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Vermisst !

Das kurze Leben

des Soldaten Walter Michel

Eine Exkursion in die Vergangenheit

Der sinnlose verbrecherische Tod

Der Russlandfeldzug

Spurensuche zwischen Heiligenbeil und Balga

Fiktiver Abschiedsbrief

Briefe und Schriftwechsel

Gesuch an den russischen Oberst Memenko, Berlin

Schmerzliche Gewissheit und amtliche Benachrichtigung

 

Hinweis

Die Aufzeichnungen und Karten auf dieser Website werden leider von "Militaria-Suchern" benutzt, die nach Kriegsgerät graben. Hierbei werden auch menschliche Überreste und Erkennungsmarken gefunden. Es wäre zur Klärung ungeklärter Kriegs- schicksale gut, wenn der neben stehende Aufruf befolgt würde.

 

An alle Militaria-Sucher im Raum Königsberg: 

 

Gefundene Erkennungsmarken bitte melden!  

Die Telefonnummer des Leiters der Gefallenensucher vom Volksbund lautet 

+7 906 2302651 So können noch Schicksale geklärt werden!

 
Поисковики из Кёнигсберга, сообщайте пожалуйста о своих находках - опознавательные жетоны со всех солдат. До сих пор тысячи числятся пропавшими без вести!  

+7 906 2302651

 

 

 

 

FELDPOST-

Briefe

 

nach

60 Jahren

 

10.01.1942

21.03.1942

15.04.1942

30.11.1942

04.12.1942

16.12.1942

20.12.1942

24.12.1942

 

01.01.1943

15.01.1943

21.01.1943

27.01.1943

04.02.1943

09.02.1943

13.02.1943

27.02.1943

23.03.1943

24.03.1943

27.03.1943

30.03.1943

09.04.1943

18.04.1943

20.04.1943

23.04.1943

26.04.1943

30.04.1943

06.05.1943

09.05.1943

15.05.1943

18.05.1943

23.05.1943

28.05.1943

01.06.1943

05.06.1943

09.06.1943

15.06.1943

12.07.1943

30.07.1943

09.08.1943

14.08.1943

19.08.1943

29.08.1943

05.09.1943

08.09.1943

14.09.1943

18.09.1943

02.10.1943

15.10.1943

20.10.1943

24.10.1943

27.10.1943

31.10.1943

02.11.1943

05.11.1943

06.11.1943

07.11.1943

12.11.1943

20.11.1943

23.11.1943

26.11.1943

29.11.1943

03.12.1943

05.12.1943

06.12.1943

08.12.1943

09.12.1943

11.12.1943

14.12.1943

17.12.1943

18.12.1943

23.12.1943

27.12.1943

30.12.1943

 

02.01.1944

04.01.1944

08.02.1944

09.02.1944

15.02.1944

17.02.1944

22.02.1944

28.02.1944

08.03.1944

12.03.1944

18.03.1944

19.03.1944

24.03.1944

29.03.1944

31.03.1944

05.04.1944

13.04.1944

14.04.1944

16.04.1944

18.04.1944

22.04.1944

25.04.1944

27.04.1944

02.05.1944

09.05.1944

12.05.1944

15.05.1944

18.05.1944

25.05.1944

27.05.1944

02.06.1944

12.06.1944

19.06.1944

30.06.1944

07.07.1944

12.07.1944

20.07.1944

23.07.1944

30.07.1944

03.08.1944

10.08.1944

12.08.1944

19.08.1944

21.08.1944

23.08.1944

27.08.1944

01.09.1944

06.09.1944

13.09.1944

16.09.1944

18.09.1944

21.09.1944

25.09.1944

30.09.1944

01.10.1944

06.10.1944

09.10.1944

11.10.1944

15.10.1944

19.10.1944

21.10.1944

01.11.1944

06.11.1944

12.11.1944

15.11.1944

18.11.1944

26.11.1944

27.11.1944

29.11.1944

03.12.1944

14.12.1944

20.12.1944

26.12.1944

 

27.01.1945

01.02.1945

07.02.1945

15.02.1945

24.02.1945

02.03.1945

03.03.1945

10.03.1945

 

Dann blieben

die Briefe aus!

 

 

Achtung: Besuchen Sie auch KRIEGSBERICHTERSTATTUNG für eine spezielle Heimat-Klientel

 

Eine Exkursion in die Vergangenheit

 

Auf dieser Website möchte ich meine Leser mit einer Sache vertraut machen, die vielleicht etwas seltsam anmutet, aber sie bewegt mich, seitdem ich mich damit befasse. Beim Umzug meiner Eltern fielen mir 2006 mehr als 150 Feldpostbriefe eines nahen Verwandten in die Hände, der mit 18 Jahren zum Militär kam, mit 20 Jahren in den Russland-Feldzug geschickt wurde und im Alter von 23 Jahren wahrscheinlich in der Nähe von Königsberg - genauer gesagt in Groß Hoppenbruch bei Heiligenbeil sein Leben verlor. 

 

EUR 24,80 (D) / EUR 26,10 (A) / CHF 45,70 

ISBN 978-3-939856-48-1 

Das Buch ist erhältlich   

direkt beim Buchverlag König,  

unter klaus.klee@t-online.de  

beim Maintal Tagesanzeiger

im Online-Buchhandel oder beim Buchhändler Ihrer Wahl

 

Zunächst legte ich die Briefe zusammen mit einigen Bildern zur Seite, nahm sie mir aber dann doch vor, weil ich so gar nichts von meinem Verwandten wusste, denn er starb, als ich erst 1 Jahre alt war. Über Walter Michel wurde in unserer Familie nicht viel geredet, denn man vermied das Thema im Beisein seiner Eltern. Mir war nur bekannt, wie sehr sich seine Eltern jahrelang bemühten, etwas über den Verbleib ihres vermissten Sohnes zu erfahren, bis sie über den Vermisstensuchdienst des Roten Kreuzes die Nachricht erhielten, dass ihr Sohn vermutlich in der Nähe von Königsberg Kampfhandlungen zum Opfer fiel. So richtig daran geglaubt haben beide jedoch nicht und hofften bis an ihr Lebensende auf die Rückkehr ihres Sohnes. Die Feldpostbriefe waren für die Eltern die einzigen Lebenszeichen, bis die Kette der Feldpostbriefe am 10. März 1945 plötzlich abriss. Geklärt ist das Schicksal von Walter Michel bis heute definitiv nicht.

 

Walter Michel

geboren am 11.05.1922

vermisst seit März 1945

letzte Feldpost-Nummer 

L 19146 (A) Lg.PA Berlin

 

Die Briefsammlung führte mich zunächst in die Welt der Feldpostbriefe mit ihren Feldpostnummern, die als Vorläufer der Postleitzahlen angesehen werden können. Allerdings sind die zugeordneten Feldpoststellen derart weit von den Orten des Geschehens entfernt, dass ich annehmen muss, dass es sich um den jeweiligen zugewiesenen Heimatstandort der Einheit handeln muss. Die Feldpostnummern ändern sich mit dem Wechsel zu anderen Einheiten, auch wenn der Einsatzort unverändert blieb. Das galt es erst einmal zu klären.

Meine Recherchen führten mich auf die Website Feldpostsammlung, auf der der Aufbau und die Abläufe erklärt sind.

 

Nachdem ich die Briefe geöffnet und geordnet hatte, wollte ich natürlich auch wissen, was es zu berichten gab. Hierbei stieß ich auf ein erhebliches Hindernis - die Sütterlin-Schrift. Außerdem wechselte auch ständig - je nach Einsatzort und Versorgungslage - die Briefunterlage, die im obigen Bild sogar aus einem Stück grauer Pappe bestand. Auch konnte man feststellen, dass für manche Nachricht nur sehr wenig Zeit zur Verfügung stand, weil der Truppentransport gerade auf irgend einem Bahnhof in Russland hielt. Dabei wurde mit allem geschrieben, was man gerade zur Verfügung hatte. Selbst zusammengefaltete Zettel mit der Anschrift auf der Rückseite erreichten - wenn auch erst nach Wochen - ihr Ziel, um den Angehörigen zumindest ein Lebenszeichen zukommen zu lassen. 

 

Aus den Briefen - besonders den Briefen an Weihnachten und an Ostern - geht hervor, wie sehr die Trennung von der Familie schmerzte und wie sich junge Menschen inmitten des irrsinnigen Krieges fühlten, der nie zuende zu gehen schien. Nachdem ich mich in die außergewöhnliche Lektüre vertiefte, passierte etwas ganz seltsames. Über das Geschriebene nahm die Person Walter Michel, die mir bisher absolut fremd war, Gestalt an und ich nehme bis zum heutigen Tag Anteil an seinen Ängsten, Wünschen und Hoffnungen, die über 60 Jahre zurück liegen. Ich versetzte mich in einen jungen Mann, dem man erst die Jugend und dann das Leben raubte, weil er mit Millionen anderer Hoffnungsträger der damaligen Zeit in einen sinnlosen Krieg geschickt wurde. 

 

Aus dem farblosen schwarz/weißen Bild, das ich in Händen hielt, tritt jetzt immer stärker ein junger Mann heraus, der farbig und lebendig zu werden scheint, auch wenn nur noch eine Handvoll Briefe und eine schwer lesbare Handschrift von seinem Leben zeugen.

 

Viele seiner Briefe spiegelten den Angehörigen vor, es sei alles "in bester Ordnung" und "alles gehe seinen normalen Gang". Dabei ging aus den Lageberichten des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) immer wieder hervor, dass die Front stets bedenklich nahe war und die Situationen ganz und gar nicht so harmlos waren, wie er sie in seinen Briefen schilderte. So sollte jedoch den Angehörigen zuhause die Sorge genommen werden. Das Nachhausesenden von Geld, um es aufs Sparbuch einzuzahlen, sollte signalisieren, dass er die Zuversicht eine gute Zeit nach dem Krieg habe. 

Paradox war in jener Zeit, dass sich zuhause die wichtigsten Lebensgüter wegen des Bedarfs an den Fronten immer stärker verknappten, die Frontsoldaten jedoch genau diese Materialien nach Hause schickten. Der Austausch von Päckchen in und aus entlegendsten Winkeln des Kontinents war eine der wichtigsten Brücken zwischen den Angehörigen und den Frontsoldaten, während beide einer ungewissen Zukunft entgegen gingen.

 

Ich veröffentliche die Briefe, damit unsere junge Generation erfährt, was das Leben - das der Großväter oder Urgroßväter - für die damalige Generation bereit hielt und wie dankbar man heute darüber sein muss, dass ein Teil der Menschheit wirklich aus dem Geschehenen gelernt hat. Dies ist umso wichtiger, da heute schon wieder große Kriege auf der Tagesordnung stehen, die ähnliches Leid wie damals über Menschen bringen. Das wird auch dadurch nicht abgemildert, dass diese Kampfhandlungen politisch als Kreuzzüge gegen den Terror getarnt werden. Die Auswirkungen und die Begleiterscheinungen sind für die Betroffenen die gleichen.

 

Sollte es nach so vielen Jahren noch Kameraden von Walter Michel oder deren Angehörige geben, die etwas über den Verbleib und sein Schicksal wissen, dessen letzte Feldpost-Nummer L 19146 (A) Lg.PA Berlin lautete, so würde sich endlich sein Schicksal klären. Dazu gehörten namentlich bekannt Alfred Gottschlich aus Herne, Fritz Schuhmann aus Gotha, Hans Schult aus Harrisleefeld, Gerhard Rohloff, 3 Rossin Post Ducherow, Vorpommern und Gottlob Burckhard aus Neidlingen.

 

Auf der Spurensuche nach Walter Michel konnte über die Zeitzeugen Hermann Lohmann und Karl-Heinz Schmeelke zumindest die Situation sehr plastisch rekonstruiert werden, in der sich Walter Michel in den letzten Tagen seines Lebens befand. Für die großzügige Unterstützung der beiden Herren mit Informationsmaterial bedanke ich mich ganz außerordentlich.

Inzwischen habe ich aus dem Kriegstagebuch von Karl-Heinz Schmeelke eine weitere Dokumentation erstellt, welche die letzten 100 Tage Ostpreußens als Deutsches Gebiet beschreibt. Auch wenn Walter Michel während seiner Zeit in Neutief bei Pillau stationiert war, so war er bereits zu diesem Zeitpunkt dem Kessel von Heiligenbeil sehr nahe. Die von ihm gewarteten Maschinen flogen vorwiegend Verwundete aus und führten Nachschub heran. Die Lage kann ihm nicht verborgen geblieben sein. 

 

Das nebenstehende Logo führt Sie zu den zeitlichen Querinformationen über die Kämpfe in Ostpreußen.

 

Die Feldpostbriefe von Walter Michel wirken auch nach 65 Jahren noch so lebendig, als sei alles erst gestern passiert. Was er in den letzten zwei Wochen seines Lebens erleben musste, ist nicht verbrieft. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass er dafür in Briefen auch keine Worte gefunden hätte, weil es alles sprengte, was er bis dahin erlebte. 

 

 

Der sinnlose, verbrecherische Tod

 

Betrachtungen zur Dokumentation der letzten dreieinhalb Jahre eines jungen Menschen, der für sein Land, für Macht und Reichtum, für Ehre und Stolz verblendeter Politiker völlig unsinnig sterben musste.

 

Auch über 65 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges sind die Wunden noch nicht verheilt, die den Menschen vieler Nationen zugefügt wurden. 50 bis 55 Millionen Menschen fanden in diesem Krieg den Tod. In den betroffenen Ländern rund um den Globus war in diesem Zusammenhang immer wieder von "vaterländischen Kriegen" die Rede, die jede Nation angeblich führte.

 

Was sind das nur für "Vaterländer", die ihre jungen Menschen an der Front und zuhause die Zivilbevölkerungen in sinnlosen Kriegen verheizen? 

  • Wie verhalten sich Menschen, die in solch extremen Situationen versuchen, daraus jeweils das Beste für sich zu machen? 

  • Was macht sie zu Menschen, die plötzlich andere Menschen umbringen? 

  • Wie ertragen sie es, wenn sie nur indirekt mit dem Kampfgeschehen zu tun haben aber dennoch zu Tod und Verderben beitragen? 

  • Wie kommt es, dass sie verwundete Kameraden zurück lassen? 

  • Warum ist es so schwer, später die ungeschminkte Wahrheit über derartige Ereignisse offen zu legen?

Die letzten zwei Fragen sind schnell beantwortet:

 

Es ist die Angst ums eigene Leben und die Scham, dass Andere ihr Leben ließen und man selbst unverschämtes "Glück" hatte.

 

"Das kurze Leben des Obergefreiten Walter Michel", das nachfolgend dokumentiert ist, muss um die Vorgeschichte ergänzt werden, damit begreifbar ist, was wirklich geschah und warum für die Eltern der Schmerz über den Ausgang so unermesslich war.

 

Die Eltern von Walter Michel

 

Walter Michel wurde 1922 in Frankfurt am Main geboren, nachdem zwei Jahre vorher das erste Kind von  Margarethe (30) und Wilhelm Michel (37) die Geburt nicht lange überlebt hatte. Zur gleichen Zeit starb die Schwester von Margarethe bei der Geburt ihres Sohnes. Beides brachte über die Familie großes Leid. 

Dementsprechend umsorgt und behütet wuchs deshalb Walter Michel auf. Seine schulische Ausbildung beendete er 1938 und es deutete alles darauf hin, dass sein Beruf einmal Maschinenbauingenieur sein sollte. Er begann ein berufsvorbereitendes Praktikum bei der Firma Heinrich Wörner in Frankfurt-Fechenheim, als ihn die Einberufung zum Wehrdienst erreichte. 

Nach seiner Grundausbildung wurde er dem technischen Personal der motorisierten leichten Feldwerft I./60 der Luftflotte 60 zugeteilt, in der er umfangreich ausgebildet wurde. Mit dem "Unternehmen Barbarossa" - dem Russlandfeldzug - veränderte sich schlagartig sein Leben und er diente ab Januar 1942 in Solzy/Nowgorod, von wo aus die Städte Leningrad und Moskau bombardiert wurden. Das weitere Geschehen ist nachfolgend beschrieben.

 

Welche Eindrücke erzeugten bei mir welches Bild?

 

Zunächst machten die Feldpostbriefe von Walter Michel auf mich den Eindruck, als handele es sich nicht um Post, die aus der Nähe der Frontlinie kam. Alles drehte sich um Briefe, Päckchen und Pakete, das Wetter, die Arbeit und die Verpflegung. Es roch nach "heiler Welt". Handelte es sich um wahrheitsgetreue Schilderungen oder sollten die Zeilen nur vermitteln "Seht - mir geht es gut"? und "Ich sorge mich um euch". Die Inhalte der Briefe, die er aus der Heimat erhielt, müssen den gleichen Tenor gehabt und darauf abgezielt haben, von den Schwierigkeiten in der Heimat abzulenken. Dort stand die Besorgnis um die Lage an der Front im Vordergrund. Auch hier die Reaktion: "Uns geht es gut" und "wir machen uns Sorgen um dich".

 

War es ein Wechselspiel unterdrückter Wahrheiten, eine Methode, um Hoffnung zu nähren oder einfach nur abhanden gekommener Realitätssinn für die eigene Gefahrensituation? Alles zusammen wird eine Rolle gespielt haben, denn beide Teile hörten ja im Radio gespannt die Wehrmachtsberichte und waren hinlänglich darüber informiert, was an den Fronten und in der Heimat geschah. Auch lernten die Menschen, aus den pathosgeschwängerten Nachrichten die wahren Botschaften herauszufiltern. Zugegeben wurde nur das, was ohnehin bekannt war.

 

Gelegentlich entsteht der Eindruck, dass Briefe auch verschwanden, wenn sie der Zensur zum Opfer fielen. Auch davon ist später noch die Rede. Zumindest durfte nicht alles geschrieben werden, was dem Feind hätte dienen können, wenn er in den Besitz der Feldpost gekommen wäre. Dazu gehören auch Berichte über die physische und psychische Verfassung der Truppe. Es sollte nur das bekannt sein, was das OKW im Rundfunk verbreitete.

 

Genau dieser Überblick fehlte mir bei meiner Aufarbeitung der Feldpostbriefe, weswegen ich mich erst einmal umfangreich über den Russlandfeldzug informierte. Anhand der dort festgehaltenen Daten und Handlungen erkannte ich schnell, wie nahe die Einheit von Walter Michel am jeweiligen Frontgeschehen war. Bei der technischen Betreuung der Kampfgeschwader, zu denen auch das legendäre Kampfgeschwader 55 "Greif" gehörte, war man stets in Frontnähe. Diese Geschwader waren meistens auf Feldflugplätzen stationiert, die nur 15 - 50 km hinter der Front lagen und die häufig mitsamt der angegliederten Feldwerft "verlegt" werden mussten, wenn es die Feindlage erforderte. Es war ein ständiges Rochieren und die Entfernungen, die bei der Verlegung zurückgelegt werden mussten, waren aus Sicherheitsgründen manchmal recht groß.

 

Neben den Alltagsgeschehnissen und den oft mitunter langweilig anmutenden Inhalten der Briefe blitzen immer wieder stark empfundene Erlebnisse auf, bei denen Walter Michel auch mal messerscharf folgerte, was geschehen wird oder was hier oder dort geschehen sein muss. Er hat aber auch einen Blick für die Kultur des Landes und wie der Krieg darauf einwirkte. So berichtet er begeistert über Stalino (heute Donezk) wie von einer Stadt mit südfranzösischem Charakter und einige Wochen später davon, wie es dort nun wahrscheinlich aussehen wird, weil er miterlebte, wie die Deutschen Truppen beim Rückzug die Städte und die Infrastruktur verwüsteten, damit der Feind nichts mehr damit anfangen konnte. Selbst war er aber ebenfalls betroffen, wenn seine Einheit nach eigenen Offensiven wieder an den alten Ort zurückkehrte. Dann stand kein Stein mehr auf dem anderen.

 

Das Ende naht

 

Als die Russen dann um Ostpreußen den Sack zu machten und die Soldaten darüber informiert wurden, wie weit die Amerikaner bereits ins Deutsche Reich eingedrungen waren, war nichts mehr von Zuversicht auf eine gutes Ende zu spüren. Immer öfter schrieb Walter Michel, dass er das, was er sah, nicht in Worte fassen und erst später darüber sprechen könne. Allzu schrecklich werden die Eindrücke gewesen sein, wie wir später noch erkennen müssen. 

 

Zuletzt erfüllte sich seine Hoffnung nicht, dass er als inzwischen qualifizierter Flugzeugmechaniker niemals im sogenannten Erdkampf eingesetzt werden würde. Genährt wurde dies lange Zeit durch die Fürsorge, die sein Flg. Ingenieur dem gesamten Zug zuteil werden ließ. Er verhinderte nicht nur, dass die erfolgssüchtigen jungen Soldaten als Begleitpersonal der Schlachtflugzeuge verheizt wurden, er sorgte bei allen Verlegungen auch immer wieder dafür, dass die Einheit gut am neuen Ort ankam und in keine der berüchtigten Partisanenfallen oder in unvorhergesehene Kampfhandlungen geriet. Bis auf wenige Ausnahmen ist ihm das auch gelungen.

 

Schließlich führte bei diesem Truppenteil die vermeintliche "Sicherheit" vor dem Erdeinsatz in der Hauptkampflinie dazu, dass die jungen Soldaten absolut unbedarft waren, was den soldatischen Fronteinsatz betraf. Als ihre Einheiten dann aufgelöst wurden, nachdem der Sprit ausgegangen war und die letzen Maschinen aus dem Kessel ausgeflogen waren, war der Erdkampfeinsatz unausweichlich gekommen. In den Wirren der letzten Tage musste Walter Michel auf vorgeschobenem Posten mit einer handvoll Kameraden einen kleinen Frontabschnitt halten, dem eine große russische Übermacht gegenüber stand. So war es dann auch der Kampf Mann gegen Mann, den er einfach verlieren musste. Es wird der kurze Moment gewesen sein, in dem man einfach schneller sein muss als der Gegner. Es galt zu töten um nicht selbst getötet zu werden. Hierbei war er vermutlich total überfordert. Bezeichnend ist - wenn man den Schilderungen Glauben schenkt - dass es nicht möglich gewesen sein soll, ihn verletzt aus seiner Lage herauszuholen um ihn verarzten zu lassen. Seine Kameraden müssen wie die Hasen gelaufen sein, um ihr Leben zu retten. Auch beim Tod des Flg. Ing. Kirschner ist davon die Rede, dass er schwerverletzt  zurückgelassen wurde.

 

Benutzten die Augenzeugen in ihren späteren Berichten die hoffnungslose Lage und die Schwere der Verwundung als Ausrede, warum sie den Kameraden ihre Hilfe versagten? Waren sie sich selbst die Nächsten?

 

In Kriegen verändern sich Menschen vornehmlich durch

  • die permanente Angst, 

  • das Gebot, schneller als der Gegner zu sein, 

  • die Eindrücke an der Front infolge von Grausamkeiten, 

  • die permanente Konfrontation mit dem Tod,

  • das Wissen um die fürchterliche Lage zuhause, 

  • schwere Verwundungen mit anschließender Genesung und Wiedereinsatz, 

  • durch die Propaganda, die dazu führt, dass man an eine gerechte Sache glaubt, 

  • das Besitzergreifen bisher unterdrückter Charakterzüge und Abarten, die selbst zu Grausamkeiten verleiten.

Für die Soldaten, die aus dem Krieg zurück kommen - auch in der Folgezeit aus Korea, Vietnam, dem Golfkrieg, aus dem Balkan-Einsatz oder aus Afghanistan - spielt die Entmenschlichung eine große Rolle und es ist für Frontkämpfer schwierig, später wieder ein normales Leben zu führen.

 

Die Dokumentation zeigt gleich mehrere Seiten des Krieges, die am Ende zu einem Ganzen verschmelzen, bei dem die Hinterbliebenen mit all ihren Empfindungen allein gelassen werden. Dies wieder zu thematisieren, das ist mein Anliegen.

 

Klaus Klee

 

 

Ausdehnung des Russlandfeldzuges 

zu Beginn der Feldpostbrief-Dokumentation

 

Zu Beginn des Unternehmens "Barbarossa" war die deutsche Armee praktisch nicht aufzuhalten. Russland hatte die Wehrmacht und die Luftwaffe gehörig unterschätzt. So blieb ihnen nur das mehr oder weniger kontrollierte Zurückweichen. Russland verlegte die gesamte Industrie hinter den Ural, so dass der Wehrmacht nur wenig brauchbare Technik in die Hände fiel. In großen raumgreifenden Bewegungen umschloss die Wehrmacht die russischen Truppenteile und rieb sie in den so gebildeten Kesseln auf. Die Heeresgruppe B wurde in Heeresgruppe Mitte umbenannt und trat  nordöstlich der Pripjet-Sümpfe als größte militärische Gruppe der Front zur Eroberung Moskaus an. Im Südosten strebte die Wehrmacht in Richtung Stalingrad und in die Kalmykensteppe mit der Stoßrichtung Baku bis der Winter die Kampfhandlungen erschwerte. Zu diesem Zeitpunkt war der Höhepunkt erreicht und es sollte mit Ausnahme verschiedener Gegenoffensiven anschließend nur noch rückwärts gehen.

 

Die Luftwaffe befasste sich im Nordosten mit Leningrad und Moskau und ihre Operationsbasen wurden bis in die Nähe von Nowgorod vorverlegt. Infolge der großen Entfernungen nutzte man verlassene russische Flugplätze zur Verlängerung der Operationszeiten der Flugzeuge oder man richtete Feldflugplätze ein. Dort wurde repariert, aufgetankt und aufmunitioniert. Die Unterstützung durch mobile technische Einheiten war dabei unerlässlich. Man stellte Einheiten auf, die man mobile Feldwerften nannte. Eine dieser Einheiten war die leichte motorisierte Feldwerft I./60, die der Luftflotte 60 zugeteilt wurde.

 

Die Stammeinheit war zum Zeitpunkt des Beginns der Feldpostbriefe in Königsberg zuhause. Der Operationsraum jedoch weit davon entfernt. Der Flieger Walter Michel wurde nach Beginn des Russlandfeldzuges nach Solzy / Oblast Nowgorod verlegt.

Die Oblast (Verwaltungsbezirk) liegt auf dem Gebiet der osteuropäischen Ebene südlich von Sankt Petersburg bzw. Leningrad nahe den baltischen Staaten. Sümpfe und hügelige Gegenden prägen das Gebiet, in dem auch der Ilmensee liegt. Im Südosten erstreckt sich die Oblast bis an die Waldaihöhen. Verkehrstechnisch liegt die Oblast gut, die Verbindung Moskau-Sankt Petersburg verläuft quer durch das Gebiet, und es bestehen auch Verbindungen in Richtung Westen (nach Pskow und in die baltischen Staaten) und Süden (Weißrussland).

 

 

 

 

Feldpostbriefe von Walter Michel

 

 

 

Die Sammlung der Feldpostbriefe beginnt am 10.01.1942 in Solzy bei Nowgorod. Auf der unten stehenden Karte markiert die schwarze Linie den Frontverlauf seit Dezember 1941, während die rote Linie die Veränderungen bis Mai 1942 verdeutlicht. Der mit der Fahne markierte Punkt ist Solzy. Hieraus ist ersichtlich, wie nahe der Front sich Walter Michels Einheit befand. Es ist davon auszugehen, dass der Flugplatz Solzy immer wieder Ziel heftiger Luftangriffe war.

 

 

1942

 

Nachdem Hitler im Winter 1941 einen Haltebefehl für alle Kräfte an der Ostfront gegeben hatte, stabilisierte sich die Lage etwas. Die Rote Armee hatte inzwischen gewaltige Kräfte aufgeboten, denen aber eine entscheidende Schwächung der Deutschen noch nicht gelang. Die Schlammzeit im Frühjahr 1942 führte zu einer relativen Ruhe an der Front, da sämtliche motorisierten Kräfte stillstanden. Hitler und das OKW kamen nun zu der Einsicht, dass der Gegner noch lange nicht besiegt sei und man begann Pläne für das weitere Vorgehen im Osten zu entwickeln. Der Plan, eine möglichst defensive Haltung einzuschlagen, wurde bald verworfen; einzig und allein eine weitere Offensive würde die Sowjets weiter schwächen können. Aufgrund des langen Frontverlaufes und wegen der bisherigen hohen personellen und materiellen Verluste der Wehrmacht war an eine Großoffensive, die sich über die gesamte Front erstreckte, nicht zu denken. Während im Bereich Mitte und Nord zur Verteidigung übergegangen wurde, sollte mit allen gepanzerten und motorisierten Kräften die Sommeroffensive mit Stoßrichtung in den Kaukasus durchgeführt werden. Besonders die reichen Ölquellen in dem Gebiet standen dabei im Mittelpunkt der deutschen Offensivbemühungen.

 

In den Frühjahrsschlachten des neuen Jahres konnte am 28. Mai unter enorm hohen Verlusten für die Rote Armee Charkow in einem Vernichtungssieg erobert werden.

 

Nachdem 1941 die Krim bis auf die Halbinsel Kertsch und das Belagerungsgebiet um Sewastopol in deutscher Hand war, sollte 1942 der restliche Raum als Vorbereitung der Offensive in Richtung Kaukasus in Besitz genommen werden. Vorbedingung war die Rückeroberung der Halbinsel Kertsch. Vom 15. bis 21. Mai fanden die Kämpfe ihr Ende. Die Parpatsch-Stellung war durchbrochen worden und Trümmer der zerschlagenen sowjetischen Verbände retteten sich über die Straße von Kertsch auf die Taman-Halbinsel. Insgesamt 170.000 Rotarmisten, etwa 21 Divisionen, gerieten in deutsche Gefangenschaft. 

 

Am 2. Juni begann die eigentliche Schlacht auf der Krim um Sewastopol, dessen Verteidiger sich erbittert wehrten und endete am 5. Juli. Hierbei wurde erstmals Dora, das größte Eisenbahngeschütz aller Zeiten mit einem Kaliber von 80 cm eingesetzt. Die Krim hatte knapp neun Monate lang eine ganze Armee gebunden, auf einem zwar nicht nebensächlichen, doch isolierten Kriegsschauplatz. Propagandistisch wurden mit diesem Sieg sowie der fast gleichzeitigen Einnahme Tobruks in Nordafrika erneut große Hoffnungen in der deutschen Bevölkerung geweckt.

 

Am 21. Juli überschritten deutsche Kräfte den Don, wodurch die ersten Schritte für den Vormarsch auf Stalingrad eingeleitet wurden. Zwei Tage später konnte Rostow am Don erobert werden. Nach der Teilung der Heeresgruppe Süd in die Heeresgruppen A (Generalfeldmar- schall List, ab November unter Generaloberst von Kleist) und B (Generaloberst Freiherr Maximilian von Weichs) begann die Heeresgruppe A am 26. Juli den konzentrischen Vormarsch in Richtung Kaukasus, während die Heeresgruppe B auf die Wegnahme Stalingrads angesetzt wurde. An den Kämpfen im Kaukasus beteiligten sich 20 von den späteren 90 Ostlegionen. Diese Aufstellungen nationaler Minderheiten unter deutschem Kommando waren Ausdruck einer seit dem Winter 1941/42 verstärkten Bemühung, die rein militärische Kriegsführung im Osten mit einer Form politischer Kriegsführung zu verbinden. Der Masseneintritt ehemaliger Rotarmisten in die deutschen Streitkräfte war die Stalin bewusste „Achillessehne“ der russischen Wehrkraft und wird in der Geschichtsschreibung des „Großen Vaterländischen Kriegs“ bis heute gerne übergangen. In der Roten Armee häuften sich Anzeichen von Disziplinlosigkeit, ganze Truppenverbände liefen zu den Deutschen über. Beim Vormarsch wurde von stark antibolschewistischer Einstellung russischer Bevölkerungsteile berichtet.

In dieser Krisensituation befahl Stalin „Rückzugsstimmung der Truppe“ bedingungslos zu unterbinden. Nun entstanden die berüchtigten Sperrverbände des NKWD. Unmittelbar hinter unzuverlässigen Divisionen sollten sie im Fall eines ungeordneten Rückzugs jeden Flüchtenden erschießen.

 

Insgesamt liefen die Operationen, was den Raumgewinn im Kaukasus betrifft, innerhalb weniger Wochen ab. Am 4. August wurde Stawropol eingenommen, am 9. August Krasnodar- und der Kuban überschritten. Den rumänischen Verbündeten gelang es die sowjetische Verteidigung an der Ostküste des Asowschen Meeres von Norden her aufzurollen und die Taman-Halbinsel von „rückwärts“ her zu öffnen. Maikop fiel am 9. August in deutsche Hand und die Zugänge zur Ossetischen- und Grusinischen Heerstraße wurden in Besitz gebracht. Auch das Elbrus-Massiv selbst wurde genommen, am 21. August wehte auf dem 5.633 m hohen Gipfel die Reichskriegsflagge. Ein am 26. August beginnender Angriff auf Tuapse wurde nach zwei Tagen angehalten, dafür wurden am 31. August und am 6. September nach schweren Kämpfen die Hafenstädte Anapa sowie Noworossijsk, wichtigster Stützpunkt der Schwarzmeerflotte, genommen. Im Hochgebirge hatten deutsche Truppen die wichtigsten Passübergänge eingenommen und vorübergehend auf breiter Front nach Süden überschritten – sie standen 20 km vor der Küste des Schwarzen Meeres bei Gudauta. Östlich des Elbrus standen die deutschen und rumänischen Truppen in den Flussabschnitten des Baksan und des Terek bis Naurskaja. Nördlich davon verlor sich die Front an der Kuma, in der Nogajer Steppe und in der Kalmykensteppe.

 

Am 9. September enthob Hitler Feldmarschall List seines Kommandos als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A. Bis zum 22. November 1942 übernahm er die Führung der Heeresgruppe persönlich und beauftragte dann Generaloberst v. Kleist mit dem Oberbefehl. Die Offensivbewegungen der Heeresgruppe waren ohnehin bereits zum Abschluss gekommen, als durch die Einkreisung der 6. Armee bei Stalingrad eine ernste Gefahr für die südlich des Don stehenden Truppen heraufzog. Als die sowjetischen Truppen am 27. Dezember die Stalingrader Front durchstießen, mussten die besetzten Gebiete im Kaukasus von der Heeressgruppe A aufgegeben werden. Die am 31. Dezember eingeleitete Rückzugsbewegung vollzog sich in drei Etappen, wobei der Kuban-Brückenkopf trotz ständiger Einengung bis zum 9. Oktober 1943 behauptet werden konnte.

 

Zeitlich parallel zur Schlacht von Stalingrad fand unter dem Decknamen Operation Mars westlich von Moskau eine weitere Großoffensive gegen die deutsch Front statt. Diese sowjetische Offensive gegen die deutschen Verteidiger unter General Model geriet zu einem solchen Desaster, daß die Sowjets alle Aufzeichnungen darüber unter Verschluß hielten. Daher war diese Schlacht bis zur Veröffentlichung des Historikers David M. Glantz praktisch in Vergessenheit geraten.

 

Von dieser Zeit gibt es von Walter Michel nur wenige Briefe und es ist auch nicht bekannt, welche Dienste er nahe Nowgorod verrichtete. Man kann jedoch davon ausgehen, dass er in seiner Einheit Kraftfahrzeuge und Flugzeuge wartete. Am 29.12.1942 wurde er parallel zur zurückweichenden Front nach Stalino in die Ukraine verlegt.

 

 

Fahrt 

nach Solzy

 

 

10.01.1942    Feldpost-Nr. L 15987    L.G.P.A.: Königsberg 

 

Russland 10.01.42

 

Liebe Eltern!

Heute sind wir den 14. Tag auf der Bahn und immer noch nicht am Ziel. Wir haben bisher über 2500 km zurückgelegt. Kaum Menschen zu sehen. Es ist eine furchtbar langweilige Landschaft und wir sind immer im Güterwagen. Die Fahrt führt uns immer der Front entlang. Wie wir gefahren sind, kann ich Euch erst später einmal schreiben, damit genug.

 

Übrigens habe ich in Nowgorod b. Solzy auch einen Brief von Euch bekommen mit Neujahrsgrüßen. Nun zu Euch. Wie ist es zuhause? Alles noch in Ordnung? Nun muß ich schließen, denn wir fahren weiter.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter.

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

 

21.03.1942     Feldpost-Nr. L 15987(A)    L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 31.03.1942 Brief Nr. 52

 

Liebe Eltern!

Habe vor einigen Tagen Euren Brief vom 9.1. erhalten. Ferner zudem den Luftfeldpostbrief vom 10.3., dieser war nicht abgestempelt, so konnte ich fünf Mark für einen Luftfeldpostbrief bezahlen. Für beide Briefe meinen allerbesten Dank. Über den ersten Brief ist nicht viel zu schreiben, denn er ist sehr sehr veraltet. Pakete habe ich bis jetzt noch nicht erhalten. 

 

Im zweiten Brief seid Ihr der Meinung, dass durch die Kampfhandlungen der Flugbetrieb beeinträchtigt sei, aber dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil, spürbarer als je. Es wird Großeinsatz geflogen. Nach Aussagen der Flugzeugführer sei der Russe schwer im Laufen. Ihr werdet in nächster Zeit im Wehrmachtsbericht hier unsren großen Erfolg feiern. Damit ende ich für heute.

 

Es grüßt Euch herzlich und hofft, dass bei euch alles in bester Ordnung und gesund ist.

Euer Walter

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

15.04.1942 Feldpost-Nr. L 15987(A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 15.04.1942 Brief Nr. 58

 

Liebe Eltern!

Endlich habe ich gestern wieder nach 17 Tagen von Euch die letzte Post und heute wieder die zuerste erhalten. Für beide meinen sehr herzlichen Dank.

 

Erster Brief vom 2. d. M. :

Mit den Russen macht Euch mal keine Kopfschmerzen, denn vielen von uns ist es genauso ergangen. Und von denjenigen, die noch unterwegs sind, müssen auch welche entkommen. War eine Vermutung, die ich heute erhielt vom 10.1.42. Oder sie sind dem Russen in die Hände gefallen. Wir waren schließlich über ¾ - telst eingeschlossen. 

 

Anmerkung:

Mit letzterem Hinweis war der russische Vorstoß über die Waldai-Höhen gemeint, der südlich von Nowgorod durchgeführt wurde.

 

Ferner fragt Ihr wegen Urlaub. Urlaub? Ist bei uns groß geschrieben. Von uns ist bis jetzt noch niemand gefahren. Wie das so weiter gehen soll, ist fraglich. Die Verpflegung geht einigermaßen. Aber nur mit einem großen Nachteil und daher gibts jeden Tag Eintopf.

 

2. Brief vom 9. d.M.:

Mit Rauchereien ist es auch nicht gut für mich. Und von privat zu kaufen ist einfach zu teuer. Zigaretten kosten 30-35 Rpf. Schickt mir bitte Zigarettenpapier. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

 

Geschehen an anderen Frontabschnitten

 

 

Die Kämpfe um Charkow brachten für einige Einheiten Entlastung.

Der Russlandfeldzug war entweder von grenzenlosem Staub

oder knietiefem Schlamm gekennzeichnet

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

30.11.1942 Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg

 

Russland, 30.11.1942 Brief Nr. 36

 

Liebe Eltern!

Habe heute den Brief Nr. 20 vom 22. d. M. erhalten, dafür meinen besten Dank. Ihr schreibt darin, dass Ihr 23 Obstbäume gepflanzt habt; ist das nicht etwas viel?

 

Habe ich heute noch Euer Paket vom 17. d.M. (Nr. 38) erhalten. Meinen besten Dank hierfür. 

Die Hausschuhe sehr gut. Kaffee prima. 

Neues gibt es hier nicht. Alles beim alten.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

04.12.1942 Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg

 

Russland, 4.12.1942

 

Liebe Eltern!

Habe gestern Abend Euren Brief vom 23.11. erhalten, wofür meine besten Dank. Entschuldigt bitte, dass ich euch ganze 10 Tage nicht geschrieben habe. Aber bei uns sind halt die hälfte Leute auf Schulung, sodass die einzigen Leute, die noch da sind, dafür viel Arbeit machen. Ich bin daher abends recht müde, dass ich nicht mehr Luft zum Schreiben habe. 

 

Dass in Stuttgart die Feindflieger waren, habe ich schon im Wehrmachtsbericht gehört. Ihr zuhause auch. Hoffentlich kommt etwas derartiges nicht in Frankfurt vor.

 

Heute sind wir auch durch Flieger überrascht worden, es war 10 Uhr 15. Wir arbeiteten an Maschinen. Auf einmal kommen 6 Flugzeuge im Tiefflug an. (Martin-Bomber und der eiserne Gustav). Ihre Bomben warfen sie auf das Rollfeld, und uns belegten die Kerle mit Bordwaffen. Wir waren im ersten Augenblick sehr überrascht und wussten nicht, was los ist. Aber als wir erst dem ersten Sturm entkamen, in den Gräben, da weinten wir, wie es noch nie der Fall war.

 

Es sind dies nur Augenblicke, aber das lässt uns Deckung suchen, so gut und so schlecht es geht. Unsere Jäger (die ganze Gruppe) starteten sofort im Alarmstart. Und schon nach ca. 20 Minuten wurde gemeldet, dass alle 6 Maschinen abgeschossen sind. Unsere Jäger jagten denen hinterher und am Abend hatte die Gruppe über 20 Abschüsse. Bei uns ist nichts passiert. 

 

Das mit dem Hunger habe ich zur Kenntnis genommen. Ich werde alles versuchen. 

Aber hier, wenn 14 Männer auf der Stube sind, kann man kaum Pakete packen.

Damit für heute genug. Morgen fahre ich auf Bergung. Wir sind ca. 3 Tage weg.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

16.12.1942 Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg

 

Russland, 16.12.1942

 

Liebe Eltern,

Habe gestern Abend Euren Brief Nr. 22 vom 3. d.M. und gestern den Brief vom 1.12. erhalten. Ferner ist heute das nette Weihnachtspaket angekommen. Für alles miteinander meine allerbesten Dank. Über das Paket war ich sehr erstaunt. Ihr habt Euch damit sehr angestrengt. Hoffentlich habt Ihr Euch nicht weh getan. Im übrigen ist das Paket sehr gut angekommen.

 

Nun zum 1. Brief vom 1.12.:

Du schreibst hierin vom Metzger Bingemer mit Schwiegertochter ; so weit ist es doch noch nicht? 

Im übrigen Eure Hinweise und Anleitungen habe ich zur Kenntnis genommen. Ich werde mir die beste Mühe geben.

 

2. Brief vom 3.12.:

Dass meine 80 RM und mein Kaffee gut angekommen ist, freut mich. Onkel Fritz hat mir geschrieben. Ihr schreibt, dass Fräulein L. Ewald sich nach meiner Anschrift erkundigt hätte. Aus welchem Grund kommt sie dazu? Ist sie noch BDM-Führerin?

 

Überraschende Fliegerangriffe hatten wir in der letzten Zeit nicht mehr. Hoffentlich werden wir in Zukunft davon verschont.

Ich bitte Euch, meine gesamte Post jetzt - bis auf weiteres - auf die neue Feldpost-Nr. L 37824(W) zu schicken, da die Truppe den ganzen Winter bei uns bleibt.

 

Mit den aufgegebenen Zigarren muss ich sicher auch noch etwas warten, da uns im Augenblick schlecht geht. Drum es wird an Weihnacht wieder angespart. Damit schließe ich für heute und wünsche Euch ein recht frohes Weihnachtsfest.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

P.S. Zu Weihnachten kann ich Euch wieder nichts schenken.

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

20.12.1942 Feldpost-Nr. L 37824(W) L.G.P.A.: Königsberg

 

Russland, 20.12.1942

 

Liebe Eltern,

Habe heute ein 2. Weihnachtspaket erhalten, wofür meinen besten Dank. Die Zigarettenspitze ist richtig, auch sind die übrigen Sachen zu gebrauchen. Hier ist noch alles beim alten. Das Wetter ist zur Zeit auch sehr mild. Wir haben nur 5-10° kalt. 

 

Morgen früh fahre ich wieder auf Bergung und zwar nach Starija-Rossa.

 

Liebe Eltern, nun möchte ich Euch noch ein recht glückliches "Neues Jahr" wünschen. 

Hoffentlich bringt uns dieses Jahr alles Gute und Frieden!? 

Ihr habt die 2. Weihnachten allein verbracht? Hoffentlich gut.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Solzy

Oblast

Nowgorod

 

 

24.12.1942 Feldpost-Nr. L 15987 L.G.P.A.: Königsberg

 

Russland, 24.12.1942 Brief Nr. ? (nicht mitgezählt)

 

Liebe Eltern,

Da ich gerade heute am "Heiligen Abend" Wache habe, kann ich so richtig über alles nachdenken. Wie schön es war, zuhause zusammen Weihnachten zu feiern. Jetzt seid Ihr die ganzen Weihnachten allein zuhause und ich stehe jetzt im 2. Jahr hier draußen. Hoffentlich sind wir 1943 beisammen. 

 

Wir hier haben es uns auch etwas gemütlich gemacht und eine kleine Feier und ein fröhliches Schneemann bauen auf den Bunkern veranstaltet. Es ist sehr schön. Auch ist für das Nötigste gesorgt. So hat jeder 1 Flasche Branntwein, 1 Flasche Likör, 1 Sekt. Ferner 114 Zigaretten, 7 Zigarren, 12 Zigarillos, 1 Stollen (1 ½ Pfund schwer) und ein Teller Gebäck bekommen. Auch sind ein Teil Beförderungen heraus gekommen. Hierbei war ich endlich auch dabei. Aber trotz allem - Weihnachten zuhause ist doch schöner.

 

Hierzu kommen noch die Pakete von zuhause. Das letzte Paket mit den Handschuhen ist jetzt auch eingetroffen. Für all die schönen Pakete mit dem wertvollen Inhalt meinen allerbesten Dank.

 

An den beiden Feiertagen arbeiten wir bis 13 Uhr. Wir haben sehr viel Arbeit. 

Und zwar stehen wir vor einer Verlegung ins Unbekannte. 

Ich bin zur Zeit bei den Kraftfahrern und helfe mit, die Fahrzeuge in Ordnung zu bringen. 

Vielleicht bleibe ich dabei. 

 

Nun bitte ich Euch aus diesem Grund meine ganze Post nurmehr auf die alte Nummer L 15987 zu schicken.

Damit für heute genug.

 

Es grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch ein glückliches "Neues Jahr"

Euer Walter

 

 

 

Am 27. Dezember 1942 wurde die motorisierte leichte Feldwerft I.60 von Solzy/Nowgorod nach Stalino verlegt und kam am 21. Januar 1943 dort an. Die schwarze Linie zeigt den Frontverlauf Ende Dezember 1942. Die rote Linie verdeutlicht die Geländegewinne der russischen Winteroffensive 1943, wobei Stalino beinahe eingeschlossen worden wäre. Mit der blauen Linie wurde die Fahrtroute gekennzeichnet, die kurz nach unserer Passage teilweise wieder im Feindgebiet lag. Es ist davon auszugehen, dass es auf dem Flugplatz STALINO sehr hektisch zuging, auch wenn Walter Michel stets "Normalität" vermittelte. 

 

 

1943

 

Die Schlacht um Stalingrad markierte einen psychologischen Wendepunkt im Krieg. Ab diesem Zeitpunkt war der Glauben an den „Endsieg“ in der deutschen Bevölkerung kaum noch vorhanden.

Die Stärke der nicht-deutschen Truppen betrug Anfang 1943 rund 176 Verbände mit rund 150.000 Mann. Hinzugekommen waren Anfang 1943 noch zwei Infanteriedivisionen.

 

Auf dem Südflügel entwickelte sich im Raum Charkow-Belgorod die Lage sehr kritisch. Am 9. Februar musste die Gebietshauptstadt Belgorod geräumt werden.

 

Am Morgen des 16. Februar musste die Stadt Charkow aufgegeben werden, um der drohenden Einkesselung zu entgehen – die spektakulärste Niederlage in den Wochen nach Stalingrad. Am 21. Februar begann die deutsche Gegenoffensive. Manstein verfügte lediglich über 354 Panzer, wobei ihm etwa 1.800 sowjetische Panzer gegenüberstanden. Bis zum 5. März wurde das Gebiet bis zum mittleren Donec zurückerobert. Es wurden erhebliche Geländegewinne erzielt, einem völlig irritierten Gegner hohe Verluste beigebracht und wieder eine geschlossene Front hergestellt, wodurch der völlige Zusammenbruch der Ostfront im Frühjahr 1943 verhindert wurde. Charkow wurde am 14. März zurückerobert. 

 

Eine weitere Offensive im Sommer, die Operation Zitadelle, sollte den Frontbalkon bei Kursk ausräumen, musste jedoch auf dem Höhepunkt der Schlacht wegen der Landung der Alliierten auf Sizilien abgebrochen werden. Die Rote Armee konnte die Offensive unter hohen Verlusten zum Stehen bringen (Panzerschlacht bei Kursk, genauer: Prochorowka).

 

Nach mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den folgenden Monaten musste die Wehrmacht an der ganzen Front den Rückzug antreten, wobei auch die Halbinsel Krim bis April 1944 geräumt werden musste. Bis November 1943 war Kiew wieder in der Hand der Sowjets, Deutschland lief Gefahr, seine Verbündeten zu verlieren und in Italien errichteten die Alliierten eine zweite Front.

 

 

Fahrt

von Solzy

nach

Stalino

Donezk

 

 

01.01.1943 Feldpost-Nr. L 15987 L.G.P.A.: Königsberg

 

Russland, 01.01.43

 

Liebe Eltern!

Heute, seitdem wir seit Tagen unterwegs sind, komme ich endlich einmal dazu, euch ein Paar Zeilen zu schreiben. Wir sind auf großer Fahrt. Fahren kreuz und quer. Aber wohin wir fahren, wissen wir nicht. Jetzt sind wir nahe der deutschen Grenze. Wohin wird es gehen? 

 

Seid bitte nicht unglücklich, wenn ich längere Zeit nicht schreibe, denn wir werden noch lange unterwegs sein.

Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

 

 

Auf der Bahn von Solzy (Nowgorod) nach Stalino

Bilder von Walter Michel

 

 

2000 Km auf offenen und in geschlossenen Wagen unterwegs

Die Fahrt wird immer wieder unterbrochen...

...weil die Strecke geräumt werden muss

Sturmgeschütze auf dem Nebengleis

Bahnhof Kursk

Soldatenfriedhof an der Strecke

Fabrikgebäude an der Bahnline

Großstadtbahnhof

Zerstörtes Bahnhofsgebäude in Kramatorskaya

Bahnhofsgebäude Kramatorskaya

Zerstörter Lokschuppen an der Strecke

Bahnhof Slawjansk (heute Slovians´k südl.Isjum)

 

 

 

Die 1. und 3. KG 40 Stalino beginnt am 9.  Januar 1943

von Stalino aus mit ihren Versorgungsflügen nach Stalingrad

 

Die Einheit bestand aus 18 Maschinen des Typs FW 200. Beim ersten Flug transportierte Major Hans-Jürgen Williers 36 Tonnen Versorgungsgüter (Treibstoff, Munition, Verpflegung, Medikamente) in den Kessel und brachte 156 verwundete Soldaten mit zurück. Als der russische Druck auf den Kessel zu stark wurde, wurde die Last mit dem Fallschirm abgeworfen, das in vier Behältern unter den Flügeln angebracht war. Die Flüge wurden später mit dem Zusammenbruch der Versorgung Stalingrads eingestellt. Anschließend wurden 35 Einsätze über der Halbinsel Krim geflogen, ehe die Einheit wieder nach Berlin/Staaken zurückverlegt wurde. Neun Maschinen gingen in Russland verloren.

 

 

Focke-Wulf Langstreckentransporter FW 200

 

 

Ferner waren in Stalino Schlachtflugzeuge vom Typ HE 111 stationiert, die zusammen mit anderen Kampfflugzeugen Stalingrad und andere Frontabschnitte anflogen. Auch dieser Maschinentyp, der in Stalino wartete, war für die motorisierte leichte Feldwerft I./60 völlig neu und verlangte der Wartungstruppe alles ab.

 

 

Schlachtflugzeug HE 111

 

 

Fahrt

von Solzy

nach

Stalino

Donezk

 

 

 

15.01.1943 Feldpost-Nr. L 15987 L.G.P.A.: Königsberg

 

Liebe Eltern!

Heute sind wir glücklich nach dem 19. Tag auf der Bahn und noch immer nicht am Ziel. Zwar ja mehr wir uns der Front näher führen, geht es langsamer. Wir mussten in den letzten Tagen auch öfter auf Bahnhöfen längere Zeit stehen und warten auf Lok.- Wechsel und bis die Strecke frei ist. Zur Zeit stehen wir in einer größeren Industriestadt. Hier ist mir auf einem kleinen Heldenfriedhof in der Stadt ein Name aufgefallen.

 

Schütze Hans Kirchhof

Geb. 31.1.23

Gest. 21.5.42

F.P.N. 42908 D.

 

Sucht bitte im Adressbuch nach, ob dies der Fechenheimer ist. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

 

21.01.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 21.01.1943

 

Liebe Eltern,

Heute sind wir nach 24 Tagen endlich am Ziel angelangt. Dort sind wir mit unserem Stab und den andern Zügen zusammen getroffen. Wir arbeiten zusammen auf einem Platz. Es ist etwas neues:  He 111. Dafür haben wir gute Unterkünfte. Steinbauten. Aber ich glaube, wir bleiben nicht lange hier. 

 

Den Namen Kirchhof fand ich in der Stadt Kromsomskaja. 

Für heute genug. Dass nächste mal schreibe ich mehr von der Fahrt.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

19, 20, 1, 12, 9, 14, 15                 (= STALINO nach durchnummeriertem Alphabet)

 

 

Stalino heißt heute Donezk und liegt in der Ukraine.

 

Die Truppenverlegung erfolgte praktisch von der Grenze zu Estland bis in die Nähe des Schwarzen Meeres.

 

Stalino

Donezk

 

 

27.01.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 27.01.43

 

Liebe Eltern!

Nachdem wir schon eine Woche hier sind, haben wir unsere Unterkünfte wohlig eingerichtet. Wir haben uns Betten und Tische gebaut, sodass es jetzt etwas gemütlicher ist.

 

Die Landschaft hier im Süden ist schöner als im Norden. Das Gelände ist hügelig. Es gibt Berge und Täler. Allerdings Wald gibt es hier fast keinen. Auch die Häuser der Bevölkerung sind besser. Man hat hier Steinhäuser. Die Bevölkerung ist auch freundlicher. Die Felder sehen gepflegt aus. Man findet sogar richtige Obstgärten.

 

Wir waren sehr erstaunt (hatten uns verwundert) als wir her kamen, denn wir dachten nicht daran, dass der Winter hier doch auch sehr kalt ist. Es ist alles mit Schnee bedeckt. In den letzten Tagen hatten wir 30 -37° unter 0.

Arbeit haben wir in Hülle und Fülle, das könnt Ihr Euch ja denken. Die Arbeitszeit ist von 5 Uhr bis 18 Uhr. Dabei sind ½ stunde Mittag. 

Damit für heute genug.

 

Wie ist es zuhause? Hoffentlich alles gesund und munter. 

Wie klappt es mit dem Radio? Ist er fertig. Wie hat Du ihn hingeschickt? 

Und der Füllfederhalter? Wie ist es unterwegs? Über Königsberg oder Breslau?

 

Briefmarken kann ich im Augenblick nicht schicken. 

Wir bekommen zur Zeit nur drei Zigaretten pro Tag. 

Ich habe Euch eine Luftpostmarke und zwei Paketmarken beigelegt. 

 

Nun bitte ich Euch, mir verschiedenes zu schicken. 

Und zwar: 1. Marmelade, 2. Zigarettenmaschine, 3. Wund-Salbe, 4. Russland-Karte,  5. Tinte,  6. Drehbleistift mit Minen 1,2 mm.

Wenn ihr keine zu kaufen bekommt, dann schickt mir Silberdrehstift.

Das wäre für heute alles.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

04.02.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 04.02.43

 

Liebe Eltern!

Seit Tagen wartete ich sehr auf Post von Euch, aber vergebens. Es kommt keine.

 

In diesen ernsten Tagen ist man besonders auf Post eingestellt. Bei uns ist noch alles in bester Ordnung. Wir gehen unserer Arbeit in Ruhe und Frieden nach. Hier haben wir furchtbar viel Arbeit. Es wird gearbeitet von früh morgens bis spät in die Nacht hinein. 

 

Nun zu etwas anderes. Hat Karlheinz B. in der letzten Zeit nach Hause geschrieben. Ich habe sehr lange von ihm wie auch von ..... keine Post mehr erhalten. Wie ist es zuhause. Noch alles in Ordnung. Hoffentlich ja.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

Anbei eine Luftfeldpostmarke

 

 

Stalino

Donezk

 

 

09.02.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 09.02.43

 

Liebe Eltern!

Gestern habe ich Euren Brief Nr. 31 erhalten (vom 29.01.43), wofür meinen allerbesten Dank. Die Briefe Nr. 25-30 sowie die Päckchen Nr. 42-44 habe ich noch nicht erhalten. Hoffe sehr, dass ich sie noch bekomme. Auf die Fahrt noch einmal zurück zu kommen: In den Güterwagen haben wir sehr wenig gefroren, denn wir hatten uns einen Waggon Kohlen mitgenommen. Die Knochen hat sich niemand verfroren.

 

Nun zu Eurem Brief: 

Wir sollten weiter nach Kuban, aber es ging nicht mehr. Im übrigen hat sich die Lage hier gebessert. Der Russe geht weiter zurück. Auch sind von uns wieder Kessel gebildet worden. Ich bin der Meinung, dass in diesem Frühjahr und Sommer hier die Entscheidung fällt. Denn es sind mächtige Verstärkungen eingetroffen. Also hoffen wir das Beste. 

 

Bei uns ist es zur Zeit toll mit Arbeit. Wir stehen um 4 Uhr auf, um 4 Uhr 45 beginnt die Arbeit und endet um 18 Uhr. Oft geht es auch durch bis 22 Uhr. Damit genug für heute. Nun bitte ich euch noch, schickt mir eine neue Taschenlampe; meine ist nämlich bei der Fahrt kaputt gegangen. Damit schließe ich für heute. Hoffentlich geht es Euch noch gut.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

13.02.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 13.02.43

 

Liebe Eltern!

Habe vor einigen Tagen Euere Briefe vom 2.1. und 2.2. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. 

Robert, Wilhelm, Heinrich, Hans, ferner Richard Ewald zur Kenntnis genommen. 

 

Im 2. Brief betrifft Radio: 

Diesen benötige ich im Augenblick nicht, weil wir auf der Stube jetzt einen Lautsprecher haben, der an einem Apparat vom Feldwebel angeschlossen ist (Wehrbetreuungsgerät). Die Lage hier ist immer noch ernst. Aber um uns geht es noch. Im Übrigen werden wir in den nächsten Tagen verlegen. Seid bitte nicht beunruhigt, wenn ich längere Zeit nicht schreibe, aber ich kann nicht. 

Damit genug für heute. Ich hoffe, dass zuhause alles in Ordnung ist.

 

Ich bitte Euch, geht bei Fliegeralarm in den Keller und in Deckung. *

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

 

 *An dieser Stelle ist eine Anmerkung angebracht. 

Am 29.04.2010 wurde ich von einem Leser angesprochen, der berichtete, dass es am 10.02.1943 einen Luftangriff auf den Flugplatz Stalino gab, bei dem es Todesopfer gab. Eines der Opfer war sein Onkel. Auf einem der nachfolgenden Bilder sind die Gräber der Opfer zu sehen. Im Vordergrund ein Kreuz auf dem das Todesdatum 10.02.1943 ersichtlich ist. Nur drei Tage später schrieb Walter Michel an seine Eltern recht belanglose Dinge, wie man oben lesen kann. Kein Wort schrieb er über die Luftangriffe, die sich über den ganzen Tag erstreckten, sicher, weil er seine Eltern nicht beunruhigen wollte. Vielleicht wurde aber auch ein Brief von der Zensur abgefangen. Erst am 15.06.1943 erwähnte er den Tod von Feldwebel Wedler, der am 10.02.43 ums Leben kam. Interessant ist aber der Satz, dass die Einheit in den nächsten Tagen verlegen würde und er längere Zeit nicht schreiben könne. Entweder wurde die Einheit kurzfristig in Sicherheit gebracht oder er war leicht verwundet. Den nächsten Brief schrieb er erst 2 Wochen später. Am Ende des Briefes befand sich allerdings ein Satz, der aus dem erlebten Bombenangriff resultieren könnte und - in Sorge um die Angehörigen - den Luftangriffen der Alliierten im Raum Frankfurt galt.

 

Der Leser dieser Website stellte mir die Abschrift eines Briefes zur Verfügung, aus dem hervorgeht, wie dessen Onkel ums Leben kam und in welcher Gefahr sich auch Walter Michel befand. Im Gegensatz zu den handschriftlichen Briefen von Walter Michel wurde den Angehörigen eine Abschrift in Schreibmaschinenschrift ausgehändigt. Das lässt den Schluss zu, dass eine Zensur im heimatlichen Amt im Kreis Bigge stattgefunden hatte. Vermutlicht handelt es sich um stark reduzierte Schilderungen, um den Grauen des Krieges zu kaschieren und um eine Anreicherung mit Pathos zur Heldenverehrung. Aus dem Brief geht indirekt hervor, dass die zuvor übermittelte amtliche Todesnachricht ebenfalls nicht exakt der Wahrheit entsprach, weil die ganze Wahrheit damals wahrscheinlich nicht ins Bild passte.

 

Hier ist der Text des Briefes:

 

 

 

 

A b s c h r i f t

 

Osten, 1.6.43

 

                                Liebe Familie Spiekermann

 

Ihren Brief, den ich heute erhielt, möchte ich gleich beantworten. Die Annahme der Partei, dass Heinz durch Beschuss vom Flugzeuge aus den Tod erlitt, ist irrig. Ich will versuchen, Ihnen einigermaßen einen Bericht darüber zu geben. Am 10. Februar 1943 hatte der Russe seit 6 Uhr früh fast ununterbrochen mit zahlreichen Bombern angegriffen. Um 13.15 Uhr erfolgte ein besonders heftiger Angriff, der vor allem dem Liegeplatz unserer Staffel galt. Heinz und sein Kamerad Arno waren vor der Unterkunft, vor der sich ein Splittergraben zog, und versuchten die Geräte in Gang zu bekommen. Als die erste Bombe ein Haus nahe unserer Unterkunft zerstörte, sprangen die Beiden, Heinz und Arno, mit noch 20 anderen Kameraden in den Graben. Die zweite Bombe schlug 5 m vor mir ein und ich hatte keine Zeit mehr, in den Graben zu laufen, doch da ich im toten Winkel lag, gingen die Splitter über mich hinweg. Kurz darauf erfolgte ein weiterer Einschlag und als ich mich aufrichtete, sah ich, dass diese Unglücksbombe als Volltreffer direkt in den Graben gehauen war, in dem Heinz und Arno lagen. Sie waren sofort tot. Mit zwei anderen Kameraden habe ich Heinz unter den anderen Toten hervorgezogen und wir konnten ihm leider nur noch die Augen zudrücken. Mit allen militärischen Ehren haben wir die Beiden auf dem Heldenfriedhof von Stalino begraben. Den Stahlhelm, der ihn vielleicht geschützt hätte, wenn er ihn aufgesetzt hätte, und seinen geschnitzten Stock habe ich an das Holzkreuz genagelt. Da Stalino eingeschlossen wurde, mussten wir rausfliegen und sind woanders hingekommen. In Kürze kommen wir wieder nach vorn und es ist selbstverständlich, dass wir einen Blumengruß ihm bringen, wenn wir durch Stalino kommen sollten. 

 

Ich bedauere, dass Sie noch nicht den vollen Geldbetrag erhalten haben, aber es war in den Wirren des Rückzuges schon ein Kunststück, dass wir überhaupt Heinz seine Sachen wegschicken konnten.

 

                                       Es grüßt Sie

                                                    Ihr

                                                      gez. Jochen Matthies

 

 

Beglaubigungsstempel

Datum: 25. August 1943

 

 

 

 

Die Passage mit dem schützenden Stahlhelm dürfte kaum so im Originalbrief gestanden haben, denn die Wartungseinheiten arbeiteten nur mit einfachen Kopfbedeckungen. Hier wurde Logik mit Unwissenheit gepaart zur freien Dichtung, um Erklärungen für den ungeschützten Tod zu finden. Auf dem Bild des gefallenen Wachoffiziers (weiter unten) schmückt ein Stahlhelm das Kreuz, während auf allen anderen Kreuzen keine Stahlhelme zu sehen sind. Der Leser besitzt offensichtlich ebenfalls ein Bild mit Stahlhelm auf dem Kreuz. Es ist davon auszugehen, dass hunderttausende Bilder von Soldatengräbern so dekoriert wurden und es sich ganz selten um authentische Stahlhelme handelte. 

 

Am Ende der "Abschrift" unterliefen der Zensur meiner Meinung nach weitere grobe Fehler, als man die spätere militärische Lage zum Zeitpunkt der Abschrift (Ende August 1943) mit der Schilderung vom 1.6.43 verwob. Die Einheit wurde tatsächlich erst Ende Juli 1943 von Stalino nach Smolensk verlegt. Zu diesem Zeitpunkt bestand kaum mehr die Aussicht, das verlorene Donezbecken noch einmal zurück zu erobern. Es gab also am 1.6.43 noch keinen Grund für derartige Schilderungen und Annahmen. Es handelt sich also um reine Trauer-Prosa. 

 

Die erste russische Offensive im Bereich des Donez-Beckens war nach Berichten des OKW am 23. Februar 43 endgültig gescheitert, weshalb bis Ende Juni 43 in Stalino wieder Normalbetrieb herrschte und die Frontlinie über 120 Kilometer weit weg war. Die Einheit wurde also keineswegs ausgeflogen. Bis auf eine einzige Verlegung benutzte die motorisierte leichte Feldwerft I./60 generell den Straßentransport oder die Bahn. "Ausfliegen" und "Entsatz" stand für Rettung in größter Not sowie wiedererlangte Sicherheit und absolute Kontrolle. Der Kriegsjargon schlug also sogar im Trauerfall durch.

 

Aus heutiger Sicht kann man nur schwer verstehen, dass trauernde Angehörige derart falsch benachrichtigt wurden, zumal die jungen Männer für Volk und Vaterland gefallen sind. Im Trauerfall ist Zensur absolut fehl am Platz. So wird aus einem tristen Friedhof am Flugplatzrand kurzerhand ein "Heldenfriedhof" und man drückte angeblich Augen von Toten zu, die von einem Volltreffer getroffen wahrscheinlich nahezu zur Unkenntlichkeit zugerichtet waren. Man kann nur erahnen, wie realitätsnah der Originalbrief an die Eltern des Toten geschrieben war, wenn man ihn bei der Abschrift derart zensierte und kaschierte. Scheinbar blühte in manchen Schreibstuben der Heimatfront die Phantasie im Dienste des Nationalsozialismus. 

Für die Angehörigen ist diese späte Erkenntnis jetzt sicherlich erschütternd und nur schwer zu verstehen..

 

 

 

 

Bilder von Walter Michel aufgenommen

 

Ju90 und zwei HE 111

 

Ju90 in Wartung

 

Jagdflugzeug vor dem Start

Grab von Wachoffizier Horst Weller

HE 177 Greif bei der Abnahme

 

Lastensegler Gotha Go 242-0

Trümmer eines Jagdflugzeuges Fw 190

 

Zugmaschine und Werkstattwagen

 

Motorwartung eines Kampfflugzeuges

Flieger-AS bei Übernahme der Maschine

Hauptmann Corall

 

 

Stalino

Donezk

 

 

27.02.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 27.02.43

 

Liebe Eltern!

Da ich heute gerade Wache habe, komme ich endlich wieder einmal dazu, zu schreiben. Ich habe zwar am 23.2. einen Brief ohne Luftfeldpost geschrieben, aber den werdet Ihr noch nicht haben, denn in der letzten Zeit wurde nur Luftfeldpost befördert. Die beiden Briefe vom 22.1 und 24.2. habe ich erhalten und im Brief vom 23.2. beantwortet. Für beide Briefe meinen herzlichen Dank. 

 

Hier hat sich die Lage sehr gebessert. Die Eisenbahn ist wieder frei und verkehrt planmäßig. Die Alarmstufen sind ganz aufgehoben. Wir hatten hier sogar nochmal Alarmstufe 3. Die Panzer waren bis 20 km vor der Stadt durchgestoßen. Aber die Luftwaffe zerschlug sie. Jetzt ist die Front wieder 120 - 150 km abgerückt. Natürlich lässt die Arbeit bei uns nicht nach, wir haben mehr zu tun als je. Damit ist mein Bericht zur Lage zu Ende.

 

Wie sieht es zuhause aus mit Luftangriffen? Hoffentlich seid Ihr davon verschont. Aber geht bei Fliegeralarm in Deckung. Denn bei Euch wird rechtzeitig gewarnt. Und es ist nicht überraschend. Damit für heute genug.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

23.03.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 23.03.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute 3 Päckchen Nr. 51, 52 und 53 vom 9.2. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Nach langer Zeit ist endlich das erste Päckchen eingetroffen. Die andern werden hoffentlich auch noch eintreffen. Bei uns ist alles in bester Ordnung.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

24.03.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 24.03.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute Euren Brief vom 16. d.M. erhalten. Ferner habe ich heute einen Brief durch unser Nachkommando vom 27.12.1942 erhalten. Für beide Briefe meinen allerbesten Dank. Weihnachts- und Neujahrsgrüße habe ich von allen Bekannten und Freunden erhalten mit denen ich mich schreibe. Nur von Onkel Reinhardt nicht. Auch hat er mir bis jetzt noch nicht geschrieben. Warum? Weiß ich nicht. Über H. Arnold bin ich informiert. Und kann mir nicht erklären was ein solch festes Verhältnis bedeuten soll.

 

Über das Pakt vom 7.1.43 das zurück gegangen ist, bin ich beruhigt. Es ist glücklicherweise nicht verloren gegangen. 

Du sollst wieder zum Ernährungsamt? Wer weiß, für was es gut ist!? 

 

Ja, das Wetter macht uns Sorgen, denn es will und will nicht Sommer werden. Gerade taut es mittags sehr gut, aber nachts friert es immer noch. Auch pfeift ständig ein sehr scharfer Wind. Unter Fliegerangriffen haben wir jetzt nicht mehr zu leiden. Es ist jetzt gut zu ertragen. Damit für heute genug.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

27.03.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 27.03.43

 

Liebe Eltern!

Habe gestern Euer Päckchen Nr. 50 vom 6.3. mit Druckbleistift und Bonbons erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Es ist sehr gut angekommen. 

 

Liebe Eltern, heute habe ich wieder einmal Wache. Es ist heute ganz gut zu ertragen. Wir haben Windstille und die Sonne scheint. Aber immer noch nicht so warm, dass man den Mantel aus lassen kann.

 

Auf den Brief vom 16.3. zurückzukommen. Soll Papa die alte Rolle im Ernährungsamt wieder übernehmen oder weiter suchen?

Nun habe ich noch eine Bitte an Euch. Und zwar bitte ich Euch, mir im nächsten Brief einige Briefumschläge beizulegen. 

Im Dienst gibt es nichts neues. Auch ist alles in bester Ordnung.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

30.03.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 30.03.43

 

Liebe Eltern,

Habe gestern Euren Brief vom 24. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Ferner habe ich heute Euer Päckchen Nr. 54 vom 11.3. erhalten, auch hierfür meinen allerbesten Dank.

 

Das mit Christine Mi. ist mir wieder ein typischer Fall vom Fechenheimer Bauamt. Größere Sachen zu bauen ohne Baugenehmigung. Wie wird unser neuer Zaun. Wie arbeiten die Belgier? Und von wem und von welchem Unternehmer? Mit Willi Fröhlich ist zwar auch bedauerlich, aber doch noch gut.

 

Mit dem Radio ist weiter nicht schlimm, denn, wie ich Euch schon geschrieben habe, haben wir einen auf der Stube. Die Zigarettenmaschine, wie auch der Druckbleistift ist schön und gut. Die Maschine ist wie die französische. 

Hier ist noch alles beim alten und in bester Ordnung.

 

Nun bitte ich Euch noch, mir Kopierminen 1,2 mm und Klebstoff zu schicken.

Anbei 1 Luftfeldpostmarke.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Wehrmachts-

bericht

vom 7.4.1943

 

 

Das Oberkommando der Wehrmacht berichtete am 7. April 1943 wie folgt: 

(Aus dokumentarischer Sicht wurde der Originaltext belassen, um die damalige offizielle Sicht der Führung zu verdeutlichen)

 

Die Wende des Winterkrieges

 

Als der winterliche Oststurm die Horden der Steppe gegen die deutschen Stellungen im Osten trieb, die deutsche Front am Donbogen eingedrückt und Stalingrad abgeschnitten war, als deutsche Verbände sich planmäßig vom Feinde absetzen mussten und es den Sowjets in der Winterschlacht 1942/43 gelang, an anderen Abschnitten in die deutschen Fronten und Stellungen einzudringen, glaubte der Herr dieser Horden, den entscheidenden Sieg in der Tasche zu haben, und in den Metropolen seiner Hilfsvölker in London und Washington sprach man von der endgültigen Wende des Krieges im Osten. 

 

Mit dem Winteranfang begann dieser Steppensturm. Aber schon acht Wochen später, am 23. Februar, konnte die Führung der Wehrmacht feststellen: In der großen Winterschlacht im Südteil der Ostfront hat der Feind seine weitgesteckten Ziele nicht erreicht; da es ihm nicht gelang, die am Ostrand des Donez-Industriegebietes festgefügte Front der deutschen Truppen zu durchbrechen, versuchte er sie, nordwestlich ausholend, im Rücken zu fassen. Verbände, denen es gelang, in den Rücken der deutschen Front zu kommen, wurden gefaßt, eingeschlossen und vernichtet. Diesem Schicksal erlagen vor allem die sowjetischen Verbände, die aus der Gegend südlich von Charkow gegen den Dnjepr vorgetrieben wurden, also den Verbänden des Feindes, die am weitesten nach Westen gelangt waren, den "Vorposten auf dem Marsch zur Entscheidung". 

 

Die Feststellung des Oberkommandos der Wehrmacht bedeutete keineswegs das Ende der Winterschlacht, und noch nicht einmal ihre Wende. In bisher kaum erlebter Härte gingen die Kämpfe weiter. Aber zunächst war wenigstens an den wichtigsten Teilen der Front der Feind zum Stehen gebracht. Die Menschenwalze aus den Steppen des Ostens hatte Ihre Schwungkraft verloren und war auf eine Bremsbahn gestoßen, hinter der sich ihre endgültigen Ziele in den Schleiern der Schneestürme verloren. Unsere Kartenskizze stellt in großen Zügen den Ablauf der Kämpfe seit dem Fall Stalingrads, also seit Anfang Februar dieses Jahres, dar. Die großen Kampfräume sind, da sich die Feind- und Eigenbewegungen nicht im einzelnen wiedergeben lassen, in Vierecke zusammengefaßt, die ständigen Brennpunkte des Winterkampfes durch Kreise gekennzeichnet. 

 

Wenn man die Skizze vom Süden nach Norden betrachtet, hat man zunächst das Kaukasusgebiet vor sich. Die Pfeile, die die Bewegungen deutscher und feindlicher Kräfte skizzenhaft wiedergeben, zeigen, daß sich die östliche deutsche Kaukasusfront, die rerekfront, planmäßig vom Feinde absetzen konnte und das der Feind den naheliegenden Versuch machte, die sich nach Westen bewegenden deutschen Truppen zu umfassen. Das mißlang. 

 

Die Deutschen bildeten zunächst einen Brückenkopf, der Krasnodar einschloß, gaben die Stadt aber etwa um die Mitte Februar auf, als der Feind mit verstärkten und schwer überlegenen Kräften seine Umfassungsversuche fortsetzte. Es entstand der vielgenannte Kuban- brückenkopf, der die Mündung des Kubans und die Stadt Noworossijsk ausholend umfaßte und den der Feind, nachdem der Wettlauf mit den Deutschen zu seinen Ungunsten geendet hatte, vergeblich von Norden her eindrücken zu können glaubte. Von Süden her hatte er bereits in den Wochen vorher Noworossijsk angegriffen, in dessen Hafen er auch immer wieder ohne Erfolg zu landen versuchte. 

 

Nach dem Einbruch in den Donbogen und der westlichen Bewegung der deutschen Verbände drückte der Feind sowohl frontal wie auch von Süden her (aus dem Kaukasus-Vorgebiet) gegen unsere Fronten. Er erreichte den unteren Don, überschritt ihn, scheiterte jedoch mit jedem Durchbruchsversuch, nachdem die deutschen Verbände sich von dem gefährdeten Rostow abgesetzt und am Mius eine festgefügte Front errichtet hatten. Aber schon Mitte Februar setzten im Raum von Charkow schwungvolle deutsche Gegenstöße ein. Das Gesicht des Winterkampfes begann sich zu ändern. Der Feind setzte an die Stelle des direkten Angriffs und Durchbruchs den Versuch, durch Umfassung zur Entscheidung zu kommen. Die Kämpfe nördlich von Charkow und Kursk hatten zunächst keine andere als diese Bedeutung, und daneben sollte der Druck auf die Räume von Orel, Gchatsk, südlich des Ilmensees, südlich des Ladogasees, vor Leningrad usw. vor allem die Abziehung von Kräften zur Stärkung der deutschen Südfront und der möglichen Umfassungs- und Durchbruchsstellen verhindern. An diesen Brennpunkten (siehe die Kampfräume auf den Karten) kämpften die deutschen Verbände teils elastisch, teils in erbitterter Abwehr. Wie jähe Feuersbrünste loderten die Schlachten in den Räumen von Orel und Kursk, vor dem Ladogasee, bei Staraja Rußja auf, um nach einiger Zeit zu scheinbar ruhiger Glut zuzusammenzusinken und dann wieder emporzuflammen, sich jeweils in den Charakter der Gesamtoperationen der Ostfront fügend. 

 

Dort, wo die deutschen Verbände elastisch kämpften, wurden vor allem ungünstige Frontziehungen (wie die "Grafschaft" von Demjansk) korrigiert. Hier und an anderen Stellen, wie im Raume von Rschew, Sytschewka und Gshatsk, setzten unsere Truppen sich zum Teil sogar ohne Zwang vom Gegner ab. 

Der schwere Druck des Feindes führte am 17. Februar zur Räumung von Charkow, der sowjetischen Hauptstadt der Ukraine. Aber nur scheinbar hatte der Feind hier einen Erfolg erzielt, der ihn der erstrebten Entscheidung näher brachte. 

 

Die deutschen Truppen verstärkten ihre eigenen Angriffe, vor allem am mittleren Donez, im Raum südwestlich von Isjum. Während zwischen Charkow und Kursk der Kampf elastisch weitergeführt wurde, mußte der Feind dem deutschen Gegenstoß im Raum von Isjum nach Norden und Nordwesten ausweichen. 

 

Zum erstenmal wieder konnte der deutsche Wehrmachtsbericht von der Erstürmung verlorengegangener sowjetischer Städte und Ortschaffen im Donezraum berichtenn. So wurden Kramatorskaja und Lossowaja Ende Februar genommen. 

 

Während der Feind Anfang März an der Miusfront wiederum zum Angriff antrat, wurde der deutsche Gegenstoß erfolgreich weitergetragen und weiterer Geländegewinn erzielt, bis in den ersten Märztagen der mittlere Donez wieder deutsche Soldaten und Waffen an seinem Ufer sah. In Richtung Slawjansk und nordwestlich an Charkow vorbei wich der Feind zurück. 

Trotz Schlamm und Regen erreichten die deutschen Verbände auf einer Frontbreite von 250 Kilometer den Donez, nahmen Slawjansk und schlossen die Masse der 3. sowjetischen Panzerarmee südlich Charkow ein. 

 

Damit begann ein Kampfabschnitt, der sogar Charkow selbst wieder in unsere Hand zurückbrachte. Die Eroberung der Städte Walki und Ljubotin sind Stationen unseres Marsches auf Charkow, auf das der Feind am 10. März zurückgedrückt wurde. Am Ende der ersten Märzhälfte drangen deutsche Soldaten in Charkow ein und eroberten es in wenigen Tagen zurück, während westlich Bjelgorod deutsche Truppen auf breiter Front angriffen und trotz heftiger Gegenangriffe Raum gewannen. Das Blatt hatte sich also gewendet, und an großen Teilen der Front, insbesondere der Südfront, war aus der Abwehr ein Angriff geworden. Noch vorhandene Lücken schlossen sich, fester fügten sich unsere Fronten, hinter uns lag die schwere Krise, und als Herren der Lage nahmen wir dem Feind die Initiative aus der Hand. Diese Entwicklung versuchen unsere Karten unter Verzicht auf alle Einzelheiten wiederzugeben.

 

............................. soweit der Bericht es Oberkommandos der Wehrmacht vom 7.4.1943 ..........................

 

Wie man sieht, war Stalino ebenfalls gewaltig in Bedrängnis gekommen. Die Flurzeuginstandhaltungseinheiten waren jedoch gezwungen, die Schlacht- und Kampfflugzeuge aktiv in Frontnähe zu unterstützen und abgestürzte oder notgelandete Maschinen zu bergen und wenn möglich teilweise zu retten. Von alledem berichtete Walter Michel nur sehr zögerlich. Es ist anzunehmen, dass er nur das nach Hause berichtete, was ohnehin durch die Wehrmachtsberichte bekannt wurde. Dass die Winteroffensive nur ein kurzes Zwischenspiel war, belegen die ständigen Verlegungen der Einheit in der Folgezeit nach Westen und Südwesten.

 

 

Stalino

Donezk

 

 

09.04.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 9.4.43

 

Liebe Eltern!

Heute bin ich wieder von großer Fahrt zurück gekommen. Aber als ich nach Hause kam, fand ich leider wieder keine Post vor. 

Da ich nur 5 Tage unterwegs mit dem LKW war. Ich fahre mit als Beifahrer. Wir mussten einen Wagen, der unterwegs war und Motorschaden und Kühlerdefekt hatte, Ersatzteile bringen und reparieren. Er war ca. 30 Km vorn Stalino entfernt. Also nur etwas über 150 km zu fahren. Aber die Straßen! Keine Wege und ....! Denn kurz hinter Stalino hört die Straße auf. Und es ging über Felder und Steppe. Man fährt einfach den Spuren von anderen Fahrzeugen nach. Fahren kann man nur im 1. ab und zu im 2. Gang . Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt ungefähr 20 - 22 km/h. 

 

Unterwegs, nachdem wir ca. 50 km gefahren waren, mussten wir Gleisketten auflegen (Schlamm), damit man überhaupt noch weiter kam. Nachdem wir uns außerdem verfahren hatten, fanden wir endlich gegen Abend den Wagen. Man kann hier wenig fragen. Denn 1. ist nur alle 15 - 20 km ein Dorf, 2. gibt es wenig deutsche Soldaten. 3. wissen noch viel weniger Menschen, wie die Wege verlaufen.

 

Quartier fanden wir sehr schnell bei einem Bauer. Natürlich unter russischen Verhältnissen. Hier haben die Häuser eine Größe von 15 x 5 m. Und das ist noch in drei Teilen unterteilt. Stall, Abstellraum (Futter, Getreide und Essen) und Schlafraum. Im Stall befanden sich 2 Kühe und ca. 15 Hühner. Im Nebenraum schliefen 3 Russen (2 Frauen, 1 Mann) und 3 Kinder. Die Frauen und die Kinder auf dem Herd, der Mann im Bett. Wir haben uns auf den Boden gelegt und darauf gepennt. 

 

In den nächsten Tagen reparierten wir den Wagen und am 5. Tag begann die furchtbare Rückfahrt. Der andere Wagen setzte seine befohlene Fahrt fort. Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

Anbei 2 Paketmarken und 1 Luftfeldpostmarke

Schickt bitte eine Schachtel schwarze Schuhcreme

 

 

Stalino

Donezk

 

 

18.04.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 18.04.43

 

Liebe Eltern,

Habe heute Euch nach Hause auf Feldpostanweisung 150 RM geschickt. Lasst diese bitte auf mein Sparbuch zu schreiben. Ferner habe ich heute ein Päckchen mit 8 Zigarren abgeschickt. Diese habe ich von der Marketenderei gekauft (2 RM). Hoffentlich kommen sie gut an. Sonst alles beim alten.

 

Es grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch "Frohe Ostern"

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

20.04.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 20.04.43

 

Liebe Eltern!

Schicke Euch hiermit ein Paket mit dem Pullover, Nasenschützer, Rasier- und Kernseife, Zahn- und Hautcreme, 2 Filme. Und für Inge ein Päckchen Tabak. Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

23.04.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 23.04.43

 

Liebe Eltern!

Habe gestern Euer großes Paket vom 5. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Es kam sehr gut an. Nun da ich jetzt eine Karte habe, möchte ich Euch endlich einmal unseren Weg nach dem Süden beschreiben.

 

Die Strecke war:

Solzy (bei Nowgorod südlich von Leningrad), Dno, Porchow (heute Burkau), Valka, Riga, Mitau (heute Jelgava), Schaulen (heute Siauliai), Wilna (heute Vilnius), Minsk, Gormel, Brjansk, Charkow (heute Charkiw), Slawiansk, Kramatorowka (heute Kramatosk), Stalino (heute Donezk).

 

Auf der Strecke Brjansk - Charkow wurden wir durch Partisanen beschossen und hatten dadurch einen Verletzten. 

Sonst ging damals alles gut. Hier gibt es nichts neues, alles in bester Ordnung.

 

Sind meine beiden Päckchen und die 150 RM gut angekommen?

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

P.S. Wir haben jetzt herrliches Sommerwetter. Die Sonne brennt herunter. Und wir sind sehr sehr schön braun.

 

 

Stalino

Donezk

 

 

26.04.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 26.04.43

 

Liebe Eltern!

Habe am Ostersonntag das Päckchen Nr. 60 vom 12.4. und am ersten Feiertag den Brief Nr. 42 vom 14.4. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Das Päckchen ist sehr gut angekommen. Mit Luftangriffen ist zu Hause immer das alte Lied. Angriff auf Städte. Hoffentlich bleibt bei Euch alles in bester Ordnung.

 

Liebe Eltern - Ostern! 

Davon hat man hier nicht viel gemerkt. Bei uns hatte die eine Hälfte am 2. Feiertagmittag frei. Ich habe erst heute frei. Am 20. April hatten wir einen ganzen Tag dienstfrei. Daher war ich in Stalino und habe mir die Stadt angesehen. Sonst ist hier noch alles in bester Ordnung.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

30.04.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 30.04.43

 

Liebe Eltern!

Habe gestern Euren Brief Nr. 43 vom 23. d. M. erhalten, wofür meine allerbesten Dank. Besten Dank für Eure Ostergrüße, die ausdrücklich ankamen.

 

Lb. Eltern, 

gestern, den 29.4. habe ich Euch ein Paket geschickt. Und zwar ist darin enthalten: Ein Paar Strümpfe, ein Nasenschützer, ein Paar Pulswärmer, ein Kopfschützer, meine Taschenuhr (die nicht mehr funktioniert. Wenn meine Armbanduhr schon in Ordnung ist, dann schickt mir diese.), 2 Stück Seife, 1 Stück Rasierseife, 8 Zigarren.

 

Wie steht es um die anderen Pakete? Sind die gut angekommen? Und die 150 RM? Hoffentlich kommt alles gut an. 

Ist das Paket mit dem Füllhalter auch schon zurückgekommen? Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

06.05.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 06.05.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute Eure 2 Päckchen (ein großes vom 24.4. und ein kleines vom 19.4.) erhalten, wofür meine allerbesten Dank. Beide sind sehr gut angekommen. Von Onkel Fritz habe ich auch schon mein Geburtstagspaket erhalten. Meine besten Dank für die Geburtstagsgrüße.

Habe Euch am 3.5. wieder 100 RM geschickt. Der Grund für die beiden Geldsendungen ist, dass wir in den letzten Tagen unsere Frontzulagen von Dezember bis jetzt auf einmal ausgezahlt bekommen haben. 

 

Bei uns ist alles noch in bester Ordnung. Nur haben wir furchtbar viel Arbeit. In der Hauptsache motorenmäßig. Aber mein Gebiet!

Wir arbeiten jetzt von 5 Uhr bis abends 16 Uhr. Dabei ist nur eine Stunde Mittag. Es ist dies eine sehr lange Zeit, aber es ist nicht zu ändern, die Maschinen müssen fertig werden. Es ist nur gut, dass wir eine schöne Montagehalle haben, in der man auch an der größten Maschine arbeiten kann. Die Halle ist ca. 3 mal so groß, wie die der Firma Heinrich Wörner. Sechs H 111 haben darin bequem Platz.

 

Das Wetter ist jetzt sehr schön. Sehr warm. Nur ganz anders wie zu hause. Frühling ist es nicht. Genau wie der Übergang von Tag zu Nacht plötzlich vorgeht. Ist die Sonne da, dann ist es gleich drückend heiß. Ist sie weg, ist es gleich wieder kalt. 

 

Heute haben wir unsere Sommeruniformen bekommen. Blaues Leinenzeug. Blauer Grund. Das trägt man nur abends und bei kühlen Tagen. Im allgemeinen wird nur getragen: Lange Hose und Blauhemd (offen getragen). Eine sehr sportliche Uniform.

 

Zum Schluss möchte ich noch Mama zu ihrem kommenden Ehrentag gratulieren und alles gute wünschen.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

15.05.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 15.05.43

 

Liebe Eltern!

 

Habe vorgestern Euren Brief Nr. 45 vom 4. d.M. erhalten, wofür allerbesten Dank. Dass die beiden offenen Päckchen gut angekommen sind, freut mich sehr. Hoffentlich kommen die andern Pakete und das Geld gut an. Im übrigen habe ich bereits wieder ein Paket abgeschickt. Am 14.5. Nr. 12. Es ist darin enthalten: 12 Zigarillos, 2 Zigarren, 2 Päckchen Tabak (allerdings Krullschnitt, wenn Du ihn selber vielleicht nicht magst, kannst Du ihn umtauschen), eine Tube Zahnpasta, ein Stück Feinseife und 10 Rasierklingen. Hoffentlich kommt auch dieses wertvolle Paket gut an. Gebt mir bitte die Nummern der angekommenen Pakete bzw. Päckchen an. Diese Sachen habe ich wieder von der Marketenderei gekauft.

 

Ferner hat es dabei Zigaretten (180 Stück) gegeben, die ich natürlich für mich behalten habe.

 

Die 12 Zigarillos kosten 2,40 RM
2 Päckchen Tabak 1,00 RM
10 Rasierklingen 1,00 RM
1 Tube Zahnpasta 0,70 RM
5,10 RM

 

Also unter uns ist das nicht teuer. Anbei schicke ich eine Luftfeldpostmarke und 2 Paketmarken.

Bei uns gibt es hier nichts Neues. Es geht alles seine alten, gewohnten Gang. Ein Tag wie er andere.

 

Es grüßt Euch herzlich 

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

09.05.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 09.05.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute euren Brief vom 28.4. erhalten. Wofür meine allerbesten Dank. Besonders für die Geburtstagsgrüße.

Mit Geschenke machen, dürft Ihr euch keine Gedanken machen. Wir sind schließlich im 4. Kriegsjahr und man kann nicht mehr wie man gern möchte.

 

Mama wünsche ich nochmals zu ihrem Ehrentag alles Gute. Schicken kann auch ihr ich im Augenblick nichts. 

Hier bei uns ist noch alles in Ordnung. Nur viel Arbeit.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

18.05.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 18.05.43

 

Liebe Eltern!

Habe gestern Euer Päckchen vom 3. d.M. erhalten, wofür meine allerbesten Dank. Das Paket ist sehr gut angekommen. Einmal Pudding habe ich mir davon schon gekocht. Er war sehr gut.

 

Wir machen jetzt alle eine Kur gegen Malaria. Pro Tag eine Tablette ALTROPIN. Die Kur dauert 6 Wochen. 

Ferner wurden wir zwei mal geimpft. Und zwar gegen Typhus und gegen Cholera.

Sonst weiß ich im Augenblick nichts Neues um zu berichten.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

23.05.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 23.05.43

 

Liebe Eltern!

Habe Euren Brief vom 11.5. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Besonders für die Geburtstagsgrüße. Das Paket ist ja rechtzeitig angekommen. Meinen besten Dank. 

 

Den Geburtstag haben wir hier auf der Stube am Abend mit 10 Mann sehr gut verbracht. Ich habe am Nachmittag dienstfrei gehabt. Habe vom Ingenieur eine Flasche Weinbrand bekommen. Ferner gab es an diesem Tag gerade Marketenderware. Genügend Saufwaren (wenige haben auch etwas abbekommen). Ferner bekam ich auch 2 Flaschen Schnaps zusätzlich. Wie dann gefeiert wurde bis 24 Uhr, könnt Ihr euch ja denken.

 

Liebe Eltern!

Jetzt haben wir zur Zeit auf Arbeit etwas Ruhe. Wir haben dafür drei freie Tage zur Erholung und Ausspannung bekommen. Tage der Ruhe. Dienstfrei! Dazu gibt es auch eine Sonderverpflegung. Das, was es sonst in 10 Tagen an Verpflegung gab, gibt es in diesen 3 Tagen. Morgens kann jeder so lange schlafen, wie er will. Mittags fahren Wagen nach Stalino.

 

Zunächst haben wir die Stadt besichtigt. Die Stadt ist überhaupt nicht zerstört. Hier spürt man nichts vom Krieg. Nur das einzige ist, dass jetzt Militär zu sehen ist. Die Stadt zählte im Frieden ca. 750 Tausend Einwohner. Auch jetzt ist noch sehr sehr viel Zivilbevölkerung da. Außerhalb der Stadt befinden sich die großen Fabriken und Zechen (Kohlebergwerke). Rüstungsbetriebe - wofür noch. Und überall wird feste gearbeitet. 

 

Wenn man durch die Straßen von Stalino geht, fühlt man sich fast nicht mehr in Russland. Man könnte annehmen, man sei in einer westlichen Stadt, vielleicht wie in Frankreich. Die Stadt ist überhaupt nach westländischem Muster gebaut. Jetzt fahren wieder Straßenbahn und Trollibus (Elektrischer Autobus). Die Straßenbahn allerdings etwas veraltet, dagegen die Trollibusse neu, aus Deutschland sehr wahrscheinlich.

 

Man kann in Gastwirtschaften gehen, allerdings sehr teuer. Ferner sind hier für Soldaten 3 Kinos, eine "Bunte Bühne", ein Theater und eine Oper. Außerdem schöne große Anlagen, mitten in der Stadt. Am ersten Tag war ich mit ein paar Kameraden erst im Soldatenheim, dort spielte eine Kapelle und ein Ballett machte Vorführungen. Am Abend waren wir in der "Bunten Bühne". Es spielte eine K.D.F.-Gruppe. Es war sehr schön. Es wurde gespielt "Zigeunerliebe" von Franz Lehar.

 

Am nächsten Abend war ich in der Oper, und zwar wurde der "Zigeunerbaron" von Johann Strauss gespielt. Ich war sehr überrascht über die wunderbare Ausstattung der Bühne und die schönen prunkvollen Kostüme. Auch das Gebäude ist innen, wie auch alle Nebenräume gut und prunkvoll ausgebaut. Die Bühne ist sehr groß und drehbar. Das Theater wird schätzungsweise 2000 - 2500 Besucher aufnehmen.

 

 

Nun zum Stück: Die Darsteller - , Sänger und Sängerinnen, Chöre und Kapellen spielten sehr sehr gut. Nur eines ist schade, dass fast alles in ukrainischer Sprache gesprochen und gesungen wird. Das Theater mitsamt Ausstattung und Künstlern kann sich mit den meisten Theatern in Deutschland bestimmt messen.

 

Heute bekam ich einen Brief aus Herne von Gottschlich. Er hat Urlaub. Glück gehabt. Bei uns sieht es noch nicht so gut aus. 

 

Heute am dritten Tag findet zum Abschluss noch ein großer Kameradschaftsabend von unserer Abteilung statt. Es werden von uns zunächst Vorträge sein. Aber dazu kommt noch eine K. D. F.-Gruppe. 

Per Mann sind bereitgestellt: 3 l Bier und je 2 Mann eine Flasche Schnaps. Es wird wieder ein toller Abend. Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

Anbei eine Luftfeldpostbriefmarke.

 

 

 

 

Die Maschinen wurden teilweise in der Halle, aber auch unter freiem Himmel gewartet und repariert.

 

Auf den Bildern sind Arbeiten an Stukas zu sehen, die in den vordersten Kampflinien eine sehr große Rolle spielten.

 

Die Arbeiten waren richtige Knochenarbeiten, denn oft standen kaum Hebezeuge zur Verfügung und ein Motorwechsel war schon eine kräftezehrende Angelegenheit.

 

 

Stalino

Donezk

 

 

28.05.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 28.05.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute Euren Brief Nr. 48 vom 21. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Es freut mich, dass bis jetzt alle Päckchen, wie auch das Geld, alles gut angekommen ist. Ich hoffe, dass Papa das Geld gut und vor allem sicher angelegt hat. Das müsst Ihr ja am besten selber wissen, denn Ihr habt ja vom letzten Krieg genug Erfahrung. 

 

Dass ich den Brief an Onkel Fritz an euch geschickt habe, ist ein Versehen meinerseits, was ich mir nicht ganz erklären kann. Dieser Brief wurde von einem Urlauber mitgenommen, der aus Kassel ist und durch die Katastrophe der Edertalsperre fast alles verloren hat. Er ist verheiratet. Der Betreffende liegt bei mir auf der Stube. Wenn eine derartige Katastrophe oder etwas Ähnliches einmal zuhause vorkommen sollte, was ich ja nicht hoffe, und ich nach hause kommen soll, so müsst Ihr Euch dies von der Partei und Polizei und einer Behörde bestätigen lassen.

 

Mit den Rauchwaren zuhause steht es ja sehr schlecht. Da ich werde auch immer von Zeit zu Zeit etwas schicken, soweit es in meine Kräften steht.

 

Mit Urlaub steht es noch immer bei uns sehr schlecht. Wenn ich auf Urlaub einmal komme, kann ich überhaupt nicht sagen. Bei uns ist noch alles beim alten. Mit Arbeit geht es. Wir haben zwar zur Zeit laufend Arbeit. Aber so, dass man es ertragen kann. Damit für heute genug.

 

Ich hoffe, dass zuhause alles gesund, wie auch ich bin, ist.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

01.06.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 1.6.43

 

Liebe Eltern!

Gestern erhielt ich Euer Päckchen Nr. 65 vom 20.5., wofür meinen allerbesten Dank. Es kam sehr gut an. Für alles gute Verwendung, bzw. gut geschmeckt.

 

Liebe Eltern,

gestern habe ich meinen ersten Werkstattflug mit einer HE 111 gemacht. Besatzung war ein Flugzeugführer-Oberleutnant, ein Prüfmeister von uns und ich. Es war ein Höhenflug. Wir flogen sofort auf 3500 m. Dort oben wurde die Maschine auf alles geprüft. Steile Messerflüge, Sturz, Abfangen, wieder schneller steigen und zum Abschluss stürzten wir auf ein Haus zu. Erst dicht über dem Boden riss er die Maschine hoch und ging im Tiefflug über ein Wald- und Wiesenstück weg. Dann eine glatte Landung mit nur einem Motor. (einer stehenden Latte). 

 

Ein ganz toller Flieger! 

Der Flug dauerte eine gute Stunde. Mit gefiel es sehr gut und vor allem war es interessant. Erstens konnte ich einmal genau den Ausschlag der Instrumente beobachten. Zweitens konnte ich mir von oben die Stadt und die weitere Umgebung ersehen. Es war sehr schön. Das Wetter war auch gut. Vor allem klar und mit ganz wenigen Wolken. 

 

Ein schönes Bild ist das, wenn man über den Wolken ist und sieht tief unten die Landschaft. Das Fliegen an und für sich ist in einer solchen Maschine überhaupt nicht gefährlich. Besonders auch, wenn ein guter bewährter Pilot mit Deutschem Kreuz am Steuer sitzt. Wie überhaupt es alle sind, die Maschinen einfliegen. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch herzlich

Euer Walter

 

 

 

 

 

HE 111

 

 

 

 

Stalino

Donezk

 

 

05.06.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 05.06.43

 

Liebe Eltern!

Habe Euren Brief Nr. 49 vom 28.5. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Dass das wertvolle Paket Nr. 12 gut angekommen ist, freut mich sehr. Dass derartige Sachen zuhause sehr knapp sind, glaube ich gern.

 

Bei uns hat die Arbeit wieder derart zugenommen, dass man einfach nicht weiß, wo man anfangen soll. Das noch auf allen Gebieten. Wir arbeiten jetzt pro Tag 12 Stunden. Sonst geht es im allgemeinen. An die Sonne gewöhnt man sich. Auch die Fliegerangriffe haben nachgelassen. Damit genug für heute. 

 

Ich wünsche euch noch recht frohe Pfingsten.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

09.06.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 09.06.43

 

Liebe Eltern!

Da ich heute mal wieder meinen dienstfreien Tag habe, möchte ich Euch auch ein paar Zeilen schreiben. Dienstfreien Tag habe ich bekommen mit noch 2 Kameraden zusammen, als Belohnung für geleistete Arbeit. Wir haben bei dem starken Arbeitsanfall eine Reihe von Maschinen sehr schnell wieder einsatzklar gemacht. Es war dies nicht gerade immer leicht, aber wenn man stärker dafür entsprechend belohnt wird, freut es einem doch.

 

Nun zu Euch. Hat Papa immer noch so viel zu tun? 

Wie steht es mit Fliegerangriffen und was ist zuhause beschädigt? Hoffentlich bleibt unser Haus heil.

 

Anbei noch 4 Luftfeldpostmarken und 2 Paketmarken.

 

Heute erhielt ich noch einen Brief (Nr. 50 vom 1.6.) von Euch. Meinen besten Dank. Ihr fragt an, wie weit unser Platz von der Stadt entfernt ist. Es sind ca. 12 km.

 

Dass ich die 100 RM geschickt habe, bereue ich keinesfalls. Denn wenn ich Geld wegschicke, so habe ich immer noch genug Geld für mich. Karlheinz habe ich bis jetzt nicht getroffen. Wie soll auch dies geschehen? Es besteht nur die Möglichkeit, dass er nie wieder von Haus und Basis einmal den Platz und besonders unsren großen Hangar besichtigt. 

 

Dass es mit der Kirschenernte schlecht steht, bedauere ich sehr. Hoffentlich steht es mit dem anderen Obst besser. Du schreibst vom Urlaub. Viel Glück. Hoffentlich erholst Du Dich gut. Bei uns steht es damit immer noch schlecht. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Stalino

Donezk

 

 

 

15.06.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Breslau

 

Russland, 15.06.43

 

Liebe Eltern!

 

Habe heute euer Paket mit Kuchen usw. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Dass die Bilder von den beiden Filmen zum größten Teil gut sind, freut mich. Zumal wertvolle Aufnahmen dabei sind. Außerdem 2 Aufnahmen von unserem Feldwebel Wedler, der hier am 10.2. gefallen ist. Das sind die letzten Aufnahmen von ihm. Ich habe hier zwar noch 2 Filme, aber wenn Du noch welche bekommen kannst, dann kaufe diese.

 

 

Pfingsten haben wir gut verbracht. Sonst gibt es nichts neues.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

Auf

Heimaturlaub

 

 

12.07.1943 Brief von H. Puth, Warschau C1 an Walter Michel

 

Warschau, den 12.7.43

 

Lieber Walter,

Für Deine Zeilen vom 9.7. besten Dank. Wie ich daraus ersehe, war Dir das Glück hold und hast Du Urlaub bekommen. Nach 13 Monaten hat man es auch verdient.

 

Wir sind hier nach Warschau gekommen, um nochmals einen 28-tätigen Lehrgang mitzunehmen. Hier sollen wir nochmals, bzw. bekommen wir nochmals eine Geländeausbildung sowohl im Fahren als auch infanteristisch. Ferner haben wir noch Unterricht und Störungssuchen am Kraftfahrzeug. Das Gelände ist hier dem Osten angepasst, sodass es nicht so einfach ist, hier zu fahren ( Sand, Schlamm, schlechte Straße u.s.w.) . Man wird also wie Du hieraus ersiehst, für den Osten vorbereitet.

Bis jetzt sind wir hierher kommandiert worden und wir sollen dann wieder nach Berlin zurückkommen, um dann von da aus versetzt zu werden. Das wäre fein. Aber ich glaube nicht daran. Von hier ist es doch näher nach dem Osten. Ja, es sind noch 20 Tage jetzt und dann werden wir es ja sehen, wie alles kommt.

 

Sonst gibt es hier nichts neues. Für heute nun genug.

Ich wünsche dir recht viel Spaß in Deinem Urlaub und hoffe bald wieder etwas von Dir zu hören.

 

Es grüßt Dich recht herzlich sowie Deine Eltern

Dein Freund Hermann

 

Was macht eigentlich Karlheinz? Habe ihm vor 14 Tagen geschrieben, aber noch keine Post von ihm bekommen.

 

 

Verlegung

nach

Smolensk

Weißrussland

 

 

30.07.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 30.07.43

 

Liebe Eltern!

Heute am Freitag bin ich bei meiner Einheit eingetroffen. Die Stadt ist wie Frau K. meinte. Es war eine tolle Fahrerei. Ich fuhr bis Kaschau, dort traf ich einen Uffz. von uns. Dieser kam von der Grenze und wusste über Fahrtstrecke und Ziel genau bescheid. Wir fuhren dann zusammen weiter nach Warschau, dann Brest-Lit., Minsk, Zielstadt (Smolensk)

Aus diesem Grunde bin ich sehr schnell hier gewesen.

Die Fahrt ging immer sehr gut und flott, bis auf eins, das sehr traurig ist. Mir wurde im Fronturlauberzug hinter Brest mein Foto gestohlen. Alles Suchen und Aufspüren blieb erfolglos. Er ist weg.

 

Wir wohnen hier mitten in der Stadt in einer Baracke, die weiteren Züge außerhalb. Haufen Arbeit ist auch hier. Wir sind nämlich hier nur zur Aufrüstung. An Fugzeugen wird nicht gearbeitet. Wir überholen unsere Fahrzeuge gründlich. Und wenn dies fertig ist, geht es weiter. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

Anbei 2 Luftfeldpostmarken

 

 

bei

Smolensk

Weißrussland

 

 

09.08.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 09.08.43

 

Liebe Eltern!

Nachdem ich in "S" 5 Tage war, verlegte ich mit meinem Zug nach vorn. Wir jetzt 70 km nordöstlich auf einem Feldflugplatz. Wohnen in Russenhäusern. Arbeiten unter freiem Himmel. Es ist wieder ein neues Gebiet. Wieder müssen wir uns umstellen, neu hinzu gekommen sind FW Jäger. Diese sind sehr gut. Vor allem die Piloten.

 

Täglich werden viele Russen abgeschossen. Schon in der ersten halben Stunde, als wir hier waren, kamen 13 Russen. Aber sofort starteten die Jäger und schon 7 - 8 Minuten später hatten sie 11 Maschinen abgeschossen. Es ist schön und sehr spannend, wenn man den Iwan kommen sieht und wie er abgeschossen wird. Ja, dies geht alles sehr rasch.

 

Die Hauptkampflinie ist ca. 8-10 km entfernt. Den ganzen Tag über hört man die Artillerie schießen. Damit genug für heute.

Wir haben noch kein Licht und ich sehe bald nichts mehr. Das übrige werde ich morgen berichten.

 

Es grüßt euch herzlich

Euer Walter

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

14.08.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 14.08.43

 

Liebe Eltern!

Etwas ganz besonderes ist vorgekommen. Und zwar sind heute die beiden Weihnachtspäckchen (v. 8.12.42 und 28.12.42) angekommen. Kleines ist sehr gut, unversehrt angelangt. Aber das 2. große ist kaputt und vielleicht aufgebrochen worden. Denn der Stollen ist unversehrt, gut und noch genießbar angekommen ( nur sehr hart, trocken, schmeckt aber noch). Aber Begleitschreiben, Füllfederhalter u.s.w. fehlen. Schade. Meinen besten Dank. Es war für den Zug ein großer Sack Weihnachtspost da. Auch hatte ich noch 4 Briefe. Unter anderem einen von Ewald. Ferner ist heute auch der Luftfeldpostbrief vom 7.8.43 angekommen. Vielen Dank.

 

Einen Bericht über S. kann ich heute nicht geben, da ich zu müde bin., denn wir arbeiten von morgens 4 Uhr bis abends 20 Uhr. Den Namen des Mittels gegen Halsschmerzen kann ich Euch nicht mitteilen, da ich alles noch nicht angepackt habe, da wir bald wieder verlegen müssen.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

19.08.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 19.08.43

 

Liebe Eltern!

Heute erhielt ich Euren Brief vom 14. d.M. . Meinen allerbesten Dank. Eure Vermutung über Verlegung stimmt. Das habe ich Euch ja schon im letzten Brief geschrieben. Wir sind jetzt in der Nähe von Hagenow (ca. 20 km entfernt) . An der Front sind sehr schwere Kämpfe. Gestern haben wir vom Platz aus einen Angriff unserer Stukas mitangesehen. Man konnte sehr gut die Einschläge mitbekommen. Es war auf ganz kurzem Abschnitt Einschlag auf Einschlag. Ca. 50 Maschinen waren daran beteiligt. Auf unserem Platz haben wir auf keinen Angriff gesetzt. Wir können in aller Ruhe arbeiten.

 

Über Nix und Kopp zur Kenntnis genommen. Immer noch besser als in russischer Gefangenschaft.

Schlechtes Wetter haben wir. kalt, Regen. Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

 

29.08.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 29.08.43

 

Liebe Eltern!

Wir haben heute wieder verlegt und zwar wieder zurück auf S. Was hier werden soll, ist bis zur Stunde unbekannt. Man hofft, dass wieder die ganze Abteilung verlegt. Wollen wir abwarten.

 

Euren Brief vom 22.8. habe ich kurz vor unserer Abfahrt erhalten. Meinen allerbesten Dank. Aber ich bin der Meinung, dass Eure Besorgnis um mich etwas übertrieben ist. Daß Ihr Euch bei Frau K. erkundigt habt, habe ich vom Zugführer erfahren. Frau Ewald soll es bloß nicht zu sehr übertreiben. Lasst Euch nur nicht auch noch verrückt machen. Was wollen wir denn sagen. Von dem Platz aus, auf dem wir waren, konnte man Tag und Nacht die Ari hören, oft sehr nahe.

 

Mein schlechtes Papier und meine schlechte Schrift bitte ich zu entschuldigen. Wir sind nur notdürftig untergebracht. Ich habe daher auch nichts ausgepackt. Auf der Stube sind nur 70 Mann. Damit genug für heute.

 

Es grüßt euch sehr herzlich

Euer Walter

 

Anbei 4 Luftfeldpostbriefmarken und 2 Paketmarken

 

 

 

Im Zeitraum von September bis Dezember 1943 lief die russische Offensive auf vollen Touren. Im Mittelabschnitt wurde heftigst gekämpft und im Dezember wurde Smolensk von den Russen endgültig eingenommen. Zwar rochierte die Feldwerft einige Male zwischen Minsk und Smolensk hin und her, Ende November 1943 wurde sie nach Minsk zurückverlegt. Die rote Linie zeigt die von Russland diktierten Frontverläufe. Erstaunlicherweise hielt die Front um Leningrad. Die Stadt war über 900 Tage belagert.

 

 

 

 

Smolensk heute

Bericht von Kriegberichter Bernd E.H. Overhues

(Originaltext "Die Wehrmacht")

 

Als wir im Rundfunk die Sondermeldungen von der Beendigung der Schlacht im Raume von Smolensk hören,  sind wir - es ist der 6. August - wieder bei der motorisierten Infanterie-Division, mit der wir am 16. Juli in Smolensk eindrangen. Die Aufklärungsabteilung dieser Division hatte am äußersten südöstlichen Rande dieses vielgenannten Kessels ihren Gefechtsstand bezogen. Sechs Sicherungen hielten an diesem Kesselabschnitt den Ring um den eingeschlossenen Feind. Sie wehrten Tag und Nacht die ununterbrochenen Ausbruchs- versuche der Bolschewisten in diesem Kampfabschnitt erfolgreich ab und machten täglich mehr und mehr Gefangene. Die Kämpfe im Kessel von Smolensk sind zum Abschluß gekommen. Sie waren hart, verbissen und blutig. Blutig vor allem für die Sowjets. Doch zeigen auch die frischen Gräber mit dem Kreuz und dem grauen Stahlhelm, wo so mancher tapfere deutsche Soldat den ewigen Schlaf in russischer Erde schläft. 

 

Als der Ring um die feindlichen Divisionen im Raume von Smolensk geschlossen war, setzte die Sowjetführung alles auf eine Karte, um die Umklammerung zu durchbrechen. Verbissen spielte sie diese Karte aus. Die brutalsten Methoden ihrer politischen Kommissare taten das übrige. War der Sowjetsoldat schon wankelmütig oder im Feuer unserer Maschinengewehre mürbe geworden, dann zwangen ihn die Kommissare zu hoffnungslosem Ansturm. Als wir zum ersten Male davon hörten, die Besatzungen sowjetischer Panzerkampfwagen würden vor dem Angriff von ihren Kommissaren eingeschlossen, hielten wir das für eine Legende. Im Kessel von Smolensk haben wir dann solche Panzer, die nur von außen zu verschließen sind, selbst gesehen. Diese Panzer versuchten vergeblich, aus den unmöglichsten Situationen heraus, ihrem Schicksal zu entgehen. 

 

 

Russische Truppen, die sich ergeben hatten

 

Drei Wochen lang wiederholte der Gegner an den verschiedensten Punkten seine Durchbruchsversuche. Es blieb alles vergebens. Die deutsche Zange hatte zu fest zugepackt. Sturzkampf-, Kampf- und Zerstörerflugzeuge, Artillerie und Infanterie verengten den Raum der in der Falle sitzenden Bolschewiken von Tag zu Tag mehr. Dann kam die Stunde, da der Feind nicht mehr aus noch ein noch aus wußte. Seine Kolonnen fuhren plan- und ziellos von rechts nach links, von Nord nach Süd, auseinander und durcheinander. In dieses Chaos warfen unsere Bomber ihre todbringende Last, dazwischen krepierten die Granaten unserer Artilleriegeschütze. 

 

 

Ein Wirrwarr von Kriegmaterial, das unbrauchbar war

 

Der Kommandeur der Aufklärungsabteilung, dessen Männer einen Teil des Kesselrandes zu halten hatten, führt uns zu seinen tapferen Soldaten, die in Badehosen am Ufer des Dnjepr die letzten Tage des russischen Hochsommers nach all den Strapazen in vollen Zügen auskosten wollen. Der Kommandeur und seine Männer waren auch bei Dünkirchen dabei. Ein z e h n f a c h e s Dünkirchen, hören wir, bedeute diese Vernichtung, diese Zahl an Gefangenen, erbeuteten Fahrzeugen, Geschützen, Panzern, Fähren, Wagen und überhaupt an all dem, womit keine Divisionen, womit, ganze Armeen ausgerüstet sind.

 

Im Kampf um Smolensk 

kamen auch Frauenbataillone zum Einsatz

 

 

 

links Gefangene mit ihrem Kommandeur, 

die von einem deutschen Fahrer 

ins Gefangenenlager abtransportiert wurden

 

 

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

 

05.09.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 05.09.43

 

Liebe Eltern!

Wir haben wieder einmal verlegt und zwar von S. wieder 70 km südlich. Auf einen großen Flugplatz. Hier haben wir wieder sehr viel Arbeit. Alle Sorten von Maschinen. Wir haben hier wieder wie in Stalino eine große Halle. Untergebracht sind wir in einer Baracke. Alle Mann in einem Raum.

 

Liebe Eltern, ich wollte zwar schon früher schreiben, aber ich wartete auf Post von Euch, aber es kam keine. Aus diesem Grund bitte ich das Ausbleiben der Post zu entschuldigen . Im übrigen weiß ich nicht, was ich schreiben soll. Hier wird es bereits kalt. Wenn man morgens aufsteht, ist es weiß (Rauhreif). Damit genug für heute.

 

Heute habe ich 100 RM abgeschickt. Mir geht es gut, was ich von Euch auch hoffe.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

P.S. Liebe Eltern, heute am Sonntag haben wir ein wunderbares Mittagessen gehabt. Und zwar Hase, Salzkartoffeln und Kompott.

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

08.09.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 08.09.43

 

Liebe Eltern! 

Habe Euren Brief vom 29.8. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. 

 

Über die Kämpfe kann ich nicht viel berichten, denke, Ihr wisst ja besser darüber Bescheid, wie wir. 

 

Damit Papa nicht den ganzen d. Tabak von Mama verbraucht, habe ich ein Päckchen Tabak und ca. 10 Stumpen geschickt. (6.9.) . Lass ihn Dir gut schmecken. Leider kann ich dir im Augenblick nicht mehr schicken, denn bei uns sieht es damit auch schlecht aus. 

 

Nun seid bitte nicht beunruhigt zuhause, wenn Ihr einige Tage keine Post bekommt, denn wir werden bald wieder verlegen. 

Damit für heute genug.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

14.09.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 14.09.43

 

Liebe Eltern! 

Habe gestern Euren Brief vom 7. d,M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. 

 

Wir sind wieder nach S. zurück verlegt. Jetzt haben wir hier die Werft. Unsere Unterkunft ist unmittelbar dabei. Die Unterkunft ist gut. Fester Steinbau. Aber, wie lange werden wir hier wieder bleiben? 

 

Wir haben am Freitag verlegt und ich fuhr am Sonnabend wieder als Beifahrer im Büssing 4 Tage weg, um Teile von einem andern Flugplatz zu holen, der geräumt wird. Es war ca. 160 km südlich, aber gute Straßen.

 

Dass mich mein Ing. besucht hat, wundert mich sehr. Nun seid Ihr ja über alles im genauesten informiert. Damit für heute genug.

 

Es grüßt euch sehr herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

18.09.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 18.09.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Brief Nr. 6 vom 14.9. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. So muss es mit der Post jetzt auch nach meiner Ansicht klappen.

 

Ja, von Stalino wird nicht mehr viel stehen. Die Stadt ist heute bestimmt nur noch ein Trümmerfeld. Denn da wo wir planmäßig zurückgehen, steht nichts mehr. Nicht einmal ein einzelnes Haus. Nichts wie Schutt findet man mehr. Nur ödes totes Land, das dem Feind auch gar nichts nützen kann. 

 

Über die Verhältnisse in Italien sind wir im genauesten orientiert.

 

Die doch noch verhältnismäßig gute Birnenernte freut mich. Nur bisher habe ich nichts davon. Zum Schluss möchte ich noch Papa recht herzlich zu seinem Geburtstag gratulieren und ihm für die kommende Zeit alles Gute wünschen.

 

Auch habe ich ihm zu seinem Geburtstag ein Paket geschickt. Nur leider etwas zu früh. Aber Du wirst es auch so noch gern entgegen nehmen. (10 Zigarillos, 1 Paket Tabak, 15 Zigarren, 3 Tuben Zahnpasta). Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch sehr herzlich 

Euer Walter.

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

02.10.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 02.10.43

 

Liebe Eltern! 

Habe Euch heute ein Paket (Nr. 4) geschickt. Es betrifft in der Hauptsache Papa. Und zwar ist der Inhalt: 6 Päckchen Tabak, 10 Zigarillos und 4 Tuben Zahnpasta. Ich bitte nur hierzu Mama, mir 2 Päckchen für den kommenden Urlaub und für schlechte Zeiten aufzuheben. Ich hoffe, dass Papa hiermit wieder eine Zeit lang auskommt.

 

Wir haben jetzt nochmals reichlich Kaufwaren zu kaufen bekommen, da in Smolensk die Lager geräumt werden mussten. Ich werde euch in nächster Zeit wieder ein Paket schicken. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

15.10.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 15.10.43

 

Liebe Eltern! 

Gestern habe ich Eure beiden Karten vom 5. u. 7.10. und heute Euren Brief Nr. 11 vom 7.10. erhalten, wofür meine besten Dank.

Es freut mich, dass Euch und unserem Haus nichts passiert ist. Ich hatte die ganze Zeit schwere Befürchtungen. Hoffentlich folgen nicht noch mehrere Luftangriffe.

 

Dass die Kaufwaren gut angekommen sind, freut mich. Aber warum schreibt Ihr nicht die Nummer und das Datum dabei? 

Nun hat Karlheinz glücklich Urlaub bekommen. 

Habe die beiden .... erhalten. Zum Abschluss möchte ich Mama noch zum kommenden Geburtstag gratulieren und alles Gute wünschen.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

20.10.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 20.10.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Brief vom 12.10. erhalten, wofür meine recht herzlichen Dank.

 

Der Angriff auf Frankfurt ist sehr bedauerlich. Das was Du schreibst vom Osturlauber, mag schon stimmen. Wir sind ja auch froh, dass der Iwan nicht so gut wirft wie der Tommy.

 

Habe Euch heute ein Paket mit 3 Päckchen Tabak und etwas Seife geschickt. Ich bitte Euch, mir einige Hosenträger zu schicken (mit Bändern).

 

Gotschlich ist zur Zeit in Deutschland in einem Lazarett. Er wird an einem Bruch operiert.

Adresse: Rus. Laz. Bad ........... Teil Laz. Hauensburg/ K……. Zimmer 23

 

Macht bitte Alfred eine Freude durch Brief und vielleicht mit Obst u. etwas Saft, denn ich habe erst von ihm Kaufwaren bekommen. So z.B. habe ich heute ein Paket von ihm bekommen mit 600 Zigaretten. Ich werde Dir natürlich beizeiten etwas schicken. Damit genug für heute.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

24.10.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 24.10.43

 

Liebe Eltern! 

Heute erhielt ich Eure beiden Päckchen Nr. 3 u. 4 vom 6.10. u. 30.9., sie sind beide sehr gut angekommen. Meinen allerbesten Dank dafür.

Ich habe heute 2 Päckchen an Papa abgeschickt. Im Päckchen Nr, 7 sind 60 Zigaretten enthalten. Im Päckchen Nr. 8 sind 200 Zigaretten und ca. 10-12 Zigarren. Ich bitte Euch darum, mir 100 Stück davon zurück zu behalten. Ferner habe ich am 20.10. ein Päckchen (Nr.6) mit 100 Zigaretten abgeschickt.

 

Ich hoffe dass Dir diese Kaufwarensendungen über eine Zeit hinweghelfen werden. 

Hier ist noch alles beim alten und in bester Ordnung, was ich von Euch auch hoffe. 

Anbei 4 Luftfeldpostmarken und 2 Paketmarken.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

27.10.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 27.10.43

 

Liebe Eltern!

Heute erhielt ich Euren Brief vom 17. d.M. Meinen allerbesten Dank dafür.

 

Nun die Antwort auf Deine Fragen im Brief Nr. 13: Die zwei Winkel sind natürlich für mich, da ich sehr stark mit Beförderung am 1.11. oder 9.11. rechne. Die übrigen sind für Kameraden. Man bekommt nicht überall solche Sachen zu kaufen.

 

Zu dem Fliegerangriff auf Frankfurt kann ich nicht viel sagen. Aber ich kann mir ungefähr vorstellen, wie es dort aussieht. Na, ich werde es mir im nächsten Urlaub ansehen. Mit Drescher, das kann ich eigentlich weniger verstehen, denn als Mann darf man doch nicht gleich den Kopf verlieren. Dass ihr jetzt sehr lange arbeiten müsst, kann ich mir denken. Aber auch dieses ist nur vorübergehend.

 

Bei uns ist es im Augenblick ruhig mit Arbeit und Fliegerangriffen. Aber ich glaube, dies ist nur die Ruhe vor dem Sturm. 

Damit genug für heute.

 

Ich hoffe, dass ihr beide Mamas Geburtstag gut verlebt und auch gefeiert habt.

 

Es grüßt Euch recht herzlich und hofft, dass Ihr splitterfreie Nächte habt und gesund und munter seid 

Euer Walter

 

 

 

Die Vielfalt der Maschinen war groß

und es benötigte schon sehr großer Erfahrung

  

 

 

bei

Smolensk

Russland

 

 

 

31.10.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 31.10.43

 

Liebe Eltern!

Heute erhielt ich Euren Brief Nr. 14 vom 20.10., wofür meinen herzlichsten Dank.

 

Zu Eurer Frage, ob wir im nächsten Winter im Einsatz sind oder ob ich zu einem anderen Truppenteil versetzt werde, möchte ich Euch antworten. Im Winter werden wir nach wie vor im Einsatz bleiben. Aber es besteht immerhin die Möglichkeit, dass wir bei genug kritischer Lage, wie es oft hier zur Zeit ist, einmal im Erdkampf eingesetzt werden.

 

Zur zweiten Frage "besteht die Möglichkeit, dass ich versetzt werde":

Und zwar habe ich mich mit 12 Mann zusammen zum fliegenden Personal gemeldet.

Diesem meinem Entschluss liegen verschieden Gründe vor.

 

1. besteht hier überhaupt keine Beförderungsmöglichkeit. Was Dir in dieser Hinsicht Ing. K. erzählt hat, ist mir unerklärlich. Wenn wirklich mal einer zum Uffz.-Lg. geschickt wird, dann hat er mindestens 3 - 4 Dienstjahre. Und dazu muss man noch ein ¼ jährige Frontbewährung machen (in der HKL).

 

2. Wird bei uns, gegen andere Einheiten, die Arbeit überhaupt nicht anerkannt. Man arbeitet von morgens bis abends und dann wird man auch noch angeschissen. Zur Zeit hat Gottschlich mit 3 Kameraden, die zusammen mit in Wiesbaden waren, am 1.9. das K.V.K. II. Klasse bekommen. Außerdem wurden sie planmäßig zu Obergefreiten befördert. Und bei uns haben jetzt diese Auszeichnung noch 7 Mann, obwohl alle schon über 2 Jahre hier draußen im Einsatz sind.

 

3. Wird bei uns alle Schlag der Einheitsführer gewechselt, könnt Ihr Euch auch denken.

 

4. Dauert der Krieg bestimmt noch eine ganze Zeit und ich möchte nicht ewig diese Arbeit machen.

 

Aus diesen Gründen werdet Ihr mein Melden zum Fliegenden verstehen. Bis ich dies endgültig bin, dauert das auch eine Zeit. Ich muss zunächst nach Deutschland auf Schule. Die Ausbildung dauert ca. ein ¼ - ½ Jahr. Und bis wir hier wegkommen, wird noch eine Zeit dauern. Nun damit genug - abwarten!

 

Mit Heinz Willi Weil ist sehr bedauerlich. Aber, wo ist er gestorben?

 

Bei uns ist noch alles in Ordnung, hoffentlich bei euch auch.

 

Es grüßt Euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

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02.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 02.11.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute Euren Brief Nr. 15 vom 25.10. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Es freut mich, dass das Paket mit den Kaufsachen gut angekommen ist.

 

Was habt Ihr nur für eine Angst vor der L-Feldeinheit. Diese befindet sich doch in der Auflösung. Und ein dortiger Einsatz kommt nur in den äußersten Fällen vor.

 

Schicke Euch hiermit 20 RM mit. Werde Hampel noch etwas mitgeben. Aber allzu viel kann ich im Augenblick nicht abtreten, da ich durch die größeren Marketenderwaren sehr geschröpft bin.

 

Der wiederholte Angriff auf Frankfurt ist sehr bedauerlich. Aber ich hoffe, in Aussicht der neuen Waffen der Luftwaffe, dass dem Engländer bald das Gehirn ausgebombt wird. Bei uns ist alles in Ordnung.

 

Walter Hampel fährt in den nächsten Tagen auf Urlaub. Dann werde ich ihm eine Kiste mit Zigarren und 100 Zigaretten mitgeben. Die Zigaretten gehen wieder halbe-halbe. Die Zigarren sind eigentlich für Weihnachten bestimmt.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

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05.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 05.11.43

 

Liebe Eltern! 

Heute erhielt ich Euren Brief Nr. 16 vom 30.10. (abgest. 2.11.). Dass Papa sofort Alfred geschrieben hat, freut mich. Dass Ihr ihm nichts zukommen lassen könnt, ist sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern.

 

Dass Du abends sehr fertig bist, kann ich mir lebhaft vorstellen. Dass die Kaufwarensendungen jetzt endlich eintreffen, freut mich. Solange ich über habe, werde ich Euch mit Kaufwaren versorgen. Beigefügt sind 4 Paketmarken. Aber ich weiß nicht, was Ihr mir schicken sollt. Möglichst ein Paar Äpfel. Wintersachen benötige ich keine, da ich hier genug bekomme. 

 

Hampel fährt hier voraussichtlich am 7.11. ab. Ich habe ihm außer den 41 Zigarren und 100 Zigaretten noch 30 Mark mir gegeben. Hier ist noch alles in Ordnung. Mit Arbeit geht es. Damit genug.

 

Es grüßt euch sehr herzlich 

Euer Walter

 

 

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06.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 06.11.43

 

Liebe Eltern!

Da morgen Walter Hampel in Urlaub fährt, muss ich euch kurz noch einige Zeilen schreiben und diesem mitgeben.

Euren Brief Nr. 16 habe ich gestern erhalten und im Brief Nr. 22 beantwortet.

 

Für Papa habe ich ihm 41 Zigarren und 50 + 50 = 100 Zigaretten mitgegeben. Die Zigaretten hatte ich eigentlich für Weihnachten bestimmt. Aber nun konnte ich sie gerade mitgeben. Und so soll es ein vernünftiges Weihnachtsgeschenk sein. Ferner habe ich 30 Mark mit beigelegt.

 

Was hier los ist und wie es mir geht, könnt Ihr am besten von ihm erfahren. Damit genug für heute.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

 

07.11.1943 Obgfr. M. Gottschlich, Petersberg

 

Lazarett Waldschlösschen, 07.11.1943

 

Liebe Familie Michel! 

Ihren Brief habe ich dankend gestern erhalten. Ja Sie werden erstaunt gewesen sein, wie Walter Ihnen meinen Lazarettaufenthalt mitteilte. Aber es ist nicht so schlimm, denn es war schon ein älteres Leiden, was sich nur in letzter Zeit arg verschlimmert hatte. Die Operation habe ich nun schon gut überstanden und darf schon wieder aufstehen, mache nun noch täglich zwei Liegekuren, da bei größeren Anstrengungen noch Schmerzen auftreten, aber sonst geht es mir schon wieder sehr gut. 

 

Habe auch schon das Lazarett wechseln müssen und liege jetzt im Lazarett unmittelbar im Rsgb. in dem wir aufstehen dürfen. Meinen Eltern und meiner Schwester geht es noch gut. Sie sind bis jetzt von größeren Fliegerschäden bewahrt worden. Ja, es ist ein furchtbares Kreuz, oftmals schlimmer als im Osten. Uns alle bewegt nur der eine Wunsch, dass es recht bald ein Ende nehme.

 

Sonst darf ich ja auch annehmen, dass es Ihnen noch gut geht, mit Walter stehe ich ja noch in laufendem Briefkontakt, ich bedauere nur immer wieder, dass man uns auseinandergerissen hat. Aber das mit dem Paket ist doch wirklich nicht nötig. Ich weiß sehr gut, wie wenig ein jeder jetzt hat. Ich hatte meinen Eltern auch gleich geschrieben, dass ich nichts brauche und dass ich sogar bei jeder Löhnung einige Kuchenmarken bekomme. Also Sie sehen, dass für den Soldaten schon gesorgt wird.

Nochmals für Ihren Brief besten Dank. 

 

Es grüßt sie vielmals

Alfred Gottschlich

 

 

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12.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 12.11.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euer Paket vom 26. d.M. Nr. 7 erhalten. Es ist sehr gut angekommen. Meinen allerbesten Dank.

Viel weiß ich nicht zu berichten. Wir haben zur Zeit sehr viel Arbeit. Die Lage ist sehr ernst. Wir werden wieder bald verlegen. Darum seid nicht beunruhigt, wenn Ihr mehrere Tage keine Post bekommt.

 

Wie ist es eigentlich? Ist der Verpflegungssatz erhöht worden? Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

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20.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 20.11.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euer Paket Nr. 8 vom 3. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Es kam sehr gut an. Die Handschuhe sind schön und gut. Die Äpfel schmecken gut und auch sehr. An Wintersachen benötige ich nichts.

 

Wir sind noch immer in W. , werden aber nicht sehr lange hier sein. Die meisten Maschinen sind schon weg. Wir haben fast überhaupt keine Arbeit. Mich haben sie jetzt zum ersten Wart vom Chef einer Maschine (Fieseler Storch) gemacht. Bin daher natürlich immer beschäftigt.

 

Mit Beförderung wird es möglicherweise erst am 1.12. etwas werden. Wir haben einen neuen Chef (Olt. Fähner) bekommen. Dieser konnte am 1.11. auch keine Beförderung aussprechen, da er noch keine 4 Wochen da war.

 

Was ist denn eigentlich los? Ich habe die letzten 14 Tage überhaupt keine Briefpost mehr bekommen. Geht die Post so schlecht? Oder schreibt Ihr nicht? Damit für heute genug.

 

Es grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch alles Gute 

Euer Walter

 

 

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23.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 23.11.43

 

Liebe Eltern! 

Habe vorgestern Eure beiden Briefe Nr. 17 und 18 vom 8. und 14. d.M. erhalten. Ferner das Päckchen Nr. 9 vom 9. d.M. erhalten. Für alles meine allerbesten Dank.

 

Ich habe heute ein Paket für Weihnachten an Papa abgesandt. Es ist darin enthalten: 4 ½ Pakete Tabak (325 g, 225 g Krollschnitt, das übrige Feinschnitt), ca. 75 Zigaretten, 10 Zigarren und 4 Päckchen Zigarettenpapier.

 

Nun zur Beantwortung Eurer Schreiben: 

Ihr habt mein Schreiben vom 31.10. erhalten, ich bin über Eure Antwort erstaunt. Ob es mir gelingen wird, ist allerdings eine 2. Frage. Herr K. hat den Brief erhalten. Anmerken hat er sich noch nichts lassen.. Der Brief, den Papa geschrieben hat, ist richtig. Ganz nach meinem Wunsch. Damit genug. 

 

Anbei schicke ich Euch 6 Paketmarken.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

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26.11.1943 Fl.Ing.aK Clemens Kirschner Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Im Osten, 26.11,43

 

Sehr geehrter Herr Michel! 

 

Vor einigen Tagen erhielt ich Ihre Zeilen. Haben Sie Dank für die offene Berichterstattung.

 

Zunächst will ich Ihnen mitteilen, was Sie am meisten interessieren dürfte. Wenn die Männer, die sich freiwillig melden, abberufen werden, so haben wir keine Möglichkeit, die Männer zurück zu halten. Nach meiner Ansicht werden diese Männer auch irgendwie zum Einsatz kommen.

 

Wenn nun dieser oder jener entbehrlich ist, so hat er vielleicht Glück. Mich hat es geärgert, dass sich der ganze Verein während meiner Kommandierung meldete. Eine telefonische Rücksprache hätte über manches Klarheit gebracht. Die Beweggründe zur Meldung waren mir bekannt, auch um die Beseitigung dieser ungünstigen Umstände setze ich mich dauern ein. Teils mit mehr, teils mit weniger Erfolg. So hatte ich vor kurzem erreicht, dass sich jeder freiwillig zum Uffz.-Lehrgang melden könne. Das Ergebnis dieser freiwilligen Meldungen war erschütternd. Es meldete sich sage und schreibe ein (1) Mann.

 

Bei solchen Ergebnissen könnte man verzweifeln. Meine Behauptung war vorher, es würden sich mindestens 10 Mann melden. Zuvor hatte man mir immer die Ohren vorgeheult. Die Sache mit der Frontbewährung in der HKL stimmt nicht. Durch die gegebene Kriegslage hat man solche Lehrgänge vorübergehend eingesetzt, aber es ist nicht die Regel.

 

Leider glückte eine Kommandierung zum Wintersemester 1943 für Walter nicht mehr. Doch hätte ich ihn zum Wintersemester 1944 bestimmt frei bekommen. Ich würde lieber 10 Jahre Obergefreiter sein und könnte im Winter pausieren, als dass ich die Leiden ertragen würde. Mir sind heile Knochen lieber als große Kriegsauszeichnungen.

 

Letztenendes kommt es auf die Leistungen an. Mit Stolz kann ich behaupten, dass mein Zug einer der besten im Osten eingesetzten Züge ist. Nur wenige meiner Männer haben eine Kriegsauszeichnung! Der im Kampfe stehende Soldat kann seine Leistung augenfälliger nachweisen, als der Techniker, der still seine Pflicht tut. Mit seinen Leistungen macht man auch nicht gern Geschrei und Reklame machen, wir sollen kämpfen wenn es sein muss und ansonsten still und leise unsere Pflicht erfüllen, damit unsere Wehrmacht den Endsieg erringen kann.

 

Der letzte Abteilungsführerwechsel war für die ganze Abteilung nur ein Vorteil. Ein Wechsel ist für mich viel unangenehmer als für den einzelnen Mann. Es geht ja schlecht, an jeden Landser meine Sorgen mitzuteilen. Leider muss man bei einem Haufen von 70 bis 80 Mann immer mal mit dem Knüppel dazwischen schlagen. Mir wäre es viel lieber, es gäbe keine Drückeberger und jeder würde so arbeiten, wie es sich gehört. Dann könnte man manches überflüssiges Aufsichtpersonal einsparen. Es gibt eben im Leben nicht nur Engel. Ein Schlechter versaut mehr, als 10 Gute aufbauen können.

 

Im Radio hörte ich eben die erschütternde Nachricht von einem erneuten -angriff auf Frankfurt. Ich hoffe, Sie sind ohne Schaden zu nehmen mit dem Leben davon gekommen. Jetzt wartet man voll banger Sorgen auf die Post der Lieben. Möge bald die Vergeltung kommen, damit man die Heimat in Sicherheit weiß.

 

Im Glauben an den Endsieg grüße ich Sie auch und allerbester Dank nochmals für Ihre Zeilen.

 

Heil Hitler! 

Ihr Clemens Kirschner

 

 

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29.11.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 29.11.43

 

Liebe Eltern! 

Da ich wieder 7 Tage keine Post von Euch erhalten habe, musste ich schreiben. Die Postverbindung hier nach W. ist sehr schlecht. Für Papa habe ich am. 25.11. ein Päckchen mit 60 franz. Zigaretten und heute eines mit 14 französischen Zigaretten und 3 Zigarillos losgeschickt.

 

Mit unserer Verlegung zieht es sich noch einige Tage hin. Unser Stab und 2. Zug hat bereits verlegt. Unser Zug ist nur noch hier als Nachkommando. Viel haben wir nicht zu tun.

 

Die Wetterlage ist für die Jahreszeit noch gut. Bisher haben wir schon 15 - 20 cm Schnee, aber vom Winter abgesehen, ist es noch mild (0° bis - 2°). Ich habe durch den Rundfunk erfahren, dass wieder ein schwerer Angriff auf Frankfurt war. Was ist dort wieder passiert? Hoffentlich nichts bei Euch zu Hause! Damit Schluss für heute.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

P.S. Karlheinz ist nur 14 km von uns entfernt. Leider können wir uns nicht treffen!

 

 

 

Smolensk wird geräumt - zurück bleiben zerstörte Häuser, 

Fabriken, Brücken, Eisenbahngleise und Rollbahnen

 

Die Taktik der "verbrannten Erde" wurde auf beiden Seiten angewandt, um den Gegner am schnellen Nachrücken zu hindern und ihm jede Unterkunftsmöglichkeit zu nehmen. Vielfach wandte sich diese Taktik auch gegen die eigenen Truppen, die bei Offensiven ebenso behindert waren. In allen Teilen Europas erlebten die wenigen verblieben Bürger, dass ihre Städte mehrmals den Besitzer wechselte. Die Sinnlosigkeit des Krieges kannte keine Grenzen.

 

 

Sprengbomben warten darauf, 

"scharf" gemacht und gezündet zu werden

 

 

Eisenbahngleise werden 

in kurzen Abständen gesprengt

 

rechts: 

Die Rollbahnen des Fugplatzes Smolensk 

werden zur Sprengung vorbereitet

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

03.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 03.12.43

 

Liebe Eltern!

Wir sind jetzt endlich auf Verlegung. Wohin es geht, ist noch nicht genau raus. Auf alle Fälle kommen wir ein schönes Stück zurück. Ich fahre allerdings nicht mit dem Auto, sondern ich fliege mit dem Storch. Wir konnten nicht bis zum vorläufigen Ziel durchfliegen, da es das Wetter nicht zuließ. So warten wir hier im Osten halt zuerst ab und warten auf besser Wetter. Damit genug für heute.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

05.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 05.12.43

 

Liebe Eltern! 

Nachdem wir am Freitag einen Pausentag durch schlechtes Wetter einlegen mussten, sind wir am Samstag bei gutem Wetter weiter geflogen. Nach einer Flugzeit von 2 Stunden und 25 Minuten (insgesamt sind wir 280 km in 2 3/4 Stunden geflogen) hatten wir unser Ziel erreicht.. Ca. 230 Km hinter Minsk (der Heimat zu). 

 

Hier sind wir ca. 250 km hinter der HKL. Aber dafür in Bandengebieten.

 

Hier auf dem Platz ist überhaupt nichts los. Auch nicht mal eine Halle ist da. Was wir hier machen sollen, ist einfach rätselhaft. Furchtbar eng zusammen. Gegen unseren letzten Platz ist das ein schlechter Tausch. Wollen wir abwarten, was kommt. Damit genug für heute.

Schreibt bitte, wie lange dieser Brief unterwegs war. Eigentlich soll unsere ganze Post mit der Maschine transportiert werden.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

06.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 6.12.43

 

Liebe Eltern! 

Heute ist hier bei uns Walter Hampel eingetroffen. Ich habe jetzt durch ihn das Paket wie auch den Brief mit Geld erhalten. Hierfür meine allerbesten Dank. Das Paket mit Obst und Stollen ist sehr schön. Zu Deinem Brief ist nicht viel zu sagen. Über die Schäden hat mich Hampel eingehend unterrichtet. Auch über das, über was Ihr Euch mit ihm unterhalten habt.

 

Die Spielzeuge, wenn sie anderweitig gut gebraucht werden, könnt ihr ruhig weiter geben. Auch andere Sachen wie z.B. Spielsachen - außer Metallbaukästen - könnt Ihr weitergeben. Sonst habe ich im Augenblick nichts Beunruhigendes.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

08.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 08.12.43

 

Liebe Eltern! 

Habe gestern Euren Brief Nr. 21 vom 26.11. mit Nasenschützer erhalten, wofür meine allerbesten Dank. Dass die Zigarren gerade im rechten Augenblick angekommen sind, kann ich mir denken. Hoffentlich haben sie Papa gut geschmeckt. Ich werde in den nächsten Tagen wieder 8 Zigarren und einen Film schicken.

 

Gestern Abend sind wir wieder von Bergung zurück gekommen. Es war eine schwere Arbeit. Wir waren 2 Tage unterwegs. Die Maschine lag in der Nähe von Schinsk. Es sind ungefähr 50 km zu fahren gewesen. Durch die ständigen Schneeverwehungen wird eine solche Fahrt furchtbar erschwert. Auf der Rückfahrt sind wir unterwegs im Schnee stecken geblieben. Sonst gibt es nichts neues.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

09.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 09.12.43

 

Liebe Eltern!

Nachdem wir uns hier ungefähr in unser neues Quartier zurecht gefunden haben, möchte ich Euch einen kurzen Bericht geben. Wir wohnen hier in einem Dorf. Sind einquartiert bei Russen. In jedem Haus 6 - 10 Mann. Ich wohne zur Zeit mit 8 Mann zusammen bei einem alten Ehepaar. Alles in einem Raum. Wir 8 schlafen auf dem Fußboden (auf Stroh). Der Mann im Bett, die Frau auf dem Herd. Es ist furchtbar eng. Der Raum ist nur 7 - 8 m groß. Die nötigen Haustiere werden hier auch versorgt.

 

Technische Arbeit haben wir zur Zeit keine. Wir bauen uns eine große Baracke in der Nähe des Flugplatzes, damit wir eine vernünftige Unterkunft bekommen. Der Flugplatz wird noch ausgebaut. Das dauert noch einige Zeit.

 

Anbei schicke ich Euch noch 3 Luftfeldpostbriefmarken.

 

Es grüßt euch recht herzlich

Euer Walter

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

11.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 11.12.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Brief vom 4. d.M. erhalten. Wofür meinen allerbesten Dank. Es freut mich, dass das Paket Nr. 8 angekommen ist. Jetzt fehlen noch die Luftsendungen Nr. 7 und 9 bis 11.

 

Mit der Beförderung ist bis jetzt noch nichts raus. Allerdings ist der Abteilungsbefehl von diesem Monat noch nicht raus. An das fliegende Personal glaube ich bald nicht mehr, denn man hört nichts mehr.

 

Über Walter Bingemer bin ich erstaunt. Aber dies sind ja andere Verhältnisse wie bei mir. Bei uns gibt es zur Zeit nichts Neues.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

14.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 14.12.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Brief vom 1.12. und 23.11. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.

 

Der Brief Nr. 20 vom 23.11. ist bereits veraltet. Hampel ist bereits wieder da. Das Geld habe ich von ihm erhalten, ebenfalls das Paket. Ferner haben wir uns über alles unterhalten.

 

Der andere Brief Nr. 22 vom 1.12. ist auch bereits reichlich veraltet. Mit der Post hoffe ich, dass es jetzt besser klappt. Aber ich nehme an, dass wir nicht mehr allzu lange hier sind, denn gewisse Anzeichen dazu haben wir dafür.

 

Dass in Frankreich kein Frontgeld mehr gilt, habe ich zur Kenntnis genommen. Über Fritz bin ich erstaunt. Ich werde ihm Weihnachtsgrüße zukommen lassen. Über Karlheinz und Alfred bin ich genau unterrichtet.

 

Dass das Paket Nr. 9 gut und schnell angekommen ist, freut mich. Aber über das 2. Päckchen Nr. 7 vom 24.11. habe ich noch keine Bestätigung. Ich glaube es waren ca. 100 Zigaretten drin. Damit genug für heute. Bei uns ist noch alles in Ordnung.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

17.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 17.12.43

 

Liebe Eltern!

Habe heute Euren Brief vom 10. d.M. erhalten, wofür meine allerbesten Dank. Winter haben wir hier auch. Aber es ist noch nicht toll. Wir haben hier sehr wenig Schnee. Auch haben wir nur wenige Grad C unter 0.

 

Über Hermann bin ich erstaunt, dass er gerade an Weinachten zuhause ist. Dies Glück habe ich bisher noch nicht. Aber weit bin ich vom Urlaub nicht mehr entfernt. Daher bitt ich Euch im neuen Jahr vorerst kein Paket mehr zu schicken.

Ferner habe ich heute Euer Paket vom 23.11. erhalten. Meinen allerbesten Dank hierfür. Es kam sehr gut an. Und die Äpfel und das übrige habe ich mich gefreut.

 

Hier gehrt es immer seine alten Trott. Aber Gott sei Dank habe ich mit Holzfällen und Buddeln nichts zu tun, denn ich habe ja immer am Storch zu tun.

 

Ich bitte Euch, im nächsten Brief, wenn es möglich ist, mir zwei Tätigkeitsabzeichen zu schicken (das eine gewöhnlich, das andere mit einer Goldkordel). Ferner mir 2 ½ m Goldkordel zu schicken. Damit genug.

 

Es grüßt Euch recht herzlich und wünscht Euch "Frohe Weihnacht" und ein glückliches "Neues Jahr". 

Wollen wir hoffen dies uns mehr Glück bringt.

 

Euer Walter

 

 

 

Der Fieseler Storch des Einheitsführers wurde stets gut bewacht

 

,

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

18.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 18.12.43

 

Liebe Eltern!

Heute wurde mit Wirkung vom 1.12. meine Beförderung zum Obergefreiten ausgesprochen. Damit habe ich es endlich erreicht.

Ich bitte euch, aus diesem Anlass mir meine Steuerkarte zu schicken. Diese wird für den Gehalt benötigt. Ferner bitte ich Euch, die Nummer und Anschrift meines Sparbuches anzugeben. Wegen der Gehaltsüberweisung. Diese beträgt soweit mir bekannt ist 75,50 RM monatlich. Damit genug

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

23.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 23.12.43

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Luftfeldpostbrief vom 15. d.M. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.

Heute haben wir einen Tag vor Weihnachten. Ich möchte Euch daher noch einmal schreiben. Es ist die dritte Weihnacht, die wir nicht zusammen sind. Hoffentlich ist die vierte anders.

 

Wir werden morgen Weihnachten feiern. Wie diese natürlich unter Soldaten gefeiert wird, besonders wenn es eine vernünftige Marketenderware gerade gab, kann sich Papa ja bestimmt vorstellen.

Ferner habe ich eich zu berichten, dass das Paket von Onkel Fritz gut angekommen ist. Außerdem ist das Paket von Heinrich Wörner gut angekommen. Es war drin: Ein Kuchen (ca. 250-300 g), Schachspiel, Fußpuder, Tabletten gegen Husten und Hals, Hansaplast, Briefpapier und ein Buch. War der Firma anzuerkennen.

Anbei 6 Luftfeldpostmarken.

 

Der Winter ist bis jetzt noch nicht toll. Wir haben Schnee (ca. 20 - 25 cm) und 5 bis 10 ° unter O. Damit genug für heute.

Es grüßt Euch recht herzlich und wünscht euch ein gutes "Neues Jahr" . 

Hoffentlich bringt es uns mehr Glück

 

Euer Walter

 

 

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Minsk

Weißrussland

 

 

27.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 27.12.43

 

Liebe Eltern! 

Habe gestern Euren Brief Nr. 19 vom 19.11. erhalten. Er hat scheinbar lange irgendwo gelegen. Meinen besten Dank. Der Brief ist zwar schon sehr veraltet, denn Hampel ist schon wieder 3 Wochen aus dem Urlaub zurück. Aber sag bloß mal, wie viel Bäume willst du noch in den kleinen Garten pflanzen? Ich schätze, wenn Du noch Gemüse ziehen willst, musst Du diesen bald vergrößern.

 

Die Feiertage haben wir gut und ruhig verlebt, hoffentlich Ihr auch. Am 24. hatten wir noch eine Weihnachtsfeier. Anschließend vernünftiges Essen. Und darauf Geschenkverteilung durch den Weihnachtsmann. (dies machte der spieß). Es hat gegeben 2 Fl. Sekt, 320 Zigaretten, 5 Zigarillos, 2 Pakete Tabak, 1 Tafel Schokolade, 10 Rollen Drops, Briefpapier, Tube Zahnpasta, 10 Rasierklingen, 1 Paar ...., 20 Schachtel Streichhölzer und ca. 2 Pfund Lebkuchen. Dann feierten wir auf Stube bis 24 Uhr. Am 1. Feiertag hatten wir dienstfrei. 

 

Nun habe ich geschrieben, wie es hier war. Aber, wie war es bei Euch? Habt Ihr mit Bekannten wieder zusammen gefeiert? Nun damit genug für heute.

 

Es grüßt Eich recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

30.12.1943 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 30.12.43

 

Liebe Eltern! 

Gestern erhielt ich noch ein Weihnachtspaket von Euch, vom 30.11.. Meinen allerbesten Dank. Es kam sehr gut an. Kuchen und Gebäck schmeckt einfach prima.

 

Ferner erhielt ich heute Euren langersehnten Brief vom 2.. d.M. (Nr. 27). Meinen allerbesten Dank. Vor allem freut es mich, dass Euch und dem hause nichts passiert ist. Auf diese Nachricht, was in Frankfurt passiert ist, waren wir alle drei sehr gespannt wie ein Regenschirm. Dass die Schäden sehr groß sind und das Unheil, das angerichtet wurde, furchtbar war, glaube ich gern. Es gibt einfach nichts furchtbareres als Fliegerbomben, dies haben wir hier schon sehr oft festgestellt. Selbst Artillerie ist nicht so schlimm. Dies stellte ich fest, als uns diese in Witebsk mehrmals beharkte.

 

Wir sind daher hier froh, dass wir im Augenblick Ruhe haben. Aber wie lange wird dies sein? Ich bin ja mal gespannt, was von Frankfurt noch steht, wenn ich demnächst auf Urlaub komme. Dann können wir uns über alles auch mal wieder richtig aussprechen.

Wollen wir hoffen, dass es auch weiterhin gut für uns abgeht. Anbei noch 4 Luftfeldpostbriefmarken.

Bei uns gibt es zur Zeit nichts Neues. Alles unverändert. Morgen ist Silvester. Da wird wieder mal bei uns ordentlich gefeiert. "Prost Neujahr!" Damit genug für heute.

 

Es grüßt euch recht herzlich und wünscht euch alles Gute und viel Glück 

Euer Walter

 

 

 

1944

 

Am 14. Januar begann der sowjetische Angriff auf den deutschen Belagerungsring um Leningrad. 900 Tage hatte die Stadt ausgeharrt und konnte nur im Winter über den zugefrorenen Ladogasee mit Nachschub versorgt werden. Die Sowjets setzten nach: ihre Frühjahrsoffensive brachte weitere Gebietsgewinne, und die Wehrmacht musste sich weiter zurückziehen bis zum Peipus-See. Hitler befahl wie Stalin zu Beginn des Krieges die Taktik der verbrannten Erde, durch die den Sowjets keine kriegswichtigen Einrichtungen hinterlassen werden sollte.

Vom 9. April an konzentrierten sich die sowjetischen Anstrengungen auf die Rückeroberung der Halbinsel Krim, die am 12. Mai wieder fest in sowjetischer Hand war. Die deutschen und rumänischen Einheiten retteten sich großenteils über das Schwarze Meer.

 

Nach einer kurzen Ruhephase während der schlammigen Frühjahrszeit griffen die Rotarmisten im Juni wieder an. Am 9. Juni begann die Offensive an der finnischen Front auf der karelischen Landenge. Ende Juni kam dieser Angriff auf Höhe der alten Grenze von 1940 zum Stehen.

 

Ziel der Sowjets war die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte. Am 23. Juni (Operation Bagration) brachen die Angreifer durch die Verteidigungsfront und kesselten große deutsche Verbände bei Witebsk und Bobruisk ein. Am 29. Juni kapitulierten diese Truppen, worauf die Heeresgruppe Mitte praktisch aufgelöst war und die Rote Armee bis kurz vor Warschau und an die Grenzen von Ostpreußen vorstoßen konnte. Diese Niederlage der Deutschen Wehrmacht war verheerender und folgenreicher als die Schlacht um Stalingrad eineinhalb Jahre vorher: denn die Wehrmacht verlor mehr Soldaten (schätzungsweise 500.000 Tote und 400.000 Gefangene) und Gerät, die ganze Ostfront geriet ins Wanken.

 

Am 3. Juli eroberte die Rote Armee Minsk zurück und kesselte die Reste der deutschen 4. Armee ein, die bald kapitulierte. Weiter südlich drang ab dem 13. Juli in Galizien eine weitere sowjetische Offensive bis Lemberg zur Weichsel vor.

 

Am 20. Juli 1944 versuchten deutsche Widerständler im Hauptquartier in Ostpreußen ein Attentat auf Hitler, das aber ebenso scheitert wie der anschließende Versuch eines Staatsstreiches in Berlin. Die Attentäter wurden hingerichtet.

 

Am 1. August begann der Warschauer Aufstand der Polnischen Heimatarmee. Die traditionelle Sicht der sowjetischen Haltung zu diesem Aufstand (die unter anderem von Churchill selbst vermittelt wurde) wirft Stalins Regierung vor, mit Absicht die Zerschlagung des Aufstands durch die Wehrmacht nicht verhindert zu haben um antikommunistische Kräfte zu schwächen. Demgegenüber weist etwa der britische Historiker Richard Overy (Russlands Krieg. Rowohlt 2003. ISBN 349805032X) jüngst darauf hin, dass die Möglichkeiten der Roten Armee zu diesem Zeitpunkt (nach einer umfangreichen und raumgreifenden Offensive gegen die Heeresgruppe Mitte) begrenzt waren, Entlastungsangriffe am deutschen Widerstand scheiterten und die polnische Heimatarmee es ablehnte ihre Aktivitäten mit sowjetischen und polnisch-kommunistischen Einheiten zu koordinieren.

 

Mit dem Beginn der Operation Jassy-Kischinew im August marschierte die Rote Armee in Rumänien ein und vernichtete die (neue) deutsche 6. Armee bei Chisina(u. Am 23. August wechselte König Michael von Rumänien die Fronten und erklärte Deutschland den Krieg. Die Erfolge der Sowjets zwangen die Wehrmacht zum Rückzug aus Griechenland, am 13. Oktober rückten britische Einheiten in Athen ein.

 

Am 5. September nahm die Rote Armee Bulgarien ein; dort inszenierten die Sowjets am 9. September einen kommunistischen Staatsstreich und marschierten am 19. September in Sofia ein. Ein weiterer Verbündeter Deutschlands fiel an diesem 19. September weg, als Finnland einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion schloss.

 

Am 20. Oktober eroberten sowjetische Einheiten und jugoslawische Partisanen unter Tito die Hauptstadt Belgrad und zwangen die deutsche Heeresgruppe E zum Rückzug bis zur Drina.

 

Im Norden zog sich die Heeresgruppe Nord am 13. Oktober aus Riga nach Kurland zurück. Ab dem 20. Oktober, als die Rote Armee zur Mündung der Memel vorstieß, war sie vom Rest der Ostfront abgeschnitten, konnte aber von der Roten Armee in zahlreichen Kämpfen nicht vernichtet werden.

 

Auch in Ostpreußen kam die Offensive der Sowjets im Oktober nach anfänglichen Erfolgen zum Erliegen. Punktuell konnte die Wehrmacht Boden gutmachen.

 

In der ungarischen Hauptstadt Budapest wurden am 24. Dezember 70.000 deutsche und ungarische Soldaten eingeschlossen, die Stadt konnte am 11. Februar 1945 von der Roten Armee eingenommen werden.

 

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

02.01.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 02.01.44

 

Liebe Eltern! 

Heute erhielt ich Euren Brief vom 26.12., wofür meinen allerbesten Dank. Nun schreiben wir 1944. Wieder liegt ein Jahr schweren Kampfes hinter uns. Was wird uns dieses Jahr bringen? Hoffentlich den lang ersehnten Frieden!

 

Wir haben hier auch wieder sehr schön und gut Neujahr gefeiert. Wir hatten vor allem Ruhe. Hoffentlich hattet Ihr das auch!

Dass Ihr den Heiligabend zu viert gut verlebt habt, freut mich. Was das Hauptgespräch war, habe ich mir schon gedacht. Auch bei uns wurde darüber gesprochen. Dies könnt Ihr Euch wohl denken, zumal wir verschieden Familienväter unter uns haben. Man verbringt natürlich nicht den ganzen Abend damit, denn dann gäbe es überhaupt keine Stimmung.

 

Dass Ihr Euch gegenseitig kleine Geschenke machen konntet, freut mich. Bei uns ist alles unverändert.

 

Es grüßt Euch recht herzlich und wünscht euch alles Gute 

Euer Walter

 

Auch soll ich Euch Grüße von Walter Hampel ausrichten

 

 

bei

Minsk

Weißrussland

 

 

04.01.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland 04.01.44

 

Liebe Eltern! 

Gestern erhielt ich Eure beiden Briefe Nr. 26 und 29 vom 21.12. (von Mama) und vom 28.12. . Für beide Briefe meinen besten Dank.

Der Brief von Mama über den Terrorangriff auf Frankfurt ist durch die beiden letzten Briefe von Papa bereits erledigt. Dass der Brief Nr. 32 vom 14.12. noch nicht angekommen ist, ist bedauerlich. Ich weiß leider nicht mehr, was ich darin geschrieben habe. Aber ich hoffe, dass es durch die letzten Briefe erledigt ist. Aber noch viel mehr würde es mich ärgern, wenn das Päckchen nicht ankäme. Es ist das Nr. 11 vom 29.11.. Ihr müsst also im letzten Jahr mit diesem 11 Päckchen erhalten haben (das heißt, von meinem Urlaub ab).

 

Die Schnur und die beiden Abzeichen sind richtig. Hier bei uns herrscht im Moment Tauwetter und dazu noch starker Wind und Regen. Sonst nichts Neues.

 

Es grüßt euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

Rückreise

vom

Heimaturlaub

 

 

08.02.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Insterburg, 08.02.44

 

Liebe Eltern! 

Bin hier am Montag kurz nach 13 Uhr gut angekommen. Habe mich dann auf dem Fliegerhorst gemeldet. Alles gut gegangen. Die Übrigen sind gegen 17 Uhr eingetroffen. Wir werden voraussichtlich am Mittag im Transport weiterfahren. Hier in Insterburg merkt man noch nichts, außer den üblichen Einschränkungen, vom Krieg. Man kann hier noch in Kino und Cafe gehen ohne durch Alarm gestört zu werden. Das genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

Rückreise

vom

Heimaturlaub

 

 

09.02.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Insterburg, 09.02.44

 

Liebe Eltern! 

Da wir heute nun von hier aus losfahren, möchte ich Euch noch die Marken schicken. 

Sonst habe ich für heute nichts zu berichten.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

 

15.02.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 15.02.44

 

Liebe Eltern! 

Gestern Abend bei Dunkelheit kam ich bei meiner Einheit an. In Insterburg sind wir erst am 11.2. weggefahren. Und waren in nur 22 Stunden in Minsk. Es war ein Eiltransport mit Kraftfahrzeugen. Von dort sind wir dann zu unserem Haufen gefahren. Er siegt dort wie Rohloff geschrieben hatte. Wir wohnen in Russenhäusern. Es geht aber einigermaßen. Auf dem Platz ist wieder viel Arbeit. Wir haben eine Halle.

 

Was ist bei den letzten Angriffen wieder alles passiert? Es ist einfach furchtbar, kaum ist man von zuhause weg und schon ist wieder der Teufel dazwischen. Hoffentlich ist zuhause alles gut abgegangen.

 

Das Wetter geht einigermaßen. Wir haben einige Grad unter 0. Auch liegt hier noch Schnee. 

Anbei 4 Luftfeldpostbriefmarken und 2 Paketmarken.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

 

17.02.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 17.02.44

 

Liebe Eltern, 

Heute erhielt ich euren Brief Nr. 1 vom 8.2., wofür meinen allerbesten Dank. Es beruhigte mich schon sehr, dass Ihr beim 6. Großangriff gut davon gekommen seid. Hoffentlich habt Ihr auch beim 7. Glück gehabt.

 

Liebe Eltern! 

Mit meinem Urlaub habe ich sehr sehr viel Glück gehabt. Und zwar sind nach mir noch 5 Mann gefahren. Jetzt soll sogar eine neue Urlaubsregelung herausgekommen sein, wonach man jetzt nur noch einmal im Jahr in Urlaub fahren soll. Dies wäre gerade nicht schön. Sonst habe ich heute nichts.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

 

22.02.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 22.02.44

 

Liebe Eltern! 

Heute erhielt ich Euren Brief vom 13. , wofür meinen allerbesten Dank. Habe euch heute ein Paket mit 3 Päckchen Tabak, 4 Zigarren, Zigarettenpapier und eine Zahnbürste mit einer Tube Zahncreme abgeschickt. Hoffentlich kommt es an.

 

Es freut und beruhigt mich, dass bei Euch zuhause nichts passiert ist. Dass die Leute immer unsicherer werden, kann ich mir denken. Hoffentlich hat das alles bald ein Ende. Bei uns gibt es nichts besonderes. Über Alfred weiß ich bescheid. 

 

Anbei 2 Bilder und ein Negativ, das eine ist auf der Verlegung nach P., das andere ist an einer Maschine FW 190. 

Das 3. ist eine Großbildaufnahme. Genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

 

28.02.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 28.02.44

 

Liebe Eltern! 

Habe Euren Brief Nr. 3 vom 18.2. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.

Bei uns ist es noch einmal Winter geworden. Es sind noch einmal 10 cm Schnee und nachts ist es 10 - 12 ° unter Null. Am Tag ist es oft sehr schön. Die Sonne hat schon wieder etwas Kraft.

 

Hier auf dem Platz haben wir nicht sehr viel zu tun. Wir sehen es bald wieder rollen. Hier auf dem Platz ist ein Kino, in das wir jede Woche 2-3 mal gehen. Ferner haben wir jetzt, wo wenig zu tun ist, 2 x in der Woche Sport. Dieser besteht aus Fußballspielen. Heute haben wir ein Spiel gegen den 2. Zug gehabt. 4 zu 5 für uns. Es ging feste zu. Damit für heute genug.

 

Es grüßt Euch herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

 

08.03.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 08.03.44

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Brief Nr. 6 vom 22.3. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Zwar habe ich diesen Brief erst mit einem kl. Schreck gelesen. Aber zum Glück musste ich feststellen, dass ihr noch gut durchgekommen seid. Hoffentlich steht unser Haus noch und ihr seid gesund, wenn ich wieder in einem halben Jahr nach Hause komme.

 

Von hier ist wenig zu berichten. Der Sturm mit der Arbeit hat wieder nachgelassen und wir haben wieder unsere normale Arbeitszeit.

Nun habe ich noch eine Bitte, dass Ihr mir im nächsten Paket ein Schnapsglas schickt. Damit genug für heute.

 

Es grüßt Euch recht herzlich 

Euer Walter

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

 

12.03.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 12.03.44

 

Liebe Eltern! 

Habe heute Euren Brief Nr. 7 vom 8.3. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank.

Nach Euren Schilderungen über den Fliegerangriff auf Frankfurt zu folgen, muss dieser furchtbar gewesen sein. Hoffentlich habt Ihr weiterhin großes Glück.

 

Die Wetterlage ist zur Zeit hier sehr mild. Wir haben regelrechtes Tauwetter. Arbeit haben wir sehr wenig. Heute, am Sonntag, hatten wir Heldengedenkfeier mit der Horstkompanie zu feiern. Der Horstkommandeur hielt eine Ansprache. Er ist von Beruf Pfarrer. Kann daher natürlich gut reden.

 

Nun habe ich Euch wegen dem Füllhalter noch etwas zu schreiben. Schickt diesen in einem Päckchen an Fritz Schuhmann. Dieser ist vorgestern in Urlaub gefahren und will mir ein Paket mitbringen. Schickt es aber bald los, da er nur 14 Tage zuhause ist.

Ferner bitte ich Euch um ein Schnapsglas, denn unser Glas ist kaputt und aus der Flasche schmeckt das Zeug nicht so. Damit genug für heute.

 

Es grüßt euch recht herzlich und wünscht euch alles Gute 

Euer Walter

 

 

 

Luftabwehr in der Heimat

 

Währenddem die Soldaten an der Front auf ganz andere Art gefordert wurden, ertrug die Bevölkerung die immer stärker werdenden Luftangriffe der Alliierten, die all das wieder zurück zahlten, was die Deutsche Luftwaffe angerichtet hatte. In den Briefen von Walter Michel ist immer öfters die Sorge um die Bombenangriffe auf Frankfurt am Main die Rede. Hier muss man sagen, dass Frankfurt-Fechenheim nur zwei nennenswerte Angriffe zu verzeichnen hatte, die allerdings auch starke Verwüstungen hinterließen. Über die Flugleitzentralen hatte dei Bevölkerung jedoch ausreichend Zeit, die Bunker aufzusuchen. 

 

Für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad täglich nach Frankfurt mussten, war die Situation ungleich gefährlicher, denn sie erreichten nicht immer den rettenden Schutz. Viele junge Frauen waren zudem in den Flugüberwachungen beschäftigt, die ständig mit den Luftbeobachtungsposten, den Flakstellungen und den Jagdflugzeugstaffeln verbunden waren. Ihre aufopfernde Arbeit wird heute mit keinem Wort mehr erwähnt. Dennoch konnten alle Flugabwehrmaßnahmen nicht verhindern, dass dei Bomberverbände ihre Ziele erreichten.

 

Für die Frontsoldaten war der Zeitraum zwischen Wehrmachtsbericht und der nächsten Post aus der Heimat eine bange Hängepartie und Fronturlauber standen nicht selten vor einem Trümmerhaufen und mussten erst ihre Angehörigen suchen - wenn sie überhaupt noch lebten.

Die Fahrt zurück zur Front glich oft einer Fahrt "nach Hause", denn das wirkliche Zuhause gab es oft nicht mehr.

 

 

Flugleitzentrale zur Organisierung der Fliegerabwehr

 

 

Nachtjäger greifen ein

rechts dei Flakabwehr

 

Dennoch waren die Bombenangriffe wesentlich erfolgreicher als deren Abwehr

 

 

 

bei

Polozk

Witebsk

 

18.03.1944 Feldpost-Nr. L 15987 (A) L.G.P.A.: Posen

 

Russland, 18.03.44

 

Liebe Eltern!

Habe heute euren Brief vom 13.3. erhalten, wofür meinen allerbesten Dank. Ich bin sehr froh, dass unser Haus wieder in Ordnung ist. Hoffentlich passiert nichts mehr.

 

Mit der Urlaubsfrage hat es sich sehr geändert. Und zwar ist es jetzt auf 7 Monate zurückgesetzt worden. Aber es ist durchaus möglich, dass ich vor der Zeit zu Hause einige Tage bin. Zu der Frage mit dem Kriegsende kann ich nur sagen, dass der Zeitpunkt etwas zu früh ist. Schön wäre es, aber ich glaube nicht daran. Aber mit Bestimmtheit sage ich, dass der Krieg in diesem Jahr entschieden wird.

 

Ich bin sehr erstaunt, dass Du noch gemustert wurdest. Aber es freut mich, dass Du NK gestellt bist, denn ich wünsche dir nicht, noch zu dieser Zeit eingezogen zu werden. Dass Hans überhaupt noch einmal nach Frankfurt gekommen ist, wundert mich.