren, als dass ich die Leiden ertragen würde. Mir sind heile Knochen
lieber als große Kriegsauszeichnungen.
Letztenendes
kommt es auf die Leistungen an. Mit Stolz kann ich behaupten, dass mein
Zug einer der besten im Osten eingesetzten Züge ist. Nur wenige meiner
Männer haben eine Kriegsauszeichnung! Der im Kampfe stehende Soldat kann
seine Leistung augenfälliger nachweisen, als der Techniker, der still
seine Pflicht tut. Mit seinen Leistungen macht man auch nicht gern
Geschrei und Reklame machen, wir sollen kämpfen wenn es sein muss und
ansonsten still und leise unsere Pflicht erfüllen, damit unsere Wehrmacht
den Endsieg erringen kann.
Der
letzte Abteilungsführerwechsel war für die ganze Abteilung nur ein
Vorteil. Ein Wechsel ist für mich viel unangenehmer als für den
einzelnen Mann. Es geht ja schlecht, an jeden Landser meine Sorgen
mitzuteilen. Leider muss man bei einem Haufen von 70 bis 80 Mann immer mal
mit dem Knüppel dazwischen schlagen. Mir wäre es viel lieber, es gäbe
keine Drückeberger und jeder würde so arbeiten, wie es sich gehört.
Dann könnte man manches überflüssiges Aufsichtpersonal einsparen. Es
gibt eben im Leben nicht nur Engel. Ein Schlechter versaut mehr, als 10 Gute
aufbauen können.
Im
Radio hörte ich eben die erschütternde Nachricht von einem erneuten
-angriff auf Frankfurt. Ich hoffe, Sie sind ohne Schaden zu nehmen mit dem
Leben davon gekommen. Jetzt wartet man voll banger Sorgen auf die Post der
Lieben. Möge bald die Vergeltung kommen, damit man die Heimat in
Sicherheit weiß.
Im
Glauben an den Endsieg grüße ich Sie auch und allerbester Dank nochmals
für Ihre Zeilen.
Heil
Hitler!
Ihr
Clemens Kirschner
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bei
Smolensk
Russland
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29.11.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
29.11.43
Liebe
Eltern!
Da
ich wieder 7 Tage keine Post von Euch erhalten habe, musste ich schreiben.
Die Postverbindung hier nach W. ist sehr schlecht. Für Papa habe ich am.
25.11. ein Päckchen mit 60 franz. Zigaretten und heute eines mit 14
französischen Zigaretten und 3 Zigarillos losgeschickt.
Mit
unserer Verlegung zieht es sich noch einige Tage hin. Unser Stab und 2.
Zug hat bereits verlegt. Unser Zug ist nur noch hier als Nachkommando.
Viel haben wir nicht zu tun.
Die
Wetterlage ist für die Jahreszeit noch gut. Bisher haben wir schon 15 -
20 cm Schnee, aber vom Winter abgesehen, ist es noch mild (0° bis - 2°).
Ich habe durch den Rundfunk erfahren, dass wieder ein schwerer Angriff auf
Frankfurt war. Was ist dort wieder passiert? Hoffentlich nichts bei Euch
zu Hause! Damit Schluss für heute.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
P.S.
Karlheinz ist nur 14 km von uns entfernt. Leider können wir uns nicht
treffen!
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Smolensk
wird geräumt - zurück bleiben zerstörte Häuser,
Fabriken,
Brücken, Eisenbahngleise und Rollbahnen
Die
Taktik der "verbrannten Erde" wurde auf beiden Seiten angewandt,
um den Gegner am schnellen Nachrücken zu hindern und ihm jede
Unterkunftsmöglichkeit zu nehmen. Vielfach wandte sich diese Taktik auch
gegen die eigenen Truppen, die bei Offensiven ebenso behindert waren. In
allen Teilen Europas erlebten die wenigen verblieben Bürger, dass ihre
Städte mehrmals den Besitzer wechselte. Die Sinnlosigkeit des Krieges
kannte keine Grenzen.
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Sprengbomben
warten darauf,
"scharf"
gemacht und gezündet zu werden |
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Eisenbahngleise
werden
in kurzen
Abständen gesprengt
rechts:
Die Rollbahnen
des Fugplatzes Smolensk
werden zur
Sprengung vorbereitet |
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bei
Minsk
Weißrussland
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03.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
03.12.43
Liebe
Eltern!
Wir
sind jetzt endlich auf Verlegung. Wohin es geht, ist noch nicht genau
raus. Auf alle Fälle kommen wir ein schönes Stück zurück. Ich fahre
allerdings nicht mit dem Auto, sondern ich fliege mit dem Storch. Wir
konnten nicht bis zum vorläufigen Ziel durchfliegen, da es das Wetter
nicht zuließ. So warten wir hier im Osten halt zuerst ab und warten auf
besser Wetter. Damit genug für heute.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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05.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
05.12.43
Liebe
Eltern!
Nachdem
wir am Freitag einen Pausentag durch schlechtes Wetter einlegen mussten,
sind wir am Samstag bei gutem Wetter weiter geflogen. Nach einer Flugzeit
von 2 Stunden und 25 Minuten (insgesamt sind wir 280 km in 2 3/4 Stunden
geflogen) hatten wir unser Ziel erreicht.. Ca. 230 Km hinter Minsk (der
Heimat zu).
Hier
sind wir ca. 250 km hinter der HKL. Aber dafür in Bandengebieten.
Hier
auf dem Platz ist überhaupt nichts los. Auch nicht mal eine Halle ist da.
Was wir hier machen sollen, ist einfach rätselhaft. Furchtbar eng
zusammen. Gegen unseren letzten Platz ist das ein schlechter Tausch.
Wollen wir abwarten, was kommt. Damit genug für heute.
Schreibt
bitte, wie lange dieser Brief unterwegs war. Eigentlich soll unsere ganze
Post mit der Maschine transportiert werden.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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06.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
6.12.43
Liebe
Eltern!
Heute
ist hier bei uns Walter Hampel eingetroffen. Ich habe jetzt durch ihn das
Paket wie auch den Brief mit Geld erhalten. Hierfür meine allerbesten
Dank. Das Paket mit Obst und Stollen ist sehr schön. Zu Deinem Brief ist
nicht viel zu sagen. Über die Schäden hat mich Hampel eingehend
unterrichtet. Auch über das, über was Ihr Euch mit ihm unterhalten habt.
Die
Spielzeuge, wenn sie anderweitig gut gebraucht werden, könnt ihr ruhig
weiter geben. Auch andere Sachen wie z.B. Spielsachen - außer
Metallbaukästen - könnt Ihr weitergeben. Sonst habe ich im Augenblick
nichts Beunruhigendes.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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08.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
08.12.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euren Brief Nr. 21 vom 26.11. mit Nasenschützer erhalten, wofür
meine allerbesten Dank. Dass die Zigarren gerade im rechten Augenblick
angekommen sind, kann ich mir denken. Hoffentlich haben sie Papa gut
geschmeckt. Ich werde in den nächsten Tagen wieder 8 Zigarren und einen
Film schicken.
Gestern
Abend sind wir wieder von Bergung zurück gekommen. Es war eine schwere
Arbeit. Wir waren 2 Tage unterwegs. Die Maschine lag in der Nähe von Schinsk.
Es sind ungefähr 50 km zu fahren gewesen. Durch die ständigen
Schneeverwehungen wird eine solche Fahrt furchtbar erschwert. Auf der
Rückfahrt sind wir unterwegs im Schnee stecken geblieben. Sonst gibt es
nichts neues.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
|
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bei
Minsk
Weißrussland
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09.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
09.12.43
Liebe
Eltern!
Nachdem
wir uns hier ungefähr in unser neues Quartier zurecht gefunden haben,
möchte ich Euch einen kurzen Bericht geben. Wir wohnen hier in einem
Dorf. Sind einquartiert bei Russen. In jedem Haus 6 - 10 Mann. Ich wohne
zur Zeit mit 8 Mann zusammen bei einem alten Ehepaar. Alles in einem Raum.
Wir 8 schlafen auf dem Fußboden (auf Stroh). Der Mann im Bett, die Frau
auf dem Herd. Es ist furchtbar eng. Der Raum ist nur 7 - 8 m groß. Die nötigen Haustiere
werden hier auch versorgt.
Technische
Arbeit haben wir zur Zeit keine. Wir bauen uns eine große Baracke in der
Nähe des Flugplatzes, damit wir eine vernünftige Unterkunft bekommen.
Der Flugplatz wird noch ausgebaut. Das dauert noch einige Zeit.
Anbei
schicke ich Euch noch 3 Luftfeldpostbriefmarken.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
|
|
bei
Minsk
Weißrussland
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11.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
11.12.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief vom 4. d.M. erhalten. Wofür meinen allerbesten Dank. Es
freut mich, dass das Paket Nr. 8 angekommen ist. Jetzt fehlen noch die
Luftsendungen Nr. 7 und 9 bis 11.
Mit
der Beförderung ist bis jetzt noch nichts raus. Allerdings ist der
Abteilungsbefehl von diesem Monat noch nicht raus. An das fliegende Personal glaube ich bald nicht mehr, denn man hört nichts mehr.
Über
Walter Bingemer bin ich erstaunt. Aber dies sind ja andere Verhältnisse
wie bei mir. Bei uns gibt es zur Zeit nichts Neues.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
|
|
bei
Minsk
Weißrussland
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14.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
14.12.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief vom 1.12. und 23.11. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank.
Der
Brief Nr. 20 vom 23.11. ist bereits veraltet. Hampel ist bereits wieder da.
Das Geld habe ich von ihm erhalten, ebenfalls das Paket. Ferner haben wir
uns über alles unterhalten.
Der
andere Brief Nr. 22 vom 1.12. ist auch bereits reichlich veraltet. Mit der
Post hoffe ich, dass es jetzt besser klappt. Aber ich nehme an, dass wir
nicht mehr allzu lange hier sind, denn gewisse Anzeichen dazu haben wir
dafür.
Dass
in Frankreich kein Frontgeld mehr gilt, habe ich zur Kenntnis genommen.
Über Fritz bin ich erstaunt. Ich werde ihm Weihnachtsgrüße zukommen
lassen. Über Karlheinz und Alfred bin ich genau unterrichtet.
Dass
das Paket Nr. 9 gut und schnell angekommen ist, freut mich. Aber über das
2. Päckchen Nr. 7 vom 24.11. habe ich noch keine Bestätigung. Ich glaube
es waren ca. 100 Zigaretten drin. Damit genug für heute. Bei uns ist noch
alles in Ordnung.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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17.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
17.12.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief vom 10. d.M. erhalten, wofür meine allerbesten Dank.
Winter haben wir hier auch. Aber es ist noch nicht toll. Wir haben hier
sehr wenig Schnee. Auch haben wir nur wenige Grad C unter 0.
Über
Hermann bin ich erstaunt, dass er gerade an Weinachten zuhause ist. Dies
Glück habe ich bisher noch nicht. Aber weit bin ich vom Urlaub nicht mehr
entfernt. Daher bitt ich Euch im neuen Jahr vorerst kein Paket mehr zu
schicken.
Ferner
habe ich heute Euer Paket vom 23.11. erhalten. Meinen allerbesten Dank
hierfür. Es kam sehr gut an. Und die Äpfel und das übrige habe ich mich
gefreut.
Hier
gehrt es immer seine alten Trott. Aber Gott sei Dank habe ich mit
Holzfällen und Buddeln nichts zu tun, denn ich habe ja immer am Storch zu
tun.
Ich
bitte Euch, im nächsten Brief, wenn es möglich ist, mir zwei
Tätigkeitsabzeichen zu schicken (das eine gewöhnlich, das andere mit
einer Goldkordel). Ferner mir 2 ½ m Goldkordel zu schicken. Damit genug.
Es
grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch "Frohe Weihnacht"
und ein glückliches "Neues Jahr".
Wollen
wir hoffen dies uns mehr Glück bringt.
Euer
Walter
|
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Der
Fieseler Storch des Einheitsführers wurde stets gut bewacht |
, |
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bei
Minsk
Weißrussland
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18.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
18.12.43
Liebe
Eltern!
Heute
wurde mit Wirkung vom 1.12. meine Beförderung zum Obergefreiten
ausgesprochen. Damit habe ich es endlich erreicht.
Ich
bitte euch, aus diesem Anlass mir meine Steuerkarte zu schicken. Diese
wird für den Gehalt benötigt. Ferner bitte ich Euch, die Nummer und
Anschrift meines Sparbuches anzugeben. Wegen der Gehaltsüberweisung.
Diese beträgt soweit mir bekannt ist 75,50 RM monatlich. Damit genug
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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23.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
23.12.43
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Luftfeldpostbrief vom 15. d.M. erhalten, wofür meinen
allerbesten Dank.
Heute
haben wir einen Tag vor Weihnachten. Ich möchte Euch daher noch einmal
schreiben. Es ist die dritte Weihnacht, die wir nicht zusammen sind.
Hoffentlich ist die vierte anders.
Wir
werden morgen Weihnachten feiern. Wie diese natürlich unter Soldaten
gefeiert wird, besonders wenn es eine vernünftige Marketenderware gerade
gab, kann sich Papa ja bestimmt vorstellen.
Ferner
habe ich eich zu berichten, dass das Paket von Onkel Fritz gut angekommen
ist. Außerdem ist das Paket von Heinrich Wörner gut angekommen. Es war
drin: Ein Kuchen (ca. 250-300 g), Schachspiel, Fußpuder, Tabletten gegen
Husten und Hals, Hansaplast, Briefpapier und ein Buch. War der Firma
anzuerkennen.
Anbei
6 Luftfeldpostmarken.
Der
Winter ist bis jetzt noch nicht toll. Wir haben Schnee (ca. 20 - 25 cm)
und 5 bis 10 ° unter O. Damit genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich und wünscht euch ein gutes "Neues
Jahr" .
Hoffentlich
bringt es uns mehr Glück
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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27.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
27.12.43
Liebe
Eltern!
Habe
gestern Euren Brief Nr. 19 vom 19.11. erhalten. Er hat scheinbar lange
irgendwo gelegen. Meinen besten Dank. Der Brief ist zwar schon sehr
veraltet, denn Hampel ist schon wieder 3 Wochen aus dem Urlaub zurück.
Aber sag bloß mal, wie viel Bäume willst du noch in den kleinen Garten
pflanzen? Ich schätze, wenn Du noch Gemüse ziehen willst, musst Du
diesen bald vergrößern.
Die
Feiertage haben wir gut und ruhig verlebt, hoffentlich Ihr auch. Am 24.
hatten wir noch eine Weihnachtsfeier. Anschließend vernünftiges Essen.
Und darauf Geschenkverteilung durch den Weihnachtsmann. (dies machte der
spieß). Es hat gegeben 2 Fl. Sekt, 320 Zigaretten, 5 Zigarillos, 2 Pakete
Tabak, 1 Tafel Schokolade, 10 Rollen Drops, Briefpapier, Tube Zahnpasta,
10 Rasierklingen, 1 Paar ...., 20 Schachtel Streichhölzer und ca. 2 Pfund
Lebkuchen. Dann feierten wir auf Stube bis 24 Uhr. Am 1. Feiertag hatten
wir dienstfrei.
Nun
habe ich geschrieben, wie es hier war. Aber, wie war es bei Euch? Habt Ihr
mit Bekannten wieder zusammen gefeiert? Nun damit genug für heute.
Es
grüßt Eich recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Minsk
Weißrussland
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30.12.1943
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
30.12.43
Liebe
Eltern!
Gestern
erhielt ich noch ein Weihnachtspaket von Euch, vom 30.11.. Meinen
allerbesten Dank. Es kam sehr gut an. Kuchen und Gebäck schmeckt einfach
prima.
Ferner
erhielt ich heute Euren langersehnten Brief vom 2.. d.M. (Nr. 27). Meinen
allerbesten Dank. Vor allem freut es mich, dass Euch und dem hause nichts
passiert ist. Auf diese Nachricht, was in Frankfurt passiert ist, waren
wir alle drei sehr gespannt wie ein Regenschirm. Dass die Schäden sehr
groß sind und das Unheil, das angerichtet wurde, furchtbar war, glaube
ich gern. Es gibt einfach nichts furchtbareres als Fliegerbomben, dies
haben wir hier schon sehr oft festgestellt. Selbst Artillerie ist nicht so
schlimm. Dies stellte ich fest, als uns diese in Witebsk mehrmals
beharkte.
Wir
sind daher hier froh, dass wir im Augenblick Ruhe haben. Aber wie lange
wird dies sein? Ich bin ja mal gespannt, was von Frankfurt noch steht,
wenn ich demnächst auf Urlaub komme. Dann können wir uns über alles
auch mal wieder richtig aussprechen.
Wollen
wir hoffen, dass es auch weiterhin gut für uns abgeht. Anbei noch 4
Luftfeldpostbriefmarken.
Bei
uns gibt es zur Zeit nichts Neues. Alles unverändert. Morgen ist
Silvester. Da wird wieder mal bei uns ordentlich gefeiert. "Prost
Neujahr!" Damit genug für heute.
Es
grüßt euch recht herzlich und wünscht euch alles Gute und viel
Glück
Euer
Walter
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1944
Am
14. Januar begann der sowjetische Angriff auf den deutschen
Belagerungsring um Leningrad. 900 Tage hatte die Stadt ausgeharrt
und konnte nur im Winter über den zugefrorenen Ladogasee mit Nachschub
versorgt werden. Die Sowjets setzten nach: ihre Frühjahrsoffensive
brachte weitere Gebietsgewinne, und die Wehrmacht musste sich weiter
zurückziehen bis zum Peipus-See. Hitler befahl wie Stalin zu Beginn des
Krieges die Taktik der verbrannten Erde, durch die den Sowjets keine
kriegswichtigen Einrichtungen hinterlassen werden sollte.
Vom
9. April an konzentrierten sich die sowjetischen Anstrengungen auf die
Rückeroberung der Halbinsel Krim, die am 12. Mai wieder fest in
sowjetischer Hand war. Die deutschen und rumänischen Einheiten retteten
sich großenteils über das Schwarze Meer.
Nach
einer kurzen Ruhephase während der schlammigen Frühjahrszeit griffen die
Rotarmisten im Juni wieder an. Am 9. Juni begann die Offensive an der
finnischen Front auf der karelischen Landenge. Ende Juni kam dieser
Angriff auf Höhe der alten Grenze von 1940 zum Stehen.
Ziel
der Sowjets war die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte. Am 23. Juni (Operation
Bagration) brachen die Angreifer durch die Verteidigungsfront
und kesselten große deutsche Verbände bei Witebsk und Bobruisk ein. Am
29. Juni kapitulierten diese Truppen, worauf die Heeresgruppe Mitte
praktisch aufgelöst war und die Rote Armee bis kurz vor Warschau und an
die Grenzen von Ostpreußen vorstoßen konnte. Diese Niederlage der
Deutschen Wehrmacht war verheerender und folgenreicher als die Schlacht um
Stalingrad eineinhalb Jahre vorher: denn die Wehrmacht verlor mehr
Soldaten (schätzungsweise 500.000 Tote und 400.000 Gefangene) und Gerät,
die ganze Ostfront geriet ins Wanken.
Am
3. Juli eroberte die Rote Armee Minsk zurück und kesselte die Reste der
deutschen 4. Armee ein, die bald kapitulierte. Weiter südlich drang ab
dem 13. Juli in Galizien eine weitere sowjetische Offensive bis Lemberg
zur Weichsel vor.
Am
20. Juli 1944 versuchten deutsche Widerständler im Hauptquartier in
Ostpreußen ein Attentat auf Hitler, das aber ebenso scheitert wie der
anschließende Versuch eines Staatsstreiches in Berlin. Die Attentäter
wurden hingerichtet.
Am
1. August begann der Warschauer Aufstand der Polnischen Heimatarmee. Die
traditionelle Sicht der sowjetischen Haltung zu diesem Aufstand (die unter
anderem von Churchill selbst vermittelt wurde) wirft Stalins Regierung
vor, mit Absicht die Zerschlagung des Aufstands durch die Wehrmacht nicht
verhindert zu haben um antikommunistische Kräfte zu schwächen.
Demgegenüber weist etwa der britische Historiker Richard Overy (Russlands
Krieg. Rowohlt 2003. ISBN 349805032X) jüngst darauf hin, dass die
Möglichkeiten der Roten Armee zu diesem Zeitpunkt (nach einer
umfangreichen und raumgreifenden Offensive gegen die Heeresgruppe Mitte)
begrenzt waren, Entlastungsangriffe am deutschen Widerstand scheiterten
und die polnische Heimatarmee es ablehnte ihre Aktivitäten mit
sowjetischen und polnisch-kommunistischen Einheiten zu koordinieren.
Mit
dem Beginn der Operation Jassy-Kischinew im August marschierte die Rote
Armee in Rumänien ein und vernichtete die (neue) deutsche 6. Armee bei Chisina(u. Am 23. August wechselte König Michael von Rumänien die
Fronten und erklärte Deutschland den Krieg. Die Erfolge der Sowjets
zwangen die Wehrmacht zum Rückzug aus Griechenland, am 13. Oktober
rückten britische Einheiten in Athen ein.
Am
5. September nahm die Rote Armee Bulgarien ein; dort inszenierten die
Sowjets am 9. September einen kommunistischen Staatsstreich und
marschierten am 19. September in Sofia ein. Ein weiterer Verbündeter
Deutschlands fiel an diesem 19. September weg, als Finnland einen
Waffenstillstand mit der Sowjetunion schloss.
Am
20. Oktober eroberten sowjetische Einheiten und jugoslawische Partisanen
unter Tito die Hauptstadt Belgrad und zwangen die deutsche Heeresgruppe E
zum Rückzug bis zur Drina.
Im
Norden zog sich die Heeresgruppe Nord am 13. Oktober aus Riga nach
Kurland
zurück. Ab dem 20. Oktober, als die Rote Armee zur Mündung der Memel
vorstieß, war sie vom Rest der Ostfront abgeschnitten, konnte aber von
der Roten Armee in zahlreichen Kämpfen nicht vernichtet werden.
Auch
in Ostpreußen kam die Offensive der Sowjets im Oktober nach anfänglichen
Erfolgen zum Erliegen. Punktuell konnte die Wehrmacht Boden gutmachen.
In
der ungarischen Hauptstadt Budapest wurden am 24. Dezember 70.000 deutsche
und ungarische Soldaten eingeschlossen, die Stadt konnte am 11. Februar
1945 von der Roten Armee eingenommen werden.
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bei
Minsk
Weißrussland
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02.01.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
02.01.44
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Euren Brief vom 26.12., wofür meinen allerbesten Dank. Nun
schreiben wir 1944. Wieder liegt ein Jahr schweren Kampfes hinter uns. Was
wird uns dieses Jahr bringen? Hoffentlich den lang ersehnten Frieden!
Wir
haben hier auch wieder sehr schön und gut Neujahr gefeiert. Wir hatten
vor allem Ruhe. Hoffentlich hattet Ihr das auch!
Dass
Ihr den Heiligabend zu viert gut verlebt habt, freut mich. Was das
Hauptgespräch war, habe ich mir schon gedacht. Auch bei uns wurde
darüber gesprochen. Dies könnt Ihr Euch wohl denken, zumal wir
verschieden Familienväter unter uns haben. Man verbringt natürlich nicht
den ganzen Abend damit, denn dann gäbe es überhaupt keine Stimmung.
Dass
Ihr Euch gegenseitig kleine Geschenke machen konntet, freut mich. Bei uns
ist alles unverändert.
Es
grüßt Euch recht herzlich und wünscht euch alles Gute
Euer
Walter
Auch
soll ich Euch Grüße von Walter Hampel ausrichten
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bei
Minsk
Weißrussland
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04.01.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland
04.01.44
Liebe
Eltern!
Gestern
erhielt ich Eure beiden Briefe Nr. 26 und 29 vom 21.12. (von Mama) und vom
28.12. . Für beide Briefe meinen besten Dank.
Der
Brief von Mama über den Terrorangriff auf Frankfurt ist durch die beiden
letzten Briefe von Papa bereits erledigt. Dass der Brief Nr. 32 vom 14.12.
noch nicht angekommen ist, ist bedauerlich. Ich weiß leider nicht mehr,
was ich darin geschrieben habe. Aber ich hoffe, dass es durch die letzten
Briefe erledigt ist. Aber noch viel mehr würde es mich ärgern, wenn das
Päckchen nicht ankäme. Es ist das Nr. 11 vom 29.11.. Ihr müsst also im
letzten Jahr mit diesem 11 Päckchen erhalten haben (das heißt, von
meinem Urlaub ab).
Die
Schnur und die beiden Abzeichen sind richtig. Hier bei uns herrscht im
Moment Tauwetter und dazu noch starker Wind und Regen. Sonst nichts Neues.
Es
grüßt euch recht herzlich
Euer
Walter
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Rückreise
vom
Heimaturlaub
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08.02.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Insterburg,
08.02.44
Liebe
Eltern!
Bin
hier am Montag kurz nach 13 Uhr gut angekommen. Habe mich dann auf dem
Fliegerhorst gemeldet. Alles gut gegangen. Die Übrigen sind gegen 17 Uhr
eingetroffen. Wir werden voraussichtlich am Mittag im Transport
weiterfahren. Hier in Insterburg merkt man noch nichts, außer den
üblichen Einschränkungen, vom Krieg. Man kann hier noch in Kino und Cafe
gehen ohne durch Alarm gestört zu werden. Das genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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Rückreise
vom
Heimaturlaub
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09.02.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Insterburg,
09.02.44
Liebe
Eltern!
Da
wir heute nun von hier aus losfahren, möchte ich Euch noch die Marken
schicken.
Sonst
habe ich für heute nichts zu berichten.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Polozk
Witebsk
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15.02.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
15.02.44
Liebe
Eltern!
Gestern
Abend bei Dunkelheit kam ich bei meiner Einheit an. In Insterburg
sind wir erst am 11.2. weggefahren. Und waren in nur 22 Stunden in Minsk.
Es war ein Eiltransport mit Kraftfahrzeugen. Von dort sind wir dann zu
unserem Haufen gefahren. Er siegt dort wie Rohloff geschrieben hatte. Wir
wohnen in Russenhäusern. Es geht aber einigermaßen. Auf dem Platz ist
wieder viel Arbeit. Wir haben eine Halle.
Was
ist bei den letzten Angriffen wieder alles passiert? Es ist einfach
furchtbar, kaum ist man von zuhause weg und schon ist wieder der Teufel
dazwischen. Hoffentlich ist zuhause alles gut abgegangen.
Das
Wetter geht einigermaßen. Wir haben einige Grad unter 0. Auch liegt hier
noch Schnee.
Anbei
4 Luftfeldpostbriefmarken und 2 Paketmarken.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Polozk
Witebsk
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17.02.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
17.02.44
Liebe
Eltern,
Heute
erhielt ich euren Brief Nr. 1 vom 8.2., wofür meinen allerbesten Dank. Es
beruhigte mich schon sehr, dass Ihr beim 6. Großangriff gut davon
gekommen seid. Hoffentlich habt Ihr auch beim 7. Glück gehabt.
Liebe
Eltern!
Mit
meinem Urlaub habe ich sehr sehr viel Glück gehabt. Und zwar sind nach
mir noch 5 Mann gefahren. Jetzt soll sogar eine neue Urlaubsregelung
herausgekommen sein, wonach man jetzt nur noch einmal im Jahr in Urlaub
fahren soll. Dies wäre gerade nicht schön. Sonst habe ich heute nichts.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Polozk
Witebsk
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22.02.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
22.02.44
Liebe
Eltern!
Heute
erhielt ich Euren Brief vom 13. , wofür meinen allerbesten Dank. Habe
euch heute ein Paket mit 3 Päckchen Tabak, 4 Zigarren, Zigarettenpapier
und eine Zahnbürste mit einer Tube Zahncreme abgeschickt. Hoffentlich
kommt es an.
Es
freut und beruhigt mich, dass bei Euch zuhause nichts passiert ist. Dass
die Leute immer unsicherer werden, kann ich mir denken. Hoffentlich hat
das alles bald ein Ende. Bei uns gibt es nichts besonderes. Über Alfred
weiß ich bescheid.
Anbei
2 Bilder und ein Negativ, das eine ist auf der Verlegung nach P., das
andere ist an einer Maschine FW 190.
Das
3. ist eine Großbildaufnahme. Genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Polozk
Witebsk
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28.02.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
28.02.44
Liebe
Eltern!
Habe
Euren Brief Nr. 3 vom 18.2. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.
Bei
uns ist es noch einmal Winter geworden. Es sind noch einmal 10 cm Schnee
und nachts ist es 10 - 12 ° unter Null. Am Tag ist es oft sehr schön.
Die Sonne hat schon wieder etwas Kraft.
Hier
auf dem Platz haben wir nicht sehr viel zu tun. Wir sehen es bald wieder
rollen. Hier auf dem Platz ist ein Kino, in das wir jede Woche 2-3 mal
gehen. Ferner haben wir jetzt, wo wenig zu tun ist, 2 x in der Woche
Sport. Dieser besteht aus Fußballspielen. Heute haben wir ein Spiel gegen
den 2. Zug gehabt. 4 zu 5 für uns. Es ging feste zu. Damit für heute
genug.
Es
grüßt Euch herzlich
Euer
Walter
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|
bei
Polozk
Witebsk
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08.03.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
08.03.44
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief Nr. 6 vom 22.3. erhalten, wofür meinen allerbesten
Dank. Zwar habe ich diesen Brief erst mit einem kl. Schreck gelesen. Aber
zum Glück musste ich feststellen, dass ihr noch gut durchgekommen seid.
Hoffentlich steht unser Haus noch und ihr seid gesund, wenn ich wieder in
einem halben Jahr nach Hause komme.
Von
hier ist wenig zu berichten. Der Sturm mit der Arbeit hat wieder
nachgelassen und wir haben wieder unsere normale Arbeitszeit.
Nun
habe ich noch eine Bitte, dass Ihr mir im nächsten Paket ein Schnapsglas
schickt. Damit genug für heute.
Es
grüßt Euch recht herzlich
Euer
Walter
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bei
Polozk
Witebsk
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12.03.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
12.03.44
Liebe
Eltern!
Habe
heute Euren Brief Nr. 7 vom 8.3. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.
Nach
Euren Schilderungen über den Fliegerangriff auf Frankfurt zu folgen, muss
dieser furchtbar gewesen sein. Hoffentlich habt Ihr weiterhin großes
Glück.
Die
Wetterlage ist zur Zeit hier sehr mild. Wir haben regelrechtes Tauwetter.
Arbeit haben wir sehr wenig. Heute, am Sonntag, hatten wir
Heldengedenkfeier mit der Horstkompanie zu feiern. Der Horstkommandeur
hielt eine Ansprache. Er ist von Beruf Pfarrer. Kann daher natürlich gut
reden.
Nun
habe ich Euch wegen dem Füllhalter noch etwas zu schreiben. Schickt
diesen in einem Päckchen an Fritz Schuhmann. Dieser ist vorgestern in
Urlaub gefahren und will mir ein Paket mitbringen. Schickt es aber bald
los, da er nur 14 Tage zuhause ist.
Ferner
bitte ich Euch um ein Schnapsglas, denn unser Glas ist kaputt und aus der
Flasche schmeckt das Zeug nicht so. Damit genug für heute.
Es
grüßt euch recht herzlich und wünscht euch alles Gute
Euer
Walter
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Luftabwehr
in der Heimat
Währenddem
die Soldaten an der Front auf ganz andere Art gefordert wurden, ertrug die
Bevölkerung die immer stärker werdenden Luftangriffe der Alliierten, die
all das wieder zurück zahlten, was die Deutsche Luftwaffe angerichtet
hatte. In den Briefen von Walter Michel ist immer öfters die Sorge um die
Bombenangriffe auf Frankfurt am Main die Rede. Hier muss man sagen, dass
Frankfurt-Fechenheim nur zwei nennenswerte Angriffe zu verzeichnen hatte,
die allerdings auch starke Verwüstungen hinterließen. Über die
Flugleitzentralen hatte dei Bevölkerung jedoch ausreichend Zeit, die
Bunker aufzusuchen.
Für
Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad täglich nach Frankfurt
mussten, war die Situation ungleich gefährlicher, denn sie erreichten
nicht immer den rettenden Schutz. Viele junge Frauen waren zudem in den
Flugüberwachungen beschäftigt, die ständig mit den
Luftbeobachtungsposten, den Flakstellungen und den Jagdflugzeugstaffeln
verbunden waren. Ihre aufopfernde Arbeit wird heute mit keinem Wort mehr
erwähnt. Dennoch konnten alle Flugabwehrmaßnahmen nicht verhindern, dass
dei Bomberverbände ihre Ziele erreichten.
Für
die Frontsoldaten war der Zeitraum zwischen Wehrmachtsbericht und der
nächsten Post aus der Heimat eine bange Hängepartie und Fronturlauber
standen nicht selten vor einem Trümmerhaufen und mussten erst ihre
Angehörigen suchen - wenn sie überhaupt noch lebten.
Die
Fahrt zurück zur Front glich oft einer Fahrt "nach Hause", denn
das wirkliche Zuhause gab es oft nicht mehr.

Flugleitzentrale
zur Organisierung der Fliegerabwehr

Nachtjäger greifen ein
rechts dei Flakabwehr |
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Dennoch
waren die Bombenangriffe wesentlich erfolgreicher als deren Abwehr

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bei
Polozk
Witebsk
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18.03.1944
Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen
Russland,
18.03.44
Liebe
Eltern!
Habe
heute euren Brief vom 13.3. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Ich
bin sehr froh, dass unser Haus wieder in Ordnung ist. Hoffentlich passiert
nichts mehr.
Mit
der Urlaubsfrage hat es sich sehr geändert. Und zwar ist es jetzt auf 7
Monate zurückgesetzt worden. Aber es ist durchaus möglich, dass ich vor
der Zeit zu Hause einige Tage bin. Zu der Frage mit dem Kriegsende kann
ich nur sagen, dass der Zeitpunkt etwas zu früh ist. Schön wäre es,
aber ich glaube nicht daran. Aber mit Bestimmtheit sage ich, dass der
Krieg in diesem Jahr entschieden wird.
Ich
bin sehr erstaunt, dass Du noch gemustert wurdest. Aber es freut mich,
dass Du NK gestellt bist, denn ich wünsche dir nicht, noch zu dieser Zeit
eingezogen zu werden. Dass Hans überhaupt noch einmal nach Frankfurt
gekommen ist, wundert mich.
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