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Nachruf
auf
unsere geliebte "Molli"
Der
15. November 2006 wird meiner Frau und mir so schnell nicht aus dem Kopf gehen,
denn wir verloren unsere Mitbewohnerin und überaus liebenswerte Katze Molli,
die im 11. Lebensjahr nach dem zweiten Herzinfarkt innerhalb von einer guten
Woche verstarb. In den 33 Jahren, die wir nun insgesamt mit Katzen verbrachten,
ging uns der unvermeidliche Tod unserer Katzen nicht so an die Nieren, wie der
Verlust dieses außergewöhnlichen Lebensgefährten.
Natürlich
ist das in keiner Weise mit dem Tod eines geliebten Mitmenschen vergleichbar,
dessen Tod unser ganzes Leben verändert. Ich stelle das auch hier nicht zur
Diskussion. Mit meinen Worten, die ich darüber verlieren möchte, hoffe ich
aber zum Ausdruck zu bringen, wie sehr all denen, die armselige und geschundene
Kreaturen aufnehmen um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, diese Tiere ans
Herz wachsen und wie sehr sie unter dem Ableben der Geschöpfe leiden.
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Das
Leben von Molli (links) war natürlich viel zu kurz, denn
viele Katzen werden bis zu 20 Jahre alt. Sie war eine Freigängerin, die
gerade mal 1 1/2-jährig bereits schon zweimal je 5 Junge geworfen hatte,
die sie in einem Hasenstall in unserer Nachbarschaft aufzog. Ihr Zustand
war katastrophal, denn sie bestand nur aus Haut und Knochen und ihre
Zitzen hingen bis auf den Boden. Sie war ständig auf der Suche nach
Nahrung für sich und ihren Nachwuchs und fraß die Reste, die unsere
Katze Sofie übrig ließ und die wir stets an die Haustür
stellten.
Als
unsere Sofie (unten links) nach kurzer schwerer
unerklärlicher Krankheit verstarb, über die uns auch der damalige
Bischofsheimer Tierarzt nicht aufklären konnte, stand im gleichen Tag
Molli vor der Tür, wahrscheinlich, weil wir vergessen hatten, die
Reste vor die Tür zu stellen. Sie kam in die Wohnung, fraß sich satt,
sprang meiner trauernden Frau auf den Schoß und leistete ihr über 2
Stunden Gesellschaft, was für eine Freigängerin außergewöhnlich war.
Freigängern muß man generell immer den Fluchtweg offen lassen, sonst
reagieren sie panisch.
Molli
nahm fortan den Platz von Sofie ein und wir ließen sie
zunächst sterilisieren, weil wir das Elend nicht mit ansehen konnten. Im
Laufe der Zeit erholte sie sich recht gut und nahm auch das große
Grundstück in Besitz. |
Es war zu ihrem Zuhause geworden. Es gab kaum einen
Kater im Viertel, dem sie nicht gezeigt hätte, wo es lang geht. Tagsüber
kam sie in die Wohnung und nachts wollte sie grundsätzlich raus. Im
Winter richteten wir ihr im Heizungskeller einen Schlafplatz ein, den sie durch
eine kleine Öffnung im Kellerfenster erreichen konnte. Irgendwann kam der
Moment, als sie morgens nicht mehr da war. Hier merkten wir erst, wie sehr uns
die kluge und liebe Art der Katze fehlte. Vierzehn Tage später stand sie
plötzlich wieder vor der Tür - abgemagert, struppig, hungrig und ein Bild des
Jammerns. Wir pflegten sie erneut gut und sie erholte sich schnell, obwohl wir
zunächst nicht wussten, was ihr ernstes zugestoßen war. Von diesem
Zeitpunkt an war sie wesentlich länger in der Wohnung als vorher und sie war
nochmals anhänglicher.
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Inzwischen
gab es auf dem Grundstück eine weitere Katze, die von Molli geduldet
wurde. Wir nannten sie "Daisy" und sie hatte uns ihr
Junges vor die Tür gesetzt. Natürlich fütterten wir auch diese beiden Katzen,
die ebenfalls Freigänger waren. In regelmäßigen Abständen waren in Hochstadt
Tierschützer unterwegs, die herrenlose Katzen einfingen und sterilisieren
ließen. Von ihnen ließen wir auch Daisy sterilisieren. Ihr
Nachwuchs, ein kleiner schwarzer und bildschöner Kater wurde frühmorgens von
einem Auto überfahren. Daisy war nun ebenfalls Bestandteil der
Großfamilie und wagte sich auch in die Wohnung. Legendär ist ihr
"Klingeln", wenn sie die Tür geöffnet haben wollte. Dann stellte sie
sich an der Tür hoch und schlug kräftig an den dort hängenden Schlüsselbund,
um auf sich aufmerksam zu machen.
Ein
Jahr, bevor wir unsere alte Wohnung verließen, wurde unsere Molli
in der Nachbarschaft vergiftet. Sie krümmte sich vor Schmerzen und erbrach sich
pausenlos. An dieser Stelle muss ich den Tierarzt Dr. Sander in
Dörnigheim besonders hervorheben, der sofort die richtigen Maßnahmen
einleitete. Da Molli absolut nichts zu sich nahm, war es
erforderlich, dass ihr ein Flüssigkeitsdepot in den Rücken gespritzt werden
musste. |
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Ferner wurden ihr die erforderlichen Nährstoffe gespritzt und der
Appetit mit "Astronautennahrung" aus der Tube angeregt.
Röntgenaufnahmen und Blutuntersuchungen ergaben, dass die Vergiftung sehr
schwerwiegend war und sich in der Leber eine Luftgewehrkugel befand, die sich
schon abgekapselt hatte. Nun war uns auch ihre 14-tägige Abwesenheit klar. Sie
hatte sich schwerverletzt irgendwo verkrochen, bis sie wieder laufen konnte. Und
nun die Vergiftung! Wir wissen bis heute nicht, wer ihr das angetan hat. Mit
sehr viel Liebe und Pflege überlebte Molli auch die Vergiftung.
Vor
zwei Jahren zogen wir innerhalb von Hochstadt um und standen vor dem Problem,
was wir mit den zwei Freigänger-Katzen machen. Wir nahmen beide kurzerhand mit,
waren uns aber darüber im Klaren, dass beide Katzen wieder ins alte Revier
zurücklaufen würden, wenn sie in Freiheit kämen. Aus verständlichen Gründen
wollten wir aber genau das verhindern. Auch wenn beide Katzen bisher keine
Katzentoilette gewohnt waren, sie nahmen sie beide an und unternahmen auch
keinerlei Fluchtversuche aus der Wohnung. Die Wohnung war nun ihr
Revier, das sich sich teilten. Das ging nicht ganz ohne Stress ab und es zeigte
sich, dass Daisy Asthma hatte, was durch die Stresssituation immer
wieder zu Anfällen führte. An einem dieser Anfälle verstarb sie nachts.
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Molli
hatte sich mit ihrer Situation prima arrangiert und nahm
wesentlich mehr in Besitz, als man das gewöhnlich zulässt. Ihre
ständige Nähe, die kluge Art, wie sie sich einfügte und dennoch ihre
Eigenständigkeit bewahrte, war bewundernswert. In dieser Zeit entstand
zwischen ihr und uns eine Bindung, die unbeschreiblich ist. Nur
Katzenfreunde können verstehen, was ich damit meine.
Sie
wuchs mir ähnlich ans Herz, wie unser erster Kater Willi (unten
rechts), den wir vor dem sicheren Tod retteten, weil ihn Jäger als gerade
mal 6-wöchigen Wurf Jagdhunden zum Abrichten vorwerfen wollten.
Eigentlich war unsere kleine Welt rundum in Ordnung, als Molli
vor einer guten Woche in den frühen Morgenstunden einen Herzinfarkt
erlitt und der sofortige Einsatz des Tierarztnotdienstes die schlimmsten
Folgen abfangen konnte. Alle vier Beine waren ohne Gefühl, jedoch nicht
gelähmt. Mehrmals täglich massierte ich die Beine und das Gefühl kam
wieder in die Glieder. Jeden Tag gab es eine neue Verbesserung und auch
der Stuhlgang stellte sich wieder ein. Nach einer Woche lief sie wieder
einigermaßen passabel und der Hunger war auch vorhanden. Dann kam, was
wir alle befürchtet haben - ein zweiter Infarkt mit einem kurzen heftigen
Todeskampf, dessen Begleiterscheinungen ich niemals vergessen werde. Der
sofort kontaktierte Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. |
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Wir
sind beide äußerst stark vom Tod gerade dieser Katze berührt, weil sie uns so
sehr viel bedeutete. Wie alle Katzenfreunde liebten wir die überlegene und
kraftvolle Art und das diskrete Zurückziehen in besonderen Situationen. Sie
hatte ein Sozialverhalten, wie wir es bei Tieren und leider auch bei vielen Menschen noch nie
erlebt haben. Dass gerade sie sich so schnell und frühzeitig von dieser Welt
verabschieden musste, werden wir noch lange Zeit nicht verstehen.
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